Kostenwahrheit: Neue Erneuerbare vs Kernkraftwerke 

Kostenwahrheit: Neue Erneuerbare vs Kernkraftwerke 

In ihrer Ausgabe vom 22. März 2026 hat die «NZZ am Sonntag» einen Artikel mit dem Titel «Röstis riskante Wette» publiziert (lesen Sie hier eine KI-generierte Zusammenfassung).

In diesem Artikel findet der Leser Aussagen wie:

  • Heute werde jede Stromproduktion staatlich gefördert. Das werde auch bei Kernkraftwerken irgendwelcher Art immer der Fall sein.
  • In Zukunft würden wir an immer mehr Tagen sehr viel kostengünstigen Strom[1] im Netz haben, und ein Kernkraftwerk könne somit an immer weniger Tagen Geld verdienen.
  • «Es ist nicht Aufgabe der Stromkonsumentinnen, das riesige unternehmerische Risiko einer nicht mehr zeitgemässen Stromproduktion zu schultern». So jedenfalls wird die SP-Energiepolitikerin Nadine Masshard zitiert.
  • Zudem wird der GLP-Präsident Jürg Grossen zitiert: «Kernkraftwerke passen immer weniger in den von erneuerbaren Energien (NEE) geprägten europäischen Strommarkt.» Und Grossen weiter: «Ein jahrzehntelang garantierter Einspeisepreis wäre teure und schädliche Planwirtschaft».

Im Weiteren verweist der Artikel auch auf das Britische EPR 2000-Projekt Hinckley Point, dessen effektive Bauzeit und damit unweigerlich auch die Kosten weit über den ursprünglichen Plänen lagen, wie dies ebenso für die technisch praktisch identischen Anlagen der Projekte Flamanville (F) und Olkiluoto (S/F) der Fall war.[2] Doch dabei handelt es sich um gesuchte, völlig untaugliche «Ladenhüter»-Argumente, mit welchen bereits Frau Bundesrätin Leuthard vor über 10 Jahren zur Rechtfertigung ihrer Wende «hausieren» ging. Denn inzwischen gäbe es erfolgreichere Beispiele zu nennen.

Zum Artikel habe ich der NZZ einen Leserbrief zugestellt, in welchem ich in Kurzform zu den wesentlichen Falschaussagen Stellung nehme.

Ausserdem möchte ich auf den sehr wertvollen CCN-Blog Beitrag von Herrn Walter Rüegg  «Kernkraftwerke – Gelddrucker oder Geldschredder» vom 4. April 2026 hinweisen. Sie werden feststellen, dass wir betreffend der Kostenwahrheit der NEE gegenüber Kernkraft im Wesentlichen übereinstimmen. 

Seit gut zehn Jahren hat das CCN in verschiedenen Blogbeiträgen und weiteren Artikeln auf die Kostendiskrepanz zwischen einem Stromversorgungssystem basierend auf NEE oder auf thermischen Anlagen, Kernkraft insbesondere, hingewiesen. In all diesen unabhängigen Studien weisen wir eine Diskrepanz der volkswirtschaftlich relevanten Systemkosten zwischen NEE und Kernkraft und NEE von rund 5 zu 1 nach (siehe Verweise unten).

Man muss sich schon die Dialektik der oben erwähnten Zitate zu Gemüte führen. Die Jahresberichte der CH-Kernkraftwerke, besonders der Anlagen Gösgen und Leibstadt, da diese als Aktiengesellschaften strukturiert sind, sind öffentlich zugänglich. Dies Anlagen wurden über den offenen freien Finanzmarkt finanziert. Entsprechende Finanzierungsstrukturen wären mit Sicherheit auch für neue Kernkraftwerke machbar, vorausgesetzt die Politik brächte es endlich fertig, die dazu notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Damit geht selbstredend auch einher, dass bei adäquaten Rahmenbedingungen nicht die «Stromkonsumentinnen» das riesige Risiko schultern müssten. Und als weitere Anmerkung zur Dialektik: Nirgends findet man ein Wort über das gewaltige finanzielle Risiko, welches die schweizerischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler im Zusammenhang mit der laufenden NEE-basierten Energiewende zu tragen haben (vgl. dazu in meinem Leserbrief den Verweis auf die realen Marktwerte und die realen Kosten der NEE in D).

Und auch Herr Grossen ist mit seiner Argumentation «grossartig»: Was anderes als Planwirtschaft ist denn die ausschliesslich von Subventionen und Einspeiseprivilegien zu Gunsten der NEE getriebene laufende Energiestrategie? Wie auch hier das Vorbild D inzwischen krass vormacht: je mehr NEE Stromerzeugung, desto teurer wird es für die Gesellschaft.

Dialektik im Sinne von Orwell 1984-«Newspeak» lässt grüssen. Bereits vor etwa 10 Jahren haben die Mitglieder des CCN-Vorstandes einen Marschhalt bezüglich der Umsetzung der «Energiewende» gefordert, dies nicht nur auf Grund der horrenden Kosten, sondern auch betreffend unhaltbare Parameter in Hinblick auf Versorgungssicherheit, ERoEI (Energy Return on Energy Invested) und – damit verbunden – auch auf Materialaufwand, «grauem» CO2-Ausstoss, Arbeitskräfte-Mangel (Umsetzung, Zeithorizont, etc.).

Es geht bei den nachfolgend aufgeführten Verweisen und Zitaten nicht darum zu zeigen, wie intelligent wir bei CCN bereits vor Jahren waren, sondern darum, darzulegen, dass sich auf Grundlage nachvollziehbarer Annahmen und eines fundierten Verständnisses der Materie Stromversorgungssicherheit schon vor zehn Jahren nachweisen liess, dass NEE als Ansatz für die Grundversorgung – und als Ersatz für die alternden Kernkraftwerke – die unsicherste und unwirtschaftlichste aller möglichen Lösungen darstellt.


[1] Gemeint ist v.a. Strom aus neuer erneuerbarer Solar- oder Windenergie.

[2] Änderungsmassnahmen aufgrund veränderter technischer Spezifikationen, Vertragswerke u.dgl. führen in der Abwicklung grosser komplexer Projekte praktisch immer zu erheblichen Verzögerungen und diese zu massiven Mehrkosten. Dies gilt in der Regel selbst für Änderungen, die «in sich selbst» keine Mehrkosten (oder sogar Minderkosten) mit sich bringen, sofern sie zu erheblichen Verzögerungen führen. Darum muss für jede Projektleitung die Einhaltung eines vorgegebenen Zeitplans oberste Priorität haben.


Frühere  CCN-Studien (CCN Blog) und einige markante Zitate daraus

Energiewenden scheitern sowieso – wegen fehlender Fachkräfte
11. Dezember 2024
Energiewende in D: «Treffsicher teuerste Lösung»
(Zitat Georg Stamatelopoulos, CEO der EnBW, “Die deutsche Energiewende”, in: «focus.de» vom 5. Dezember 2024.)

Windkraftanlagen
26. Nov. 2024
«Jedenfalls ist Windkraft ähnlich kostspielig wie PV. Während man für moderne Kernkraftanlagen mit Gestehungsstückkosten zwischen 6 bis 8 Rp. pro kWh rechnen kann, muss für Windenergie mit demselben Nettoertrag mit 29 bis 38 Rp. pro kWh gerechnet werden. Dabei sind Kosten für Hydro-Speicher eingerechnet, nicht jedoch die (sehr hohen) Kosten für windkraftbedingten zusätzlichen Leitungsausbau.» (EH)

Replik an den Politaktivisten Knutti
27. Mai 2024:
«Es ist so, dass unter der Netto-Null-Prämisse eine Stromversorgung schwergewichtig mittels PV und den notwendigen Subsystemen (besonders Hydro-Speicherung) realisiert wird, um rund Faktor 5 teurer zu stehen kommt als die Umsetzung einer Nuklearoption. Noch nicht eingerechnet sind dabei für die PV-Variante die Kosten für den Landbedarf (Dach- und Gebäudeflächen reichen bei weitem nicht), der in die Tausende von Quadratkilometern geht.» (EH)

«Alpine PV erzeugt bis zu viermal so viel Winterstrom wie normale Anlagen»
12. Okt. 2023:
«Dazu kommen aber deutliche Mehrkosten für die alpinen Installationen. Im Falle der Anlage «Muttsee» – für die wegen des vorausgegangenen Ausbaus von «Linth-Limmern» die Bauinfrastruktur bereits weitgehend vorhanden war – publizierte die Axpo Gestehungskosten von 22 Rp./kWh!» (EH)

Solaranlagen: Die Dummheit grün-linker Politiker schreit von den Dächern!
12. Aug 2023:
Daraus ein Leser-Kommentar zum Artikel:
“Roger Nordmann rechnet in seinem neuen Buch genau so: Wenn der Staat bezahlt, wird es billig. (Laurenz Hüsler).

Laufende Energiestrategie: Warum deren Scheitern angesagt ist
22. Nov. 2021:
Zusammenfassend haben wir folgende Investitions-Kostenverhältnisse berechnet:

  • Kosten PV System gegenüber Nukleartechnik Generation III: 712 %
  • Kosten PV System gegenüber modularisierter Nukleartechnik Generation IV: 1070 %
  • Kosten PV System gegenüber europäischer Nukleartechnik Generation III: 430 %

Bemerkenswerte Zahlen, besonders auch der Wert unter Punkt 3! Herr und Frau Schweizer werden mit diesen „ewigen“ Baustellen als Inbegriff der horrenden Kosten der Nuklearenergie doch „vorgeführt“. Unsere Berechnung basieren auf den aktuellen Kostenabschätzungen dieser Projekte und zeigen, dass selbst diese deutlich kostengünstiger dastehen als eine äquivalente PV Lösung. Wohlverstanden, geht es hier um die Abschätzung von Grössenordnungen. Auch wenn wir annehmen, mit unseren Berechnungen um +/- 20 % falsch zu liegen – der markant höhere Kostensatz der PV- Technologie bleibt. (Michel de Rougemont; EH)

Kernkraft gegen Sonne mit Blick auf 2035
17. Januar 2019 (Blogbeitrag zu einem Artikel von Silvio Borner und Emanuel Höhener in der «Weltwoche»)
Der Kostenunterschied NEE gegenüber Kernkraft wurde bereits damals mit rund 5 zu 1 beziffert.

Wenn man nur will, dann kann man sich auch informieren, Frau Bundespräsidentin!
27. Februar 2017 (in diesem Blogbeitrag wird auf einen Brief an BR Doris Leuthard vom 14. Feb. 2017 verwiesen)
« … Daraus und aus den Lastfaktoren ergibt sich, dass die Investitionskosten für dieselbe Jahresproduktionskapazität bei der Photovoltaik um den Faktor drei (3!) höher liegen als beim Nuklearstrom. In diesem Vergleich sind die oben erwähnten systemischen Zusatzkosten der breiteren Anwendung der Photovoltaik noch nicht enthalten. Sie würden die Kostenverhältnisse weiter massiv zu Lasten der Letzteren verschlechtern. … » (EH)

Vielen Dank für das Teilen und Verbreiten dieses Artikels!
FacebooktwitterlinkedinmailFacebooktwitterlinkedinmail

Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

2 thoughts on “Kostenwahrheit: Neue Erneuerbare vs Kernkraftwerke ”

  1. Gross-Ideologe Grossen: «Kernkraftwerke passen immer weniger in den von erneuerbaren Energien (NEE) geprägten europäischen Strommarkt.»
    Wenn ich solchen Stuss lese, wünsche ich mir manchmal, in einer aufgeklärten Diktatur wieder aufzuwachen.

    1. Ganz und gar nicht, ganz im Gegenteil:
      Wer noch immer glaubt, dass Flattersrom seit dem Anschluss des ersten Kilowatts eine Störquelle sei, dass es die Kosten in die Höhe treibe, dass die Kunden nachts oder bei Windstille nicht versorgt werden und dass der Mix aus Wasserkraft und Kernkraft ideal sei – diese Menschen gehören einer längst vergangenen Zeit an.
      Es ist das schlimmste Spielzeug, das bei den „grünen Babys“ oberste Priorität geniessen darf. Warum? Weil es Vorrang haben muss, da es ermöglicht, alle mit Subventionen und klimatischem Seelenfrieden zu versüssen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte beachten Sie: Kommentare sind auf 2000 Zeichen begrenzt.