Glauben und Wissen

Glauben und Wissen

Global gesehen, war der aussergewöhnliche Hitzesommer in Europa ein Lokalereignis. Europa macht 2% der Erdoberfläche aus. Europa vom Nordkap bis Kreta und von Portugal bis an den Ural könnte man rund 16 mal im Pazifik platzieren.  El Niño, eine alle paar Jahre wiederkehrende Warmströmung im Pazifik, erstreckt sich über eine grössere Fläche als Europa. Der globale Erwärmungstrend, gemessen seit 1979, beträgt 0.16 Grad pro Jahrzehnt. Vor zehntausend Jahren muss es bereits mal wärmer gewesen sein als heute, sonst könnte man heute nicht Baumstämme unter einem abschmelzenden Gletscher finden. Das ist alles nüchternes Wissen. Dass die heutige Erwärmung grösstenteils durch menschgemachte Treibhausgasemissionen verursacht wurde, ist zwar nicht bewiesenes, aber akzeptiertes Wissen.

Es gibt unendlich viele Dinge die wir noch nicht wissen.  Zum Beispiel wie schnell die damaligen Klimaänderungen verliefen und weshalb. Ein riesiger Ansporn für die Wissenschaft, dies herauszufinden. Dass wir noch vieles nicht wissen, sollten wir mit Demut zur Kenntnis nehmen.

Ob die gesamte Menschheit den gegenwärtigen Erwärmungstrend in einem vereinten Effort umkehren kann, ist in mehrerer Hinsicht fraglich und wissenschaftlich keinesfalls gesichert. Hier beginnt der Glauben und nicht das Wissen. 

Wissen hat Europa seit dem Mittelalter zum Zentrum des Fortschritts gemacht und beispiellosen Wohlstand geschaffen, von welchem die westliche Welt bis heute profitiert. Seit der Aufklärung wird dem Wissen eine höhere Bedeutung zugeordnet als dem Glauben. Grosse Teile der restlichen Welt, insbesondere in Asien, haben in ihrer Entwicklung rasant aufgeholt und sind daran, uns zu überholen. 

Vor diesem Hintergrund ist es bedauernswert naiv, wenn Lisa Mazzone in der Arena aufruft, dass wir jetzt doch endlich aus den fossilen Energieträgern aussteigen müssen. Als würde das irgendjemand in Südostasien, wo mehr als die Hälfte der Menschheit lebt, interessieren. Die Leute wären bereits mit einem Lebensstandard glücklich, der weit unter demjenigen einer grünen Schweizerin liegt. Vergesst die Vorbildfunktion. Niemand wird das nachahmen wollen noch können.

Bei Politikern ist es noch verzeihlich, dass sie solche Dinge glauben. Bedenklich wird es bei Wissenschaftlern, die das auch glauben, aber als Wissen verkaufen. 

Wenn wir fossile Energie wirklich mal substituieren wollen, dann geht das nur mit einer Ressource die energetisch noch hochwertiger, noch zuverlässiger und langfristig noch günstiger ist. Die Physik zeigt, dass gegenüber der Verbrennung radioaktiver Zerfall diese Anforderung erfüllt. Dort gilt es weiteres Wissen zu schaffen. China und Korea haben uns dabei bereits überholt.

Vielen Dank für das Teilen und Verbreiten dieses Artikels!
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Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

3 thoughts on “Glauben und Wissen”

  1. Lieber Markus,

    Hervorragend auf den Punkt gebracht. Wenn Jung-Politiker, vom Gebärsaal, via Hörsaal in den Plenarsaal wechseln, nie in der reellen Wirtschaft gearbeitet haben, kommt genau das heraus. Sie rennen den Subventionen nach!
    Gruss
    Andi Trüssel

  2. Ausgezeichnet geschrieben! Herr Dr. Markus Häring versteht die Materie und kommuniziert ehrlich. Er verdient höchste Aufmerksamkeit und vielen Dank.

  3. Sehr gute Zusammenfassung des Status Quo, vielen Dank! Der “aufgeklärte” Westen wurde leider von der radikalen Postmoderne befallen. Politisch bedeutet das (Gemini sei gedankt):

    “Post-Truth“ (Postfaktische Politik): Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse verlieren ihren Status als unumstößliche Schiedsrichter im politischen Diskurs.”

    “Politik als Inszenierung (Hyperrealität): Inhalte rücken in den Hintergrund; Stil, Medienpräsenz und die gezielte Konstruktion von Feindbildern oder Emotionen bestimmen den politischen Erfolg.”

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