RCP8.5-Szenario entsorgt

RCP8.5-Szenario entsorgt

Übertriebener Jubel der Skeptiker der Klimaforschung

Es geht also wieder einmal um das Klima. Das Thema ‚Entsorgung von RCP8.5‘ wurde in den Medien schon ausgiebig kommentiert, auch jubelnd gefeiert. Ich finde aber, Jubel sei nicht angebracht, auch wenn das viel zu lange Festhalten am RCP8.5-Szenario ein schlechtes Licht auf die konventionelle Konsens-Klimaszene wirft. Weshalb ich nicht juble, möchte ich nachstehend begründen.

RCP ist die Abkürzung von ‚Representative Concentration Pathway‘.Der Wert 8.5 steht für einen zusätzlichen Strahlungsantrieb von 8.5 Watt pro Quadratmeter bis zum Jahr 2100. Wenn ich KI-Textteile aus fremden Quellen benütze, wird dies typographisch deutlich angezeigt. Zum RCP8.5-Szenario1 liefert die Google-KI folgende Kurzerklärung:

Das Klimaszenario RCP8.5 (oder SSP5-8.5) beschreibt einen extremen, „weiter wie bisher“-Treibhausgaspfad, der bis zum Jahr 2100 zu einer globalen Erwärmung von 4 bis über 5 Grad führen würde. Es wurde vom Weltklimarat (IPCC) mittlerweile jedoch als offizielles Prognoseszenario zurückgezogen, da es durch den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien als unplausibel gilt.

Nicht ganz alles in dieser Darstellung stimmt. Problematisch ist die Begründung des Rückzugs dieses Extrem-Szenarios. Mit dem schnellen Ausbau der Erneuerbaren hat das wenig zu tun, obwohl diese Begründung den Anhängern einer „ambitionierten“ Energiewendepolitik natürlich in den Kram passt. Denn eine Politik, die so erfolgreich sei, müsse doch unbedingt umso ambitionierter weiter verfolgt werden.

Pielke als frühester Kritiker
Der bekannte Umweltwissenschafter Roger Pielke jr. erläuterte datengestützt in einem ausführlichen Beitrag, dass diese ‚weiter wie bisher‘-Politik schon bei der Definition dieses Extremszenarios im IPCC-Sachstandsbericht von 2013 von einem unrealistisch hohen Verbrauch fossiler Energieträger ausging. Gemäss Pielke nahm das Szenario eine Verachtfachung des weltweiten Kohleverbrauchs an und lag damit von Beginn weg voll daneben. Man hat einfach aus politischen Gründen an diesem Szenario festgehalten, um dem Publikum eine ‚ambitionierte‘ Klimapolitik schmackhaft zu machen. Dass dabei auch engagierte Klimaforscher mitmachten, zeigt bloss ein weiteres Mal, wie politisiert die Klimaforschung ist.

Im ‚Spiegel‘ feuerte ein Klimajournalist eine Breitseite gegen Pielkes oben verlinkten Beitrag. Wichtigstes Argument: die Verbindungen des ‚American Enterprise Institute‘, wo Pielke inzwischen tätig ist, mit fossilen Geldgebern – die bekannte Masche. Ein Satz möge als Zitat aus dem Spiegel-Artikel genügen: „Die reale wirtschaftliche und klimapolitische Entwicklung hat dieses Szenario mittlerweile obsolet gemacht.“ Genau dies widerlegt Pielke überzeugend. RCP8.5 war seit je absurd neben der zu erwartenden Entwicklung, quasi eine modellrechnerische Fingerübung ohne praktische Relevanz.

Pielke gehört übrigens auch nicht zu denen, die jetzt jubilieren. Er begrüsst einfach eine realistischere Klimapolitik, die sich an plausiblen sozioökonomischen Trends und Wirkungsmechanismen orientiert. Er hält die Klimaerwärmung tatsächlich für ein Problem, dem sich die Gesellschaft ernsthaft widmen sollte – aber nicht mit den ideologisch und moralisch aufgeladenen Rezepten, für die auch linksliberale Mainstream-Medien wie der ‚Spiegel‘ stehen. In jener Meinungsblase steht übrigens bei vielen nicht der Klimaschutz an oberster Stelle auf ihrer Wunschliste, sondern der Ausstieg aus der Kernenergie. Ich erinnere an die Festlichkeiten von AKW-Gegnern bei der Sprengung von Kühltürmen in Deutschland.

Der skeptische Skeptiker
Der ‚Spiegel‘-Kommentar war übers Ganze gesehen nicht völlig daneben, denn er kritisierte auch, dass das Ende von RPC8.5 auf verschiedenen Kanälen als grosser Sieg bejubelt wurde. Als skeptischer Skeptiker2 – so würde ich mich selbst bezeichnen – halte ich mich etwas zurück. Ich juble in Fällen wie der Entsorgung von RCP8.5 nicht vorbehaltlos. Ich werde versuchen, dies anhand von zwei schematischen Darstellungen zu begründen, die ich schon vor einiger Zeit entworfen habe.

Mich hat die Frage, auf welche Unsicherheiten sich die Zweifel an der Klimaforschung beziehen können, schon früher intensiv beschäftigt. Die geläufigen Einwände gegen die Konsens-Klimaforschung und die Klimapolitik der Kyoto-Staaaten hatte ich schon vor Jahren so dargestellt:

Skepsis an Klimaforschung und Klimapolitik (eigene Darstellung)

Die Tabelle liest sich von links nach rechts, weil die Ursache-Wirkungskette so verläuft, nämlich von den physikalischen Phänomenen zu den Folgen für Natur und Gesellschaft (in geldwerter Form als Schadenskosten) und schliesslich zu den politischen Massnahmen. Zweifel gibt es dort, wo Annahmen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge unsicher sind, also in der ganzen Kette der Verknüpfungen.

Im Schema oben beginnt dies in der Spalte links bei den Temperaturmessungen und -rekonstruktionen. Dann gibt es Unsicherheiten über den Einfluss natürlicher Temperaturschwankungen. Ungewissheit herrscht danach insbesondere über den Link zwischen der Erderwärmung und deren Folgen für Natur und Lebenswelt aus einer weltweiten Sicht. Grosse Skepsis verdienen auch die illusionären Ansätze der bisher geläufigen ineffizienten Klimapolitik mit dem forcierten Ausbau der neuen Erneuerbaren, möglichst noch kombiniert mit dem Ausstieg aus Kernenergie und Fossilen, koste es was es wolle. Opportunitätskosten scheinen für eine solche moralgetriebene Politik nicht zu existieren.

Kaskade von Unsicherheit
Eine etwas andere Darstellung der Ursache-Wirkungskette liefert das Schema unten. Wenn in den Ursache-Wirkungsbeziehungen – vom angenommenen CO2-Emissionsszenario bis zu den Schadenskosten am Ende der Kette – erst beim Emissionsszenario und dem daraus abgeleiteten Strahlungsantrieb nach unten korrigiert wird, heisst das noch nicht, dass am Ende grosse Anpassungen bei den Schadenskosten zu machen sind. Bei jedem Zwischenschritt kombinieren sich die jeweiligen Unsicherheiten, so wie dies im Schema unten dargestellt ist:

Eigene Darstellung

Vom Emissionsszenario bis zu den Kostenfolgen bestehen vier Ursache-Wirkungsbeziehungen (fette Pfeile links). Die Pfeile zwischen den Kästchen zeigen alle möglichen Kombinationen von Unsicherheit an. Die Roten und die grünen Pfeile stellen mögliche Verbindungen dar. Auf jeder Stufe gibt es eine ungünstige, eine mittlere und eine günstige Variante. Auf jeder Stufe kann man sich bei der Wahl der zutreffenden Varianten täuschen – entweder überschätzt man eine Wirkung oder man unterschätzt sie.

Die Elimination von RPC8.5 bedeutet, dass das Emissionsszenario „hoch“ ganz oben links im Schema wegfällt. Was dies für den nun plausiblen Strahlungsantrieb bedeutet, ist zwar auch mit Unsicherheit behaftet, jedoch ziemlich gut erforscht. Die nächste Schritt zur Ableitung des Einflusses auf die Erderwärmung ist schon schwieriger. Das zeigte sich unter anderem auch in der Kontroverse zwischen den prominenten Klimaökonomen William Nordhaus und Martin Weitzman, die ich in einem Flipbook ausführlich beschrieben habe.

Noch grössere Unsicherheit ist bei der pauschalen Abschätzung der materiellen Folgen aus einer weltweiten Perspektive zu erwarten. Diese Schäden an der Natur und an der Lebenswelt sind dann noch in Kosten für die Gesellschaft zu übersetzen. Die Frage stellt sich nun, ob sich Unsicherheiten über die Stufen hinweg multiplizieren oder ob sich Schätzfehler aus Unsicherheit addieren. Im letzteren Fall entstünden unter Umständen Korrekturen in die richtige Richtung, aber aus falschen Gründen – nämlich dann, wenn eine Fehlschätzung in der einen Richtung durch eine andere in die Gegenrichtung kompensiert wird. Ein Beispiel: Die Wirkung des Strahlungsantriebs auf die Temperatur kann höher sein als geschätzt. Dieser Fehler könnte kompensiert werden, wenn der Einfluss der höheren Temperatur auf die materiellen Folgen geringer ist als geschätzt.

Das DICE-Modell von William Nordhaus
Das klimaökonomische Modell DICE (Dynamic Integrated Model of Climate and the Economy), für das der Yale-Ökonom William Nordhaus 2018 mit dem Wirtschaft-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, integriert alle in meinen Schemata angegebenen Schritte oder Stufen in einem übergreifenden Modell mit Rückkoppelungsschlaufen zwischen menschlichen Aktivitäten/Wirtschaftsentwicklung und Natur/Klima. Als Beispiel einer Rückkoppelung: Wenn man mein simples statisches Schema oben benützt, geht im dynamischen DICE-Modell eine Rückkoppelung von den Kostenfolgen bzw. dem damit verbundenen BIP am Ende der Beziehungskette zurück zum Anfang, denn ein bestimmtes BIP ist mit einem bestimmten Niveau an CO2-Emissions verknüpft.

Das DICE.Modell kann, ausgehend von Emissions-Szenarien Schadenskosten und einen optimalen CO2-Preis schätzen. Ein optimaler CO2-Preis bringt den heutigen notwendigen Ressourceneinsatz für Klimaschutz in Einklang mit den geschätzten Schadenskosten in ferner Zukunft. Mit diesem Modell lassen sich verschiedene Zustände simulieren, was für die Politik nützlich sein kann. Mehr dazu, insbesondere auch über die Kritik des Nordhaus-Kontrahenten Martin Weitzman am DICE-Modell, findet man im verlinkten Flipbook.

Mein Fazit
Weshalb juble ich nicht einfach mit, wenn nun das RCP8.5-Szenario entsorgt worden ist? Die Unsicherheiten der Modellschätzungen sind so gross, dass selbst geringere Varianten der Erderwärmung als die bis über 5 Grad des RCP8.5-Szenarios Schadensfolgen haben können, mit denen man heute nicht rechnet. Die ganze Nordhaus-Weitzman-Kontroverse drehte sich genau um dieses Thema. Der Versicherungsgedanke würde gebieten, dass sich Politik – stets im Abwägen zwischen Anpassung und Vermeidung – auch auf ungünstigere als die plausibel zu erwartenden Entwicklungen einstellt.

Umso mehr müsste die Politik eine Klimapolitik anstreben, die die knappen Ressourcen möglichst effizient einsetzt, auf Symbolpolitik verzichtet und insbesondere einen Sinn für die Opportunitätskosten von Klimaschutzmassnahmen entwickelt, am besten mit dem Blick auf die ganze Welt. Dann reiht sich die Klimaschutzpolitik, neben anderen wichtigen Weltproblemen zwingend in eine globale Prioritätenliste des Handelns, wie sie Björn Lomborg, der bekannte und wortgewaltige dänische Kritiker einer ideologisch-moralisch geprägten Klimapolitik um jeden Preis, seit Jahren fordert.

  1. Meine Skepsis gilt vor allem einer von links-grüner Ideologie geprägten Klima- und Energiepolitik, die unter Einsatz enormer volkswirtschaftlicher Ressourcen kaum Wirkung erzeugt. Zudem kritisiere ich seit Jahren in meinen Artikeln die Politisierung der Klimaforschung
  2. Die früheren RCP-Szenarien (Representative Concentration Pathways) wurden ab 2021 in neueren Berichten des Weltklimarats IPCC durch die SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways) abgelöst. RCP8.5 wurde damit zu SSP8.5.

Lesen Sie den vollständigen Text auf dem Blog des Autors volldaneben.ch.


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Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

10 thoughts on “RCP8.5-Szenario entsorgt”

  1. Merci. Hier kann kein vernünftiger Mensch diametral anderer Meinung sein. Eine Frage geht mir aber trotzdem durch den Kopf:
    “Meine Skepsis gilt vor allem einer von links-grüner Ideologie geprägten Klima- und Energiepolitik, die unter Einsatz enormer volkswirtschaftlicher Ressourcen kaum Wirkung erzeugt”.
    Meines Erachtens sind die Wirkungen grösser als man denkt, aber möglicherweise nicht im Sinne der Grünen:
    umweltzerstörender Abbau und do Verarbeitung (insbesondere in China) der für die “Energiewende” benötigten Mineralien und seltenen Erden;
    Bildung neuer Monopole (auch hier China) die den Rest der nicht auf Fossile setzenden Welt erpressbar machen;
    “umweltfreundliche” Regulierungen, wie etwa das künftige Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung. Mit einer postkolonialen Arroganz, die ihresgleichen sucht, wird dort davon ausgegangen, die anderen Staaten seien nicht fähig, in ihrem Land Ordnung zu halten; hierfür brauche es Schweizer (NUFG 28 I).
    Die Flut verlangter Unterlagen wird dazu führen, dass es sich keine Schweizer Firma mehr leisten kann, mit Kleinbetrieben und start-ups zusammen zu arbeiten (zB kleine Kaffebauern, die mögllcherweise ihre Kinder von Zeit zu Zeit in ihrem eigenen Betrieb beschäftigen könnten), sondern nur noch mit (teils mafiösen) Grossbetrieben.
    Am schlimmsten ist aber der beantragte Bürokratie-Leerlauf in der Schweiz, wo mindestens drei Stellen (Unternehmen, Revisionsstellen und Verwaltung) mit Redaktion, bzw Ueberprüfung von Tausenden Seiten Text beschäftigt sein werden. Hinzu werden staatlich subventionierte NGOs kommen, die ihre Lieblingsfeinde (Glencore, Nestle, etc.) vor Gericht einklagen werden.
    In der Schweiz ist die überdimensonal wachsende Verwaltung erst daran, unsere “umweltgerechte” Zerstörung zu planen. Deutschand ist da schon wesentlich weiter.

      1. Wir sind gleicher Meinung. Es reizte mich aber, darauf hinzuweisen, dass die “Kollateralschäden” grösser sind als der bis heute erzielte Nutzen.

  2. Lieber Hans,
    in Vielem bin ich mit dir einig, aber nicht in Allem. Zwei Argumente:

    1. Nicht alle Klimaforscher sind öffentlichgeile Scharlatane. Ich bin alt genug, um noch einige der ersten Klimaforscher persönlich gekannt zu haben. Ich glaube beurteilen zu können, wer seriös geforscht hat und wer sich profilieren wollte. Zum Beispiel Syukuro Manabe und Richard Wetherald waren solide Forscher ohne Drang zur Öffentlichkeit. Sie haben in den 60er Jahren vorausgesagt, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre die globale Temperatur um 3,5 Grad C steigern werde. Sie gaben eine Unsicherheit von ±1 Grad an. Dabei waren sie, wie die Daten heute zeigen im “Bulls Eye”. Der überlebende Manabe erhielt dafür 2021 den Physik Nobelpreis.
    2. Deine Grafik ist verständlich, aber es fehlt die Dimension Zeit. Das Klimasystem ist extrem träge. Wenn dereinst kein CO2 emittiert werden wird, also die CO2-Konzentration der Atmosphäre stabil bleibt, steigt die globale Temperatur weiter. Es dauert Jahrzehnte bis Jahrhunderte, bis sich das neue Gleichgewicht eingestellt hat. Noch länger geht es, bis die Eisschmelze stoppt. Wenn sich die Temperatur bei 3.5 Grad stabilisiert (was ich bezweifle) dann ist das vollständige Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes nicht zu stoppen, ebensowenig wie der Kollaps des Westantarktischen Eisschildes. Ja, das dauert Jahrhunderte. Braucht uns das nicht zu kümmern? Auch wenn das bedeutet dass der Meeresspiegel um 7 bis 10 Meter ansteigt? Jedenfalls ist diese unabwendbare Hinterlassenschaft an unsere Nachkommen viel realer als das Bisschen Atommüll.

    1. Lieber Simon
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Bei mir kannst du nirgends lesen, alle Klimaforscher seien Scharlatane. Am Schluss meines Blogbeitrags steht, dass der Versicherungsgedanke es nötig macht, sich auch mit schlimmeren Zukünften zu beschäftigen, als mit dem, was aktuell als plausibel erscheint. Und wenn du die Dimension Zeit ins Spiel bringst, dann möchte ich auf die kaum überbrückbare Diskrepanz zwischen dem zwingend beschränkten politischen Handlungshorizont und extrem langfristigen Klimavorgängen verweisen. Im dynamischen DICE-Modell von Nordhaus ist die Zeitdimension mit den Rückkoppelungsprozessen enthalten, aber das hört dann ca. im Jahr 2’100 auf, weil politisches Handeln auf einen Zeitpunkt hin, da fast alle heute Lebenden tot sind, nicht vorstellbar ist.

  3. Teil 1:
    Das ist ein guter analytischer Beitrag von Hans Rentsch.

    Doch zur heutigen Situation: Der Primärenergie-Verbrauchsanteil bei den Fossilen liegt seit 2015 (und länger) bei ca. 86% (Öl: 29%, Kohle: 26%, Erdgas: 24%). Die Erneuerbaren PV & Wind haben es seit Jahr 2000 auf ca. 5 % geschafft. Die Atomenergie liegt bei 4% und der Rest ist Hydro mit 6 % plus 1% an etc..

    In diesem Zusammenhang lässt sich feststellen: Einen weltweiten Klimaschutz auf Basis CO2-Vermeidung gibt es bisher nicht. IPCC-Berichte AR- und CMIP-xy Modellszenarien hin oder her. Das CO2 steigt weiter an. Der Fossilenanteil steigt derzeit ebenfalls leicht an. Eine globale Temperatursenkung lässt sich nirgends feststellen. Alle nationalen und internationalen Bemühungen sind gescheitert und werden weiter scheitern. Hehere Klimaziele2050 und die unsägliche Phantasterei “NettoNull” sind faktisch tot. Niemand macht mit – ausser die angstgetriebenen links-grün doktrinierten Europäer, sowie die paar wenigen linksgerichteten Kanadier und Australier.

    Ergo kann man schlussfolgern: Bis zum Jahr 2100 bleibt die Welt zum grössten (oder weicher formuliert) zu erheblichem Teil weiter fossil gepowert. Eine Ersatzstrategie zu den Fossilen ist gescheitert und wird weiterhin scheitern: Vermeintlich günstige Neue Erneuerbare (PV &Wind) werden zwar schnell gebaut, generieren aber ab einem gewissen Anteil im Stromnetz sehr teure, schier unlösbare Probleme. Die Atomenergie dagegen könnte weltweit ein echter Gamechanger sein, scheint (nach ihrer fast 40 jährigen Projektpause) momentan aber noch viel zu langsam in Aufbau und raschem grossmasstäblichen Ersatz der Fossilen. Übermorgen ist bereits 2050.

  4. Teil 2:
    Was aber zunehmend klar wird:

    Die heutige Klimaschutzpraxis mit ihrem subventionierten Erneuerbarenboom auf Basis CO2-Vermeidung schadet uns Westlern, die da intensiv mitmachen, ungemein: Unsere westliche Industrie, unser Gewerbe und unser aller Wohlstand leiden darunter in höchstem Mass.

    Lachender Dritter ist China, das mittels seines gewaltigen Kohlestrom-produzierten Solarpannel-, Elektronic- und Batterien-Monopols (95% des Weltmarktes) der westlichen Welt für sehr viel Geld CO2 im intinitesimalen Bereich einzusparen hilft. 🙂

    Die Diskussion, wie viel von der Erwärmung tatsächlich durch menschgemachtes CO2 verursacht wird, sei für den Moment mal dahin gestellt. Aber der einzig effektiv ganbare Weg ist vermutlich die schrittweise, nationenspezifische Adaption an Wetter & Klima in der Zukunft (siehe: Bjorn Lomborgs Arbeiten).

    Doch Vorsicht:
    Wenn der Westen seine heute noch verfügbaren Mittel weiterhin in unerreichbare Klimaschutzziele, wie die Illusion “NetZero” und eine sinnlose Klimapolitik der wirkungslosen CO2-Vermeidung mit überbordender Bürokratie, Verboten, Abkassiererei und Erneuerbaren-Pflästerli verpulvert, so wird man – bei den ohnehin hohen Staatsverschuldungen – auch die beträchtlichen Kosten einer generellen Adaptionsstrategie kaum mehr berappen können.

    1. Netto 0 2050 ist für sich schon ein “überdeterminiertes” Zielsystem, und wenn dann auch noch weitere Ziele wie Wirtschaftswachstum und Umweltschutz dazu kommen, umso mehr. Das ist, wie wenn man für eine quadratische Weidefläche mit 30m Seitenlänge für einen Zaun nur 100m Draht zur Verfügung hätte. Dann muss man mindestens einen Zaunpfosten nach innen verschieben, oder sogar zwei.
      Netto 0 2050 im Gesetz haben wir den Gletscher-Initianten zu verdanken, zudem einem mutlosen Bundesrat, der aus Angst vor der Initiative im Gegenvorschlag zu viele Konzessionen machte. Und im Endeffekt einem Stimmvolk, das unter dem staatlichen Versagen in der ökonomischen Bildung leidet.

    2. Besser als im letzten Satz kann man das Problem nicht schildern. Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung glaubt immer noch, mit helvetischen Vorschriften könne man wirkungsvoll Einfluss auf das Weltklima nehmen. Selbstverständlich sofort, ohne sich über die Langfristikeit der Veränderung der auf das Klima Einfluss nehmen könnenden Faktoren Gedanken zu machen.

      Offenbar ist im Alpenraum die Wahrscheinlichkkeit von Gletscherrückgängen, Auftauen von Permafrost, langen Trockenperioden, gefolgt von sintflutartigen Niederschlägen gross. Dafür müssen wir uns wappnen. Etwa indem wir verschwundene Gletscher durch Stauseen ersetzen, um in künftigen Trockenperioden über gleich viel Wasser zu verfügen (auch für Alpweiden), wie heute. Oder indem wir potentiell gefährliche Bäche wirkungsvoll verbauen (z.B. mit mehreren Staustufen) oder umleiten. Indem wir potentiell gefährdete Verkehrswege in Tunnels verlegen, et. etc.

      Je mehr Wasser wir in den Bergen stauen, desto kleiner werden die Ueberschwemmungen im Tal. Das gilt auch für das Gornerli, das nun offenbar Umweltschützer mit dem Argument verhindern wollen, dadurch werde der unterste Teil des Gornergletschers unter Wasser gesetzt und deshalb einige Jahre früher schmelzen als er das ohnehin täte..

      Heute dient Wasser aus Stauseen nur der (meist bloss einmaligen) Stromerzeugung oder der Alimentation von Schneekanonen. Gefragt ist ein auf das künftige Klima ausgerichtetes Wassermanagement, wo mit überflüssigem Bandstrom betriebene Pumpspeicherwerke durchaus ihren Platz haben können. Den Luxus, unser Wasser ungenutzt via Rhein, Inn, Adda, Ticino oder Rottu ins Ausland fliessen zu lassen, werden wir uns kaum mehr leisten können.

      Mit andern Worten: es fehlt ein Gesamtkonzept. Es fehlt aber insbesondere am Willen, mit den nötigen Arbeiten endlich anzufangen!

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