Armutszeugnis Technologieverbote

Neues und Unbekanntes zu wagen und zu entwickeln, ist immer mit einem Risiko verbunden. Das war schon immer so und wird sich nie ändern. Das war auch unseren Vorvätern bekannt, als sie in weiser Voraussicht Grossprojekte an die Hand nahmen, Staumauern für Wasserkraftwerke bauten und der Schweiz eine Elektrifizierung ermöglichten, auf die wir heute noch stolz sein können. Massgebend waren dabei Unternehmer mit freisinnigem Gedankengut. Davon scheint sehr wenig übrig geblieben zu sein. 

Wir haben damit einen derart hohen Wohlstand erreicht, dass wir zu einem Punkt gelangt sind, bei dem wir glauben mit jedem weiteren Entwicklungsschritt mehr verlieren als gewinnen zu können. Der Mut zum Risiko nimmt laufend ab. Ad absurdum wird das geführt mit dem Verordnen von Technologieverboten. Und noch schlimmer mit dem Aufrechterhalten von Technologieverboten, wenn man, wie aktuell, sehenden Auges in eine Strommangellage läuft.

Energieversorgung ist eine Sache, welche die Menschheit beschäftigt seit einer unserer Vorahnen vor Urzeiten das Risiko einging, einen brennenden Ast zu ergreifen. Der Gebrauch des Feuers ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Mensch und Tier, abgesehen von der Sprache und dem aufrechten Gang, was Tiere übrigens als permanente Aggression interpretieren.

Im langen Werdegang der Menschheit kamen zahlreiche feuerbasierte Anwendungen dazu: Keramik, Metallurgie und auch Feuerwaffen. Den seither grössten Quantensprung brachte allerdings die Erfindung, die hochwertige Wärmenergie des Feuers in mechanische Energie umzuwandeln. Das industrielle Zeitalter war geboren. Maschinenkraft ersetzte Muskelkraft um Grössenordnungen und  führte zu einer phänomenalen technischen Entwicklung und in Folge zu einem nie dagewesenen Wachstum der Weltbevölkerung. Allerdings begleitet von ebenfalls nie dagewesenen Auswirkungen auf die Umwelt, unter anderem auch einer beispiellosen Emission von Kohlendioxid.

Der Gebrauch des Feuers bringt so viele Vorteile, dass ein Verzicht darauf schlicht undenkbar ist, obwohl Feuer bis heute im Sinne des Wortes brandgefährlich ist. Die Substitution von Feuer mit Wind-, Wasser- und Sonnenenergie – also mit Ressourcen die ja auch schon seit jeher bekannt waren und genutzt wurden – ist illusorisch. Verbrennung ist physikalisch einfach der viel effizientere und besser steuerbare Prozess. 

Will man Ressourcen schonen, und darum geht es schlussendlich, geht das nur über einen noch effizienteren Prozess. Dass es einen solchen gibt, ist seit der Entdeckung der Radioaktivität und dem Verständnis der Kernspaltung bekannt. Die friedliche Nutzung der Kernenergie kommt tatsächlich dem evolutionären Schritt zum Gebrauch des Feuers nahe. Die freigesetzte Energiemenge pro Masseneinheit ist bei der Kernspaltung um mehrere Grössenordnungen grösser als beim Verbrennen.

Eine kaum vorstellbar potente Kraft, die man fürchten soll. Eine Kraft deren Gefährlichkeit nie verschwinden wird, deren kontrollierte Nutzung aber unvergleichbare Vorteile bringt und noch lange bringen wird. Dass eine solche Kraft auch Ängste und Widerstände auslöst, ist begreiflich. Sicherlich ging das der Sippe des Feuerzweig schwingenden Urtypen nicht anders. 

Aber verbieten und aussteigen? Das wäre ein Rück- und nicht ein Fortschritt. Wenn wir unseren Nachkommen etwas schuldig sind, dann sicher, dass wir ihnen nicht die Entwicklung mit Technologieverboten verbauen. Dass die atomaren Risiken durchaus beherrschbar sind, drückt sich unter anderem in der Anzahl Todesfälle pro Energieeinheit aus, die bei Kernenergie deutlich tiefer liegen als zum Beispiel bei der Solarenergie. Auch eine Materialschlacht, wie sie der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft offenbar zur Folge hat, kann nicht im Sinne der Ressourcenschonung liegen. 

Man kann es nur wiederholen: Neue Technologien sind immer mit einem Risiko verbunden. Das wird sich nie ändern. Den Mut zum Risiko müssen wir erhalten, sonst ist unsere Zukunft tatsächlich gefährdet.

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4 thoughts on “Armutszeugnis Technologieverbote”

  1. Ganz ausgezeichnet – konziser kann man es kaum formulieren ! Vielleicht muss es in den Wohnungen kaelter werden, bevor Besinnung einsetzt…

  2. Das ist alles richtig, aber wenn der Schadenausmass bei der Anwendung einer Technologie sehr hoch ist, und das ist der Fall bei der Kernenergie, braucht es einen gesellschaftlichen Konsens für deren Anwendung. Und dieser muss sehr breit sein und nicht nur von einer einfachen Mehrheit getragen werden. In einem demokratischen Land kann das die konkrete Anwendung dieser Technologie sehr stark einschränken, wie das heute der Fall in der Schweiz ist. Mit Aussagen wie, “atomaren Risiken sind durchaus beherrschbar” …, was heisst durchaus ??? kann man einen solchen Konsens kaum erreichen.

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