Atomstrom ist billiger als Solarstrom

Atomkraftgegner behaupten oft, Strom aus Fotovoltaik sei viel billiger als Strom aus Kernkraftwerken. Auf den ersten Blick scheint das richtig zu sein – wenn man aber alle Faktoren berücksichtigt, schneidet die Atomkraft deutlich besser ab.

Lesen Sie meinen Beitrag original im Nebelspalter (mit Bezahlschranke) oder vollständig auch in meinem Blog “Schlumpf-Argumente”.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch die folgenden vorausgegangenen Beiträge:

Überschätzte AKW-Strahlung

Kernkraftwerke töten nicht öfter als Solarpanels

In Uran steckt gewaltig viel Energie

Solarstrom bedeutet Ressourcenverschleiss

Solarstrom vergrössert die Winterstromlücke um das Dreifache

Atomkraft ist zuverlässiger als Sonnenenergie

Die Lagerung radioaktiver Abfälle ist technisch gelöst

Atomkraft versus Fotovoltaik In der Schweiz sollen Atomkraftwerke durch Fotovoltaik-Anlagen ersetzt werden. Daraus ergeben sich zahlreiche Probleme für die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit beim Strom – insbesondere im Winter. Um nicht in einen Blackout zu laufen, müssen die Vor- und Nachteile von Atom und Solar gegeneinander abgewogen werden. Martin Schlumpf geht in einer Reihe von Beiträgen im “Nebelspalter” zentralen Aspekten von Atomstrom nach, wie Speicherung, Sicherheit, Strahlung, Abfälle und Kosten – und illustriert diese wie immer mit einer einschlägigen Grafik.

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7 thoughts on “Atomstrom ist billiger als Solarstrom”

  1. Die Argumentation von Martin Schlumpf zeugt einmal mehr davon, dass er der Solarenergie gegenüber gelinde gesagt negativ voreingenommen begegnet. Das immer wieder von verschiedener Seite ausgesprochene Lob wegen hoher Faktentreue hält auch dieses Mal einer kritischen Prüfung aus folgenden Gründen nicht stand:

    – Atomstrom befindet sich im Weltmasstab effektiv auf dem absteigenden Ast. Der Weltmarktanteil beträgt wie richtig festgehalten 10% – aber Atom ist seit dem Jahr 2000 von 17 auf 10% gesunken, Solar von praktisch 0 auf 3% gestiegen – und dessen Wachstumskurve weist weiterhin steil nach oben.

    – Der sonst so grafikaffine Autor unterlässt hier aber wohlweislich eine Grafik zu präsentieren, wie die Entwicklung läuft, nämlich wie folgt: Vereinfacht gesagt für die Produktionsmenge Atomstrom von oben nach unten und für Solarstrom von unten nach oben. Bezüglich der Preise ist es genau umgekehrt. Zudem wird eine weitere deutliche Preissenkung für Solarstrom erwartet – die zwischenzeitliche Erhöhung der Modulpreise ist den coronabedingt unterbrochenen Lieferketten zuzurechnen.

    – Und: Im vergangenen Jahr wurden weltweit 10 AKW still gelegt, nur 6 neue gebaut. Demgegenüber verzeichnen Investitionen für Erneuerbare Energien ständig neue Rekordstände. Die Solarkapazität erhöhte sich um ca. 120 GWp, diese liefern so viel Strom wie mind. 12 grosse AKW.

    Angesichts der zb in England bereits festgelegten Preise für Atomstrom aus dem neuen AKW Hinkley Point (mindestens 15 Rp. pro KWh) lassen sich die PSI-Annahmen bezüglich der zu erwartenden Atomstrompreise in der Schweiz (gemäss Schlumpf 5-7 Rp.) mit gutem Grund bestreiten.

    – Die Preisannahmen von Schlumpf zu den aktuellen Kosten einer 20 KWp Solaranlage und der dazugehörigen Speicheranlage von je 40’000 CHF sind weit oberhalb der im Markt beobachtbaren Preise. Da können Sie sich für einmal getrost ans Bundesamt für Energie wenden, das diese irrwitzige Preisannahmen korrigieren kann (gemäss meiner Beobachtung liegt sie um rund 30% zu hoch für die Solaranlage und um 50% zu hoch für die Batterie).

    Einmal mehr wird von Schlumpf für Solarstrom generell hohe Systemkosten unterstellt. Dabei unterschlagen Sie, dass rund ein Drittel des erzeugten Stroms direkt verbraucht wird, also keiner Speicherung bedarf resp. dem Eigenbedarf dient. Das gilt insbesondere auch für grosse Anlagen auf Gewerbebauten, deren Strom unmittelbar für die Kühlung eingesetzt wird, also just in jenen Momenten, in denen die Sonne auch effektiv scheint (siehe etwa die Lagerhäuser von Migros oder die Verkaufshäuser von IKEA).

    Somit erübrigt sich jeder weitere Kommentar zu Ihrem behaupteten Preisvorteil für Atomstrom. Ausser, dass in Abwandlung Ihrer Schlussfolgerung gelten kann: Lassen Sie sich durch die von Schlumpf behaupteten und nachweislich falschen Preisentwicklungen nicht täuschen: Solarstrom ist künftig im Durchschnitt und in der Gesamtabrechnung weit billiger als Atomstrom!

    1. Habe noch nachgeschaut in der offiziellen Studie des BFE “Photovoltaikmarkt-Beobachtungsstudie 2019”: Auf S.36 gibt es eine schöne Zusammenstellung der einzelnen Kostenanteile für verschiedene Anlagengrössen. Bei 10 bis 30 kWp (um was es in meinem Beitrag geht) betragen die Durchschnittskosten 2’204 CHF/kWp. Da es sich um eine Anlage von 20 kWp handelt, gibt das Durchschnittskosten von 44’000 CHF. Rehsche behauptet aber die 40’000.-, die ich aufgrund einer mir bekannten Kostenabrechnung gemacht habe, seien um 30% zu hoch, und deshalb würde ich von irrwitzigen Annahmen ausgehen. Offensichtlich ist es genau umgekehrt!

      1. Ich entschuldige mich und gebe gern zu, dass dass ich mit meiner Schätzung der Produktionskosten von (kleinen) Solaranlagen falsch lag. Ich gebe aber zu bedenken, dass in einem volkswirtschaftlichen Vergleich nicht Kleinstanlagen aus dem Solarbereich mit riesigen Atomkomplexen zu vergleichen sind. Kleinanlagen werden häufig auch aus intrinsischen Gründen erstellt, also zb fällt die erhöhte Unabhängigkeit für die Anlagenbetreiber ins Gewicht und macht den Preisnachteil wett (sonst gäbe es ja in der Schweiz nicht über 100’000 und in Deutschland mehr als zwei Millionen solcher Kleinanlagen). Zudem gilt es zu bedenken, dass diese Stromproduzenten als Verbraucher und Eigenstromnutzer einen erheblichen Preisvorteil gegenüber dem Bezug aus dem Netz erfahren (hierzulande rund 15 gegenüber 20 Rappen, in Deutschland rund 10 gegenüber 30 Cent). Und eben, bei grösseren Solaranlagen ist der Preisvorteil von Solarstrom gegenüber dem Strom aus künftig zu erstellenden Atomanlagen dann eklatant (auch hierzulande rund 10 gegenüber 15 Rappen pro KWh). Wenn also die Preisangaben von Schlumpf bezüglich kleiner Solaranlagen korrekt sind, so sind seine Schlüsse bezüglich der preislichen Überlegenheit von Atomstrom eben doch nicht richtig – denn grosse Solaranlagen ergeben in Zukunft zweifellos günstigeren als Atomstrom.

    2. Herr Rehsche kann wie immer offenbar nicht genau lesen: Am Anfang meines Artikels ist der rasante Preiszerfall der PV-Module und die starke Ausbreitung des Solarstroms geschildert – wo da meine “absolute Realitätsverweigerung” liegt, bleibt sein Geheimnis.
      Beim Zubau von 120 GWp Solar vergisst er wie immer, dass die Jahresdurchschnitts-Stromerzeugung von Solar und KKW nicht vergleichbar ist: Bandstrom und Flatterstrom sind grundsätzlich verschieden. Aber da hilft wohl alles erklären nichts.
      Ja, seit Beginn der PV-Technologie in der Schweiz haben wir es im letzten Jahr – nach 12 Jahren Aufbau – geschafft, den Jahresertrag von Mühleberg zu egalisieren. Wieder mit der gleichen Einschränkung, wie im Abschnitt zuvor. Mühleberg hat aber nur ein Achtel aller CH-KKW geliefert. Es würde im gleichen Tempo also noch fast 100 Jahre dauern, bis nur der Strom aus allen KKW ersetzt wäre – nein: eben nicht ersetzt, auch dann käme im Winter viel zu wenig, etc.

  2. Herr Martin Schlumpf gibt dem Leser mit seinem Artikel wichtige, objektive, ehrliche und sachliche Informationen.
    Ich finde es übrigens gut, dass die FDP wieder sachlich und demokratisch über Kernenergie diskutiert. Mit der heutigen Energiestrategie 2050 ist ein baldiger Strommangel garantiert. Ich bin persönlich überzeugt, dass die Menschheit (inkl. Schweiz) beides braucht: erneuerbare Energien und Kernenergie. Einige Wahrheiten:
    1. Die Schweiz hat eine sichere Lösung für die nukleare Abfall-Entsorgung;
    2. Kernreaktoren der Generation IV werden sehr sicher, sehr effizient und nicht teurer als erneuerbare Technologien sein;
    3. Sehr viele Nationen werden bald Kernkraftwerke der Generation IV bauen;
    4. Die Schweiz hat noch ein beträchtliches Potential an Wasserkraft;
    5. Windenergie und Fotovoltaik sind zu fördern. Aber alleine lösen sie das Problem des Strommangels nie.
    6. Es braucht weniger Ideologie und mehr Wissen.

  3. Nachtrag zu den Kosten für Solarenergie: Die günstigsten Preise werden unterdessen nicht etwa in Asien, Südamerika oder dem Nahen Osten erzielt, sondern in Europa. Der Weltrekord liegt bei 1.1 Eurocents pro Kilowattstunde in einem Solarkraftwerk in Portugal. In Spanien werden unterdessen Preise von 1,5 Cents für Solar- und 2 Cents für Windstrom in PPA erreicht (öffentlich-private Gemeinschaftsunternehmen). Da kann man gut und gern noch ein paar Cents fürs Speichern hinzufügen (längst nicht aller Solarstrom muss gespeichert werden, sondern wird zb auf Gewerbegebäuden erzeugt und unmittelbar für die Kühlung verwendet) – und der Strompreis aus Erneuerbarer Energie liegt immer noch weit unter jenem von künftig erstellten Atomanlagen (zur Erinnerung: Hinkley Point in GB wird mit rund 15 Rp zu Buche schlagen).

  4. «Freunde» der Sonne
    Der solargrüne Gesslerhut wird munter weiter kritiklos angebetet. Der Verband unabhängiger (!) Energieerzeuger geht für den Kanton Schwyz von einem sehr grossen Solarstrompotential aus. Diese optimistische Angabe ist reine Augenwischerei. Potential ist nichts. Nur das Ergebnis an brauchbarer Energie zur rechten Zeit wäre eine überprüfbare Ansage. Potential bei Dunkelheit und Schatten ist eben nichts. Für jedes Häuschen noch ein Batteriekabäuschen! Die Unabhängigen sollten sich mal mit einer realen Ausbeute und den massiv erforderlichen Ressourcen auseinandersetzen. 2/3 der Solarzellen kommen aus China und haben dort eine verheerende Umweltbilanz. Auch die Entsorgung ist nicht ohne. Da nützt es nichts, wenn die Sonne keine Rechnung schickt. China erhöht die Solarproduktion (auch seltene Erden) und jagt den CO2 Ausstoss auf «Weltrekordhöhe». In Deutschland werden gefühlt ganze Landstriche (auch Ackerland) mit Solarpanels zugedeckt. Aber der Beitrag an solarer Energie (in KWh) ist in Deutschland gerade mal bei 9%. Kohle- und der Gasverbrauch steigen in «Gründeutschland» weiter massiv. Es gilt die Dunkelflaute zu überwinden. Rettet die Schweiz die Welt, damit China diese «zerstören» kann? Jährlich müsste also immer mehr solare Leistung installiert werden. Nützt alles nichts, wenn die Sonne nicht scheint. Solarexperten sollten sich mit einer einfachen Rechnung mal ein Bild über die notwendigen Ressourcen und die Nachhaltigkeit machen. Sicher ist jedenfalls, dass mit dieser träumerischen Euphorie auch vorbestimmt ist, wem der Strom bei Mangellage abgestellt wird. Das Ganze ist ein Wunschtraum jenseits physikalischen, ökonomischen und ökologischen Grenzen. «Freunde» der Sonne: bitte auf die KKW und die Wasserkraft Acht geben, damit die Dunkelflauten überwunden werden können.

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