Wem kann Vertrauen geschenkt werden?

Wem kann Vertrauen geschenkt werden?

In einem bemerkenswerten Blogbeitrag beleuchtet Hans Rentsch das Phänomen, dass viele Experte die Grenzen ihrer Kompetenzen überschreiten, «epistemic transgessing» genannt. Selbst wenn diese Personen auf ihrem Gebiet noch so kompetent sein können, nützen sie ihren Bekanntheitsgrad, um sich in die öffentliche Debatte über Themen einzumischen, bei denen sie über kein spezielles Fachwissen verfügen, das sie dazu berechtigen würde. Er nennt das Beispiel eines berühmten Rappers namens Stress, der in einer Fernsehdebatte als gerechter Fürsprecher für Klima- oder Umweltbelange dargestellt wird.

Frau und Herr Jedermann sollten jedoch in der Lage sein, sich eine eigene Meinung zu bilden und somit die Stichhaltigkeit der wissenschaftlichen, historischen oder wirtschaftlichen Behauptungen zu überprüfen, die ihnen von ihren Informationsquellen – vor allem den Medien – aufgedrängt werden. Da sie diese epistemische Neugier meist nicht praktizieren, müssen sie auf die Darstellungen der Experten vertrauen, ohne dass dies ein Akt des Glaubens wäre.

Wer über umfassendere Kenntnisse oder Erfahrungen verfügt, kann diese Überprüfungselemente selbst suchen und finden. Wenn der Ausdruck „epistemic trespassing” korrekt verstanden wird, wäre jedoch eine solche Person, die sich aktiv für das Thema interessiert, definitiv nicht kompetent, die Schlussfolgerungen ihrer Überlegungen zu vermitteln, da sie damit ihr Fachgebiet verlassen würde. Ist das nicht eine weitere Form elitärer Abschaltung (cancelation)?

Wie sollte zum Beispiel ein Ökonom die Umweltauswirkungen bestimmter politischer Massnahmen einschätzen können, ohne seinen Kompetenzbereich zu überschreiten (trespassing)? Wie können der Ökonom und der Klimatologe gemeinsam daran arbeiten, den Stand des Wissens richtig verständlich zu machen? Die drei Arbeitsgruppen des IPCC versuchen es in Tausenden von Seiten an Berichten … und sorgen beim Verfassen ihrer «Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger» nur für noch mehr Verwirrung.

Die Frage, die nach wie vor offen bleibt, lautet: Wem kann Vertrauen geschenkt werden?

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Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

1 thought on “Wem kann Vertrauen geschenkt werden?”

  1. Wer sich für das Thema von Rentsch interessiert, sollte sich dem bahnbrechenden Werk von Posner in dieser Sache (auch) zuwenden:

    Richard A. Posner’s Public Intellectuals: A Study of Decline is a 2003 Harvard University Press book offering the first comprehensive study of the modern American public intellectual, tracing the decline of the role from Socrates to John Dewey and diagnosing the causes and effects of today’s media-driven, specialist-driven discourse.

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