Hypothetische Intelligenz Fall Nr 2. Die Abzweigung im dunklen Wald

Hypothetische Intelligenz Fall Nr 2. Die Abzweigung im dunklen Wald

Der Androidenroboter ParalouiZ spürte, dass seine Batterien bald leer sein würden. Er stolperte über einen Stein, den er auf dem Waldweg, auf dem er gerade lief, übersehen hatte, und fiel hin.

Er hatte nur noch wenig Energie übrig, um Nirgendwo zu erreichen und dort eine Ladestation zu finden, und konnte es sich nicht leisten, Energie zu verschwenden. Als er wieder aufstand, stellte er fest, dass seine Navigationsinstrumente, Kompass und GPS, nicht mehr funktionierten. Der Wald war so dicht, dass er sich an nichts orientieren konnte, nicht einmal an der Richtung der Sonne. Er lief im Überlebensmodus weiter und kam an eine Abzweigung. Er konnte nicht wissen, welcher Weg der richtige war.

Er blieb stehen und entdeckte im Unterholz zwei Konfabrikate (so nennt man Artgenossen in der Robotik), die völlig passiv auf einem Baumstamm lagen und darauf schienen zu warten, dass nichts passierte. Er näherte sich ihnen und sah auf ihren Typenschildern, dass der eine PsemataXY und der andere AlisiaXX hiess.

PsemataXY sprach ihn an

— Was machst du hier, hast du dich verlaufen?
— Ich bin auf dem Weg nach Nirgendwo und kenne den Weg nicht mehr. In welche Richtung muss ich gehen?

AlisiaXX mischte sich ein:

— Pass auf, ich warne dich: PsemataXY ist ein chronischer Lügner.
— Aber nein, nein, entgegnete PsemataXY, das stimmt überhaupt nicht. Ich sage immer die Wahrheit, das liegt in meiner Natur.

ParalouiZ wusste nicht, welchem er glauben sollte, und angesichts dieser Ungewissheit auch nicht, welchen Weg er einschlagen sollte. Seine Berechnung des totalen Batterieabflachungspotenzials ergab eine Wahrscheinlichkeit von 50 %. Wie konnte er dieses Ergebnis verbessern?

Seine eingebaute KI war mit keiner Cloud verbunden, sie war auf sich allein gestellt. Sie verbrauchte ein paar Energie-Token, um nachzudenken, was 15,7 Sekunden dauerte.

— Sag mir, AlisiaXX, welche Richtung wird mir PsemataXY weisen, wenn ich ihnr frage, welchen Weg ich nehmen soll, um nach Nirgendwo zu gelangen? Zeig es mir bitte diskret, nur mir.

«Nach links», schrieb er/sie auf einen kleinen, vor neugierigen Blicken geschützten Bildschirm.

— Und du, PsemataXY, was wird AlisiaXX mir sagen, wenn ich ihrn dieselbe Frage stelle?
— Nach links, antwortete PsemataXY laut und deutlich, ohne zu zögern.
— Danke, XY&XX, ich muss nun zum Aufladen weitergehen.

ParalouiZ nahm den rechten Weg und begann zu trippeln. Er wird nie erfahren haben, wer von den beiden der Lügner war.

Wird ParalouiZ in Nirgendswo angekommen sein? Oder woanders?

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2 thoughts on “Hypothetische Intelligenz Fall Nr 2. Die Abzweigung im dunklen Wald”

  1. Auf Grund der Fragen an AlisiaXX und PsemataXY sagt XX (immer) die Wahrheit, und XY lügt (immer); AlisiaXX sagt die Antwort von XY richtig voraus, und die XY-Antwort (links) muss drum falsch sein. Offenbar („er wird nie erfahren haben“ …) kam ParalouiZ aber nicht im Nirgendswo an, wo er sich vom richtigen Entscheid hätte überzeugen können. Ergo: seine Batterie gab auf dem Weg den Geist auf.
    Wenn es nicht so war, hat halt meine Batterie den Geist aufgegeben.

    1. Die Antwort des Polyglotten wäre: Alisia ist von edler Gestalt (wahrhaft), Psemeta lügt und Paral(ou)iZ lahmt, gibt also unterwegs auf.

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