Laufende Energiestrategie: Warum deren Scheitern angesagt ist

Eine Replik auf ein Interview mit Christoph Brand, CEO AXPO, in verschiedenen Medien: «Ohne wird es nicht gehen».
Axpo Brand

Im vergangenen Oktober ist in verschiedenen Medien ein Interview mit dem CEO von AXPO, Herrn Christoph Brand, veröffentlicht worden (zum Interview hier). Herr Brand macht darin Aussagen, welche in sich widersprüchlich sind und auch darauf hinweisen, dass er nicht darum bemüht war, sich über den aktuellen Entwicklungsstand der Kernenergietechnologie zu informieren.

Die Energiestrategie war in ihrer Entstehung und ist auch in ihrer Umsetzung getrieben von zwei Kernelementen: Erstens ist sie ideologiegetrieben – der Sachverstand bleibt auf der Strecke. Zweitens wird sie rollend durch eine nicht mehr zählbare Zahl von Gefälligkeitsstudien und -gutachten alimentiert. Im zitierten Interview legt der CEO der AXPO noch einen drauf und „outet“ sich als Anhänger der Solarstrom-Ideologen Fraktion. Bereits mit seiner Bemerkung betreffend Kosten der Kernkraft greift er auf eine unzutreffende und abgedroschene Argumentation der Schweizer Politik zurück.

Ich gehe davon aus, dass Herr Brand sich noch nie persönlich vor Ort über den aktuellen Stand der Nukleartechnologie orientiert hat. Zum Beispiel dort, wo im Schnitt rund alle sechs Wochen ein neuer Reaktor in Betrieb geht und wo man inzwischen modularisierte Kernkraftwerke der Generation IV baut und auch in Betrieb hat: in China. Die modulare Herstellung wirkt enorm kostensenkend, nicht zuletzt spielt auch ein „economy of scale“ Effekt. Zudem hätte Herr Brand herausfinden können, dass in China derselbe Typ Kernkraftwerk (EPR 2000) in rund fünf Jahren fertiggestellt und erfolgreich in Betrieb gesetzt wurde (u. a. Taishan I & II), an welchem man in Europa an drei Projekten seit über zehn Jahren herumbastelt.

Im CCN haben wir in den vergangenen Tagen aufgrund neuster Informationen die Kostenstrukturen für PV inkl. deren Subsysteme sowie für neue Nuklearanlagen einmal mehr sorgfältig durchgerechnet. Dabei haben wir auch die Bandbreiten der zu treffenden Annahmen kritisch analysiert und diese in die Berechnungen miteinbezogen (dazu den aktuellen Blogbeitrag von Michel de Rougemont: „Energie wenden: Worum geht es wirklich?“).

Zusammenfassend haben wir folgende Investitions-Kostenverhältnisse berechnet:

  1. Kosten PV System gegenüber Nukleartechnik Generation III:                             712 %
  2. Kosten PV System gegenüber modularisierter Nukleartechnik Generation IV:   1070 %
  3. Kosten PV System gegenüber europäischer Nukleartechnik Generation III:         430 %

Bemerkenswerte Zahlen, besonders auch der Wert unter Punkt 3! Herr und Frau Schweizer werden mit diesen „ewigen“ Baustellen als Inbegriff der horrenden Kosten der Nuklearenergie doch „vorgeführt“. Unsere Berechnung basieren auf den aktuellen Kostenabschätzungen dieser Projekte und zeigen, dass selbst diese deutlich kostengünstiger dastehen als eine äquivalente PV Lösung. Wohlverstanden, geht es hier um die Abschätzung von Grössenordnungen. Auch wenn wir annehmen, mit unseren Berechnungen um +/- 20 % falsch zu liegen – der markant höhere Kostensatz der PV Technologie bleibt.

Weiter verstrickt sich Herr Brand in Widersprüche. Nuklearenergie soll gemäss seinen Aussagen teuer sein, Photovoltaik jedoch nur realisierbar, wenn auf Jahre hinaus massive Subventionen zugesichert werden. Wo bleibt da die Logik? AXPO ist also nicht gewillt, unternehmerisches Risiko zu übernehmen. Diese teuren Techniken sollen vom Subventionsgeber, sprich Steuerzahler und Stromkonsumenten getragen werden.

Vollkommen drückt sich Herr Brand um das Thema Zwischenspeicherung – bei einer Zielgrösse von 50 TWh Solar (und etwas Wind) eine gigantische Herausforderung. Das ist in sich selbst ein gewaltiger Kostenfaktor, der zusätzlicher, noch nie genannter Subventionen bedarf. Kernkraftwerke brauchen so etwas nicht!

Unter der Annahme, dass der bestehende CH-Nuklearpark von fünf Kernkraftwerken durch PV Strom gleicher Versorgungsqualität ersetzt werden muss, haben wir berechnet, dass rund 13.8 TWh saisonal (d.h. von Sommer auf Winter) zwischengespeichert werden müssen. Dies würde einer Speicherkapazität von rund sieben (!) Anlagen der Grösse der „Grande Dixence“ Anlage entsprechen. Doch Wasserspeicher, welche das Betriebskonzept der saisonalen Speicherung erfüllen, gibt es in der Schweiz nicht. Sie müssten also neu gebaut werden. Im Zeitfenster der Zielvorgaben der Energiestrategie 2050, dürfte schon das nicht möglich sein. Doch in erster Linie stellt sich die Frage, wo Berggebiete dieser Grössenordnung in der Schweiz überhaupt noch zur Verfügung stehen würden?

Nehmen wir auch an, dass im Zeitfenster bis 2050 der motorisierte Individualverkehr zu 100% elektrisch betrieben werden soll, so verschärft sich der Bedarf an saisonalen Speicherkapazitäten drastisch. Ausgehend von den Berechnungen, welche im Blog „Fantasien vor Wissen“ (9. Oktober 2020, und da besonders der Link zu den Berechnungsgrundlagen) vorgestellt wurden, errechnen wir einen zusätzlichen Bedarf an Hydro-Speicherkapazität in der Grössenordnung von 12-mal „Grande Dixence“. Diese Zahlen zeigen, dass nicht nur die Kosten der laufenden Energiestrategie ausufern, sondern, dass dies auch rein physisch nicht realisierbar ist. Ein Marschhalt und Umdenken ist dringend. Ökonomisch und physisch machbare Lösungen liegen auf dem Tisch. Lösungen, welche zudem auch aus ökologischer Optik sehr gut dastehen: Nuklearenergie neuester Technologie.

Ganz schwach wird Herrn Brands Argumentation, wo er über Gaskraftwerke spricht, die mit synthetischem Gas betrieben werden sollen. Wo bitte sollen die gewaltigen zusätzlichen Energiemengen zur Produktion des synthetischen Gases auch herkommen? Mit Syntheseprozessen, welche rund 80% der eingegebenen Primärenergie selber verbrauchen?

Möglicherweise war die Meinung der Medien, mit den Ansichten des CEO der AXPO Sachkompetenz zu verbreiten. Eine offenbar völlig falsche Annahme. Im Interview kommt leider die Sicht- und Handlungsweise eines Apparatschiks im Dienste eines staatskontrollierten Unternehmens zum Ausdruck – sicher nicht diejenige eines rollend die Zukunft erfindenden Unternehmers, wie ihn die Energiebranche dringend brauchen würde.  

Höhener Emanuel
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18 Kommentare

  • https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/das-grosste-problem-ist-dass-die-schweiz-keine-klare-vision-hat
    Ich kann allen nur das Interview von Yves Zumwald empfehlen. Ich kenne Yves seit bald 30 Jahren und als Ingenieur redet er nicht wie ein Jurist oder ein Ökonom, sondern ganz konkret, was zu tun ist und wer welche Verantwortung wirklich hat.

  • Emanuel Höhener

    Philippe Huber

    Im April 2013 habe ich die damaligen Präsidenten von Alpiq, BKW und Axpo für eine Informationsreise betreffend Entwicklung der Nukleartechnologie nach China mitgenommen. Mit dabei waren auch der CEO der BKW, der Leiter Nukleartechnik (und Mitglied der GL) von Axpo sowie ein weiters Axpo VR Mitglied (ZH Regierungsrat) sowie auch Professor Michael Prasser. Auf Chinesischer Seite waren unser Gastgeber die Vize Minister Sun (Energie Dossier) und Shi (Dossier, Lizenzierung von Industrieprojekten) und Professor Zhang, Director General von INET.
    Wir haben Institute wie INET (F&E Nuklear generell und Entwickler des HTR-PM Designs) und SINAP (F&E mit Schwerpunkt Molten Salt Reaktor) besucht. Ferner haben wird Nuklearwerk- Betreiber besucht, Contractors für Kraftwerke (besonders auch Nuklear), Zulassungsbehörden und besonders auch Produktionswerke (*) für Kraftwerke und Nuklear Komponenten.
    Gemäss meinen Informationen war seither keine CH E- Firma im weiteren Kontakt mit irgendwelchen von diesen Chinesischen Kompetenzträgern (Ausnahme Prof. Prasser). So ist Ihre Anmerkung über …. vertiefte und fundierte Abklärungen … wohl sehr unvollständig, denn die Quellen, welche heutzutage führend sind in der Entwicklung und Bau von Nuklearanlagen, werden aussen vor gelassen.
    Ich vermute schwer, dass das Endresultat «to be» der Axpo Studie wurde als erstes formuliert und die «vertiefte und fundierte Analyse» drehte sich darum, wie kommt man am besten zur formulierten Zielgrösse – einmal mehr eine Gefälligkeits- Analyse.
    Ferner frage ich mich, welche «Gedächtnislücken» bei KKW Befürwortern Sie meinen. Die «Strombarone» haben damals, nach dem Kaiseraugst und Sennwald Debakel – letzteres gab es auch noch – flexibel reagiert und mit EDF Langfristverträge geschlossen, welche virtuellen KKW’s an der Grenze gleichkamen. Jedenfalls ist mir und vielen meiner Kollegen bewusst, dass für den Prozess KKW Technologie wieder salonfähig zu machen, viel und schwergewichtig in politische Meinungsbildung investiert werden muss. Das wachsende Bewusstsein, dass Stromlücken drohen, wie auch die CO2 Diskussionen sind Motivator, diesen Weg zu verfolgen.
    Sie behaupten, KKW’s der Gen. III dürfen in der CH nicht gebaut werden. Diese Formulierung ist mir ein Rätsel, gemäss meinem Verständnis können generell keine Bewilligungsgesuche für KKW’s eingereicht werden – ein Technologieverbot eben. Es ist jedoch so, angesichts realer möglicher Zeitabläufe, macht es einzig Sinn, neue Kraftwerke der Gen. IV in Betracht zu ziehen.

    Anmerkung: In den Apriltagen des Jahres 2013 tat unsere damalige Energieministerin der Welt kund «niemand auf der Welt baut heute weitere Nuklearwerke». Ich zählte im April 2013 bei meinem Besuch bei «Shanghai Electric» unter anderem Komponenten für 36 (!) Reaktoren in verschiedenen Stadien des Produktionsfortschritts. St. Doris› kleine «Welt» eben.

  • Philippe Huber
    23. November 2021 / Reply
    Je schneller die E-Mobilität hochgefahren wird und fossile Verbraucher substituiert werden, desto schneller wird auch der Importbedarf an Strom im Winterhalbjahr ansteigen. Man ist noch immer meilenweit von einem notwendigen PV-Zubau von 1´500 MWe/a entfernt.

  • Emanuel Höhener

    @Laurenz Hüsler,

    Herr Hüsler, aus untenstehender Tabelle der physikalischen Daten der Grand Dixance Anlage können Sie auch die jährliche Energieproduktion ableiten. Die im Stausee (saisonal) gespeicherte Energie entspricht 2.086 TWh. Berücksichtigt man zusätzlich das Wasservolumen, welches von den Pumpanlagen «Zmutt» (oberhalb Zermatt gelegen) und «Stafel» eingespeist wird, so kann die Anlage 2.136 TWh pro Saison produzieren.

    Lac de Dix Zentrale Zentrale Zentrale Zentrale
    Bieudron/ Chandolin/ Fionnay/ Nendaz
    Seehöhe [müM] 2’364/ 481/ 493/ 1’490/ 478/
    * mittlere Tiefe eingerechnet [m] 76

    Stauvolumen (inkl. Cleuson) [m3] 420’000’000

    Druckhöhe [m] 1’807/ 1’795/ 798/ 1’012
    Druck [bar] 181/ 180/ 80/ 101
    Leistung [kW] 1’270/ 150/ 290/ 390/

    Volumenstrom [m3/s] 70/ 8/ 36/ 39/
    [m3/d] 6’072’385/ 722’006/ 3’139’850/ 3’329’644/
    Tages Volumenstrom Total [m3/d] 9’934’240 (**)

    Anzahl Tage 42

    inkl. Pumpvolumen [m3] 11’506’849

    Anzahl Tage 43 (***)

    (*) Bei 2/3 Stautiefe (dient der Druck- Berechnung)
    (**) Zentralen Fionnay und Nendaz sind in Serie. In Fionnay
    bescheidene Zusatzeinspeisung welche nicht aus dem See kommt.
    (***) Anteil über 42 Tage der Pumpstationen «Zmutt» und «Stafel»

  • Lieber Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW) Swissgrid ev. Lastabwurf, Redispatch, balancieren um Frequenz zu halten, via Stromproduzenten, aber keine ‹Hamsterkäufe› – und wenn ich mich täusche, besten Dank für Infoquelle.
    Mit ‹barem Unsinn› um sich werfen anstatt Fakten. Siehe Last, Importsaldo, Tageszeit. https://www.energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&c=CH&legendItems=1111111100 und wenn man nicht verstehen will, dass die Schweiz nicht so günstig einkauft, z.B Deutschland, ersichtlich auf der interaktiven Seite von Agorameter, dann ist das ‹wirr und ‹unverständlich›.
    Jetzt nur noch peinlich und trollig, also keine weitere Antwort.

  • Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW)

    @Saurer Markus: Wenn man schon im Herbst die Stauseen vollständig füllt, kann man sie durchaus zur saisonalen Glättung des winterlichen Strombedarfs benutzen, indem man im Herbst das Wasser nur dann turbiniert, wenn keine Importe zu günstigen Konditionen verfügbar sind.

  • Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW)

    @ werner plüss: Wenn ich Ihren ersten Kommentar richtig verstanden habe, so wollten Sie mit dem Importüberschuss «beweisen», dass schon im November sogar schon tagsüber hierzulande eine Stromlücke besteht. Dass dies barer Unsinn und Ihr Beweis nicht schlüssig ist, habe ich mit meinem Hinweis darauf dargetan, dass die Swissgrid im November in Wirklichkeit lediglich «Hamsterkäufe» tätigte, um Stromlücken im Verlauf des bevorstehenden Winters abzufedern. Ihr zweiter Kommentar setzt sich mit diesem Hinweis gar nicht auseinander, er ist für mich wirr und unverständlich.

  • Genau, aber die heutigen Eigentümer der CH-Wasserkraftwerke optimieren Produktion und Pumpbetrieb nur nach wirtschaftlichen Kriterien. Es stehen am Winteranfang mindestens 5 TWh in den Stauseen zur Verfügung, die zukünftig mindestens teilweise als Winterreserve vorgehalten werden sollen. Und durch eine Erhöhung der Staumauer und zusätzliche Pumpspeicherwerke (waren geplant, aber nicht wirtschaftlich) könnte die Flexibilität noch erhöht werden. Der effektive Bedarf an Speicherkapazität ist komplex zu ermitteln, aber bei einer Stromversorgung ohne KKW effektiv massiv höher als heute.

  • @FJSW: Die gewöhnlichen Stauseen sind ja bereits in die Stromversorgung eingebaut und tragen zu den 60% bei, die Hydro leistet – soviel ich weiss. Also kann man sie kaum als zusätzliche Speicher zur kurz- oder längerfristigen Glättung intermittierender Stromquellen verwenden. Erhöhung von Mauern ist ok, aber das reicht ja noch nicht – woher nimmt man denn Wasser zum Hochpumpen, wenn dieses turbiniert und abgeflossen ist?

    Aber wie auch immer, sind nicht genügend Speicherkapazitäten vorhanden und solche können auch nicht in nützlicher Frist erstellt werden.

  • Ja lieber Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW) günstig einkaufen ist wohl richtig – wenn es dann was einzukaufen gibt.

    Note 1 Es geht hier um Importe ersetzen, u.a. mit PV, wie gewisse ideologisierte Utopisten uns weismachen wollen, nicht Preis. Und importieren müssen wir – immer wie mehr https://tinyurl.com/2y2djyj7

    Note 2 Swissgrid ist verantwortlich für sicheren Betrieb, Uebertragung, nicht Stromeinkauf, Handel.

    Note 3 Hier interaktiv, day-ahead eingekauft (nicht physisch geliefert), Schweizer E-Gesellschaften nicht so toll, die Preise, wie sie Swissgrid (sic!) attestieren. https://tinyurl.com/yue7n5ba

  • Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW)

    @ Laurenz Hüsler: Speicherkapazität gibt es nicht nur in Pumpspeicherseen, sondern auch in Stauseen, welche ohne untere Seen und Pumpkapazitäten funktionieren, indem man lediglich die Staumauern erhöht. Solche Aufrüstungen bestehender Anlagen haben insbesondere für saisonale Speicherung einen relativ günstigen Erntefaktor, Man kann aber auch bei bestehenden Anlagen den jeweiligen Wasservorrat durch antizyklisch eingekauften Importstrom optimieren. Das weiss die Swissgrid offenbar.

  • Es würde 14 Grande Dixence brauchen: Die Speicherkapazität ist 1TWh (2TWh ist die Jahresleistung).
    Und natürlich immer mit unten nochmals einem See.

    Zu erwähnen auch: 2000m Fallhöhe. Dazu gibts keinen Platz.

  • Franz-J. Schulte-Wermeling (FJSW)

    @ werner plüss: Offenbar ist die Swissgrid schlauer als Sie, weil sie den Strom dann kauft, wenn sie Speicherplatz hat und das Ausland noch zu günstigen Preisen und in genügender Menge liefert, also nicht erst in dunklen Winternächten, sondern schon im Herbst.

  • Wie Hans Achermann richtigerweise antönt, müssen die KKW-Kilowattkosten auch den Opportunitätskosten von Versorgungsproblemen gegenübergestellt werden.

  • Die Argumentation der grossen Schweizer EVU’s ist immer dieselbe. KKW sind zu teuer. Gleichgültig scheinen diese Konzerne gegenüber zukünftigen blackouts und Strommangellagen zu sein. Axpo und viele weitere grosse Energiefirmen gehören den Kantonen. Auch diesen sind offensichtlich Renditen wichtiger als die kurz- und langfristige Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung für ihre steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger. Nicht zu sprechen von der Energieversorgung für die Industrie, das Gewerbe und die Dienstleistungsbranche und die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze und Produktionsprozesse. Undurchdachte Ideologien und lockeres Geld (z.B. für Pandemien und Klima) gehen halt auch bei den Kantonen vor zukünftigen negativen volkswirtschaftlichen Konsequenzen.

  • Swissgrid
    Netto Import Bilanz, sofort abrufbarer Strom

    3909 MW
    22.11.2021
    00.02.30

    3902 MW
    22.11.2021
    22.30.50

    3184 MW
    21.11.2021
    12.36.10

    4125 MW
    17.11.2021
    03.26.00

    4229 MW
    08.11.2021
    02.58.20

    Beachten: Noch nicht Winternacht und Importe auch während dem Tag schon über 3 GW, sofort verfügbarer Strom, äquivalent 1,5 bis 2 Grande Dixence oder 6 bis 8 KKW Mühleberg (R.I.P.)

    Woher Strom, wenn D abstellt, F in Zukunft sowieso zu wenig für Export?

    Es macht schon zornig, das Geschwafel mit PV Importe ersetzen zu wollen (geschweige Mehrverbrauch). Einer der grössten Pumpspeicher, Limmern, leistet 1520 MW. Gefüllt und Vollast, kann das Werk gerade mal während 33 Stunden laufen. Und unsere PV Genies wollen diese Pumpspeicher mit Sonnenstrom füllen? Wohl alle 33 Stunden? Und bei Nacht und Nebel? https://tinyurl.com/atm9m6eb

  • Die Aussagen von Christoph Brand basieren auf vertiefte und fundierte Abklärungen der Kosten von Speicherlösungen (Batterien, Speicher-KW, usw.) und Kraftwerkstypen, sowie insbesondere deren Akzeptanz. Ich kann gern Emanuel Höhener mehr Informationen dazu geben. Kernkraftwerke der Generation 3 dürfen in der Schweiz nicht gebaut werden, KKW der Generation 4 müssten eine Sonderbewilligung des Bundes erhalten. Volksinitiativen und Einsprachen dagegen sind vorprogrammiert. Haben die KKW-Befürworter Gedächtnislücken, können sie sich am Debakel Kaiseraugst erinnern? Eine populistische Partei nutzt aber wie immer die Gelegenheit, um auf sich die Aufmerksamkeit zu lenken. Gaskraftwerke werden je nach Ausbau der PV und Verfügbarkeit der heutigen KKW vermutlich nach 2030 notwendig sein, sie werden aber dann keine Grundlast wie die heutigen KKW liefern, sondern nur ein paar hundert Stunden im Winter laufen müssen. Auch wenn sie mit anfänglich mit Erdgas betrieben werden müssen, ist es für die Umwelt überhaupt nicht tragisch. Viel wichtiger ist es in den nächsten 10 Jahren Diesel- und Benzin betriebene PWs durch E-Autos, sowie fossile Heizungen durch Wärmepumpen oder Wärmenetze, zu ersetzen.

  • Diese Abschätzungen des Speicherbedarfs für eine mit heute äquivalente Ganzjahres-Stromversorgungssicherheit decken sich weitgehend mit eigenen, schon vor Jahren gemachten Abschätzungen in Grande-Dixence Einheiten. Mit einem Verbot von Benzin- und Dieselkraftstoff betriebenen Individualverkehr, den kürzlich zur Klimakonferenz in Glasgow gereiste Politiker, Energie- und Umweltamts-Angestellte und deren NGO-Aktivisten je nach Grad des Denkens in Illusionen zwischen 2030 bis 2050 alternativlos fordern, um die Welt vor einem von ihren Kreisen nun schon seit 20 Jahren herbeigeredeten, fiktiven «Klimakollaps» zu retten, stimmt in Grössenordnung an zusätzlichem Speicherbedarf von mindestens 10 weiteren Grande-Dixence ebenfalls überein. Hochgradig fraglich sind schon allein die technischen und geologischen Gegebenheiten in der Schweiz für 15-20 Grande-Dixence Einheiten, ganz zu schweigen von den gesetzlichen und politischen Gegebenheiten ganze, heute weitestgehend unter Landschaftsschutz stehende Alpentäler zu stauen und nicht zuletzt den gigantischen ökonomischen Kosten, die damit verbunden wären. Damit wären allerdings erst nur die Speichervoraussetzungen geschaffen woher die notwendige Strommenge kommen würde, diese Speicher zu füllen, steht genauso in den Sternen, stellt man realistische quantitative Abschätzungen für deren Produktion mit Alternativenergien wie Wind- und Solarstrom an. Als Fazit muss konstatiert werden, dass diese Glasgow-Gereisten blind jeder Realität von technischen Gegebenheiten und politischen Rahmenbedingungen in verantwortungsloser Weise den heutigen Wohlstand der Schweiz mit ihren Forderungen «an die Wand» fahren im Begriff sind. Höchst beängstigend ist, wenn selbst ein CEO Christoph Brand des mit Abstand grössten Stromversorgers der Schweiz in diesem Chor mitsingt, wenn gleichzeitig das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine Strommangellage als mit Wahrscheinlichkeit gewichtet als grösste reale Katastrophe für die Schweiz einschätzt.

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