Verfehlte und unkollegiale Behördenpropaganda

Ich habe diesen Beitrag zuerst im Nebelspalter publiziert
(12. August 2022 – mit Paywall).


Ich ärgere mich nicht mehr sehr häufig über die Politik. Aber: Ich bin über die neueste Rede von Bundesrätin Simonetta Sommaruga in Locarno empört, wenn auch nicht überrascht. Da macht – gemäss Schlusswort – die Chefin des Departements für Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation «im Namen des Bundesrats» an einem kulturellen Anlass eine penetrante Propaganda für einen baldigen EU-Beitritt. Das ist nun nicht mehr Information, sondern reinste und erst noch unkollegiale Behördenpropaganda. Es geht wohl um eine Ablenkung vom eigenen katastrophalen Versagen als «Energieministerin», und um eine extensive Auslegung des Ressorts «Kommunikation».

Schlimm genug, wenn Kommunikation generell schrittweise (und von vielen unbemerkt) zur Staatsaufgabe aufgeplustert wird.

Der Redenschreiber beziehungsweise die Redenschreiberin (wer ist das?) hatte wohl den Auftrag, ein bundesratsintern brisantes Thema aus dem Ressort Aussenpolitik zu behandeln. Öffentliche Bundesratsreden werden heute dazu missbraucht, jenen Kollegen im Bundesrat eins auszuwischen, die man parteiintern auf der Abwahlliste hat.

Japanische Panik

Bundesrat Cassis hat als Aussenminister eine «Mission impossible» und eignet daher offenbar als Sündenbock für ungelöste und zum Teil auch unlösbare Probleme. Zudem ist er Mitglied der angeblich übervertretenen FDP.

Jetzt ist – laut Sommaruga – ausgerechnet die Nichtmitgliedschaft in der EU schuld am Energiedebakel, das der damals mehrheitlich weibliche Bundesrat in der Panik nach dem Tsunami in Fukushima veranstaltet hat. Man hat diesen, übrigens zu Unrecht, primär als Reaktorunfall wahrgenommen. Fachleute haben dieses Debakel einer verbotsorientierten, etatistischen Energiepolitik schon damals prognostiziert – und jetzt gibt man Putin die Schuld an allem. Der zuständige Chefbeamte empfiehlt, man solle im Hinblick auf den Winter Kerzen und Brennholz kaufen! Es fällt schwer, dazu keine Satire zu schreiben.

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5 thoughts on “Verfehlte und unkollegiale Behördenpropaganda”

  1. Wer kW von kWh nicht unterscheiden kann, wenig bis keine Ahnung hat, wie die elektrische Energie-Versorgung funktioniert und in der Physik beim Thema Thermodynamik, einen Fensterplatz genossen hatte, der soll zurück ans Klavier.
    Aus 3 Blinden kann man auch mit einem Vertrag keinen Sehenden machen. Alle Länder um uns herum, haben zu gleicher Zeit, nämlich im Winter zu wenig elektr.
    Energie! Wir haben eine Energie Reserve mit den im PSI eingelagerten “abgebrannten” Brennstäbe von 800 Jahren, bei der Verwendung von KKW’s der Generation 4. Aber das einer liberalen Gesellschaft unwürdige Technologie Verbot im EnG-2050, lässt einem das Wort KKW gar nicht in den Munde nehmen, sonst wird man gleich geteert und gefedert. Mit 12 Gramm CO2 pro gewandelte kWh sind die KKW’s Spitzenreiter, Wind (86 Gr), PV (143 Gr) und folgen erst auf den Plätzen 4 und 5 und flattern erst noch, bei der Sammlung der dünnsten Energieform! (Nachzulesen im IPCC Bericht 2019)

    1. Man lasse sich nicht von den Fake-Zahlen eines Trüsel zum CO2-Ausstoss verschiedener Energieformen blenden. Eine Aufstellung der Umweltbelastungspunkte, die eben nicht nur CO2 berücksichtigt, zeigt erstens eine ganz andere Reihenfolge (und ist wegen umfassender Sichtweise viel relevanter):
      – Wasserkraft 12
      – Windkraft 21
      – Photovoltaik 48
      – Erdgas 122
      – AKW 126
      – Kohle 217
      Datenquelle: Stolz und Frischknecht 2016

      Und auch die Daten nur für CO2 allein sehen zweitens ganz anders aus als von Trüsel behauptet:
      – Wasserkraft 5
      – Nuklear 11
      – Wind offshore 18
      – Wind onshore 30
      – Solar PV 50
      – Gas 550
      – Öl 890
      – Kohle 950
      Quelle: Frischknecht u.a. 2014

      1. Wie kann man die Zahlen von G. Rehsche mit den Zahlen von A. Trüssel vergleichen? Ich frage mich welches denn die Fake-Zahlen sind, die von G.Rehsche oder diejenigen von A. Trüssel.

  2. Das Fiasko der Energiepolitik von Sommaruga verdeckt dasjenige iher Verkehrspolitik. Une incapacité peut en cacher une autre.

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