Gegen eine dogmatische Klimapolitik

Replik von Lukas Weber

auf den Gastkommentar «Das CO2-Gesetz muss wirksam sein – und leicht verständlich», NZZ vom 25. Mai 2022 (online Version hier)

Gegen eine dogmatische Klimapolitik

Der Hochschulmanager Peter Richner und der grüne Lobbyist Gianni Operto haben sich kürzlich in der NZZ für ein neues CO2-Gesetz ausgesprochen. Die Autoren stellen den aktuellen Revisionsentwurf des Bundesrats in Frage. Nachdem das Volk die letzte CO2-Gesetzesrevision vor einem Jahr abgelehnt hat, will der Bundesrat die Last seines «Netto-Null»-Ziels den Importeuren von Erdöl, Erdgas und Treibstoffen – 63 % der Energieverbrauchs – und von Autos aufbürden. Die Importeure würden diese Last wiederum auf die Haushalte, das Gewerbe und die Industrie abwälzen.

Im Gegensatz zum Bundesrat schlagen die Autoren eine reine Lenkungsabgabe vor, die so bemessen wäre, dass wir nur wegen der – zwangsläufig astronomischen – Höhe der Abgabe auf Treibstoffe, Erdöl und Erdgas verzichten würden.

Die Autoren und der Bundesrat fragen sich jedoch nicht, was eine treibhausgasfreie Schweiz fürs Weltklima tatsächlich bringen würde, und wie sich der Weg dorthin konkret auf das Leben der Schweizerinnen und Schweizer auswirken würde.

Tatsache ist, dass die Schweiz praktisch keinen Einfluss auf die globalen CO2-Emissionen hat, dass unsere Wirtschaft bereits eine der treibhausgaseffizientesten der Welt ist und dass weitere Massnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase mit grosser Wahrscheinlichkeit unserer Wohlfahrt schaden würden.

Die Schweizer CO2-Emissionen machen heute ein Tausendstel der weltweiten Emissionen aus. Allein der jährliche Anstieg (!) der CO2-Emissionen Chinas entspricht dem Sechsfachen der jährlichen CO2-Emissionen der Schweiz. Mit anderen Worten: China würde das dauerhafte Verschwinden der Schweiz von der Landkarte der Treibhausgasemittenten in nur zwei Monaten kompensieren.

Ab einem bestimmten Punkt, wenn alle kostensparenden Effizienzsteigerungen ausgeschöpft sind, sind weitere CO2-Reduktionen wohlfahrtsschädlich. Viele Massnahmen zur Wärmedämmung kosten bereits mehr, als sie einsparen. Der Ersatz alter Gebäude durch neue ist sehr energieintensiv und energetisch oft ineffizient (vgl. NZZ vom 6. April 2022).

Im Vergleich zu allen EU-Ländern hat die Schweiz heute die CO2-effizienteste Wirtschaft. Mit 76 Tonnen CO2-Äquivalent pro Million Euro Bruttoinlandprodukt liegen wir sogar vor Schweden, das den EU-Rekord hält.

Der gesunde Menschenverstand legt nahe, dass das beste Verhältnis zwischen CO2-Emissionen und Wirtschaftsleistung nicht ein Minimum, sondern ein Optimum ist – andernfalls müssten wir uns an den ärmsten Ländern der Welt wie etwa Niger, Malawi oder Mosambik ein Beispiel nehmen.

Wir können davon ausgehen, dass die Schweiz das Optimum in vielen Fällen bereits erreicht hat. Massnahmen, die darüber hinausgehen, gehen auf Kosten der Wohlfahrt. Man erkläre dies jemandem, der heute angesichts der gestiegenen Benzinpreise zögert, sein Auto zu betanken, und sich über die steigende Inflation sorgt.

Der renommierte Wissenschaftler Bjørn Lomborg bestätigt zwar einen menschgemachten Klimawandel, stellt aber fest, dass die dadurch verursachten Schäden und Wohlfahrtsverluste vergleichsweise gering sind, dass die aktuelle Klimapolitik für das Weltklima praktisch wertlos und für das Wohlergehen der Menschheit schädlich ist und dass gezielte Massnahmen gegen Klimaschäden und eine Stärkung der Grundlagenforschung mehr erreichen und deutlich weniger kosten als eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen (vgl. NZZ vom 17. März 2021).

Für jeden, der die aktuelle Klimadebatte mit einem informierten und offenen Ohr verfolgt, erscheint vieles unverständlich und sogar selbstzerstörerisch. Dogmen und Rechtgläubigkeit, in religiösen Debatten verpönt, dominieren heute die Klimadiskussion.

Unser Land braucht dringend eine rationale Klima- und Energiepolitik, d.h. eine Politik, die auf Fakten und Wahrscheinlichkeiten beruht, sich am Gemeinwohl orientiert und wirklich nachhaltig ist.

Lukas Weber ist Elektroingenieur ETH und Präsident der ökumenischen Arbeitsgruppe Christen + Energie (ACE).

Facebooktwitterlinkedinmail
Latest posts by Gastautorin / Gastautor (see all)

7 thoughts on “Gegen eine dogmatische Klimapolitik”

  1. Es macht keinen Sinn, jede menschliche Aktivität, sei es eine Autofahrt, die Lieferung von sizilianischem Zitronensaft oder die Heizung des Bundespalastes, auf die geringste CO2-Belastung zu untersuchen.
    Eine Gesellschaft wird sich nicht auf diese Weise dekarbonisieren, denn damit wird nur die heisse Kartoffel an andere weitergereicht (während man nebenbei noch eine unnötige Steuer einnimmt).
    Es ist vor allem eine Veränderung der Art der Energieversorgung, die die Situation ändern kann, also eine massive Elektrifizierung der Mobilität sowie der Industrie- und Haushaltsheizungen.
    Solange dieses Angebot nicht zur Verfügung steht, erzeugt eine CO2-Buchhaltung nur Schuldgefühle und schnüffelt im Leben eines jeden Einzelnen herum. Unnötig, unwirksam, inquisitorisch, gemein: Das ist eine Klimapolitik, die man nicht betreiben sollte.

    1. Genau. Und es ist zudem wie Hans-Werner Sinn mit seinem “grünen Paradox” immer wieder betont: Die geförderten Fossilen werden irgendwo verbrannt. Wenn nicht bei uns, dann eben anderswo. Zu Lasten der relevanten globalen CO2-Belastung.

  2. In einer neuen Publikation (Nature, Anfang Mai 2022) der Klima-Modellierungs”Granden” Zeke Hausfather, Kate Marvel und Gavin A. Smith, et. al. wird nun erstmals eingeräumt, dass die neusten Klimamodelle AR6, (CMIP6, 2021) derart komplex sinddass sie hochsensibel und nicht mehr vorhersehbar auf nichtlineare, chaotische Prozesse reagieren, wie zeitvariante kleinräumige Wolkenbildung in der Atmosphäre. Die Modelle spucken nun Klimasensitivitäten bis zu 5°C /CO2-Verdoppelung aus und stehen damit im kompletten Widerspruch zu den bisherigen Temperaturmessungen. Sie lassen sich also anhand der gemessenen, historischen Daten nicht validieren. So was geht in die Richtung eines Modell- GAUs. Die Öffentlichkeit hat das Modellierungsdebakel nun aber klar mitbekommen. Da mussten die Obersten im IPCC nun rassig reagieren um das Schlimmste abzuwenden: Den absoluten Vertrauensverlust in ihre Modellkünste. Schnell werden nun an die globale “Climate Research Community” 3 gut gemeinte Ratschläge gegeben, welche Modelle man besser aussondern, sog. “statistisch weggewichten” sollte, damit’s nicht zu extrem rauskommt, um möglichst geräuschlos wieder auf die alten Modellresultate von AR5, (CMIP5, 2013) zurück zu kommen. Andersherum: Die Forscher sollen sich künftig gefälligst nur an solche Modellresultate halten, die die bisherigen, real gemessenen Temperaturdaten unterstützen. Man will ja schliesslich die Menschheit nicht verschrecken mit +6 Grad bis zum Jahr 2100 oder, dass das Pariser 2°C-Ziel irgend in Frage gestellt wird, im fatalistischen Sinne “Alles ist sowieso zu spät!”. Oder noch mit den Worten der Autoren: “Die momentanen Verbesserungen und Verfeinerungen an den KlimaModellen wirken sich in einer Weise aus, die nicht mehr vorhersagbar ist.” Anscheinend beginnt die Hütte bei den Klimamodellapologeten allmählich zu brennen. Was ist denn das für eine Wissenschaft?
    –> siehe Originalpapier dazu: Comment in Nature, May 04, 2022: Climate Simulations: Recognize the “hot model” problem!

  3. In zwei Punkten ist Lukas Weber zuzustimmen: Ja, die gegenwärtige Klimapolitik der Schweiz schadet der Wirtschaft, der Wohlfahrt und dem Wohlergehen der Schweiz und ja, selbst wenn die Schweiz (wie vom Bundesrat bis 2050 versprochen) vollkommen CO2- frei wäre, hätte das auf das Weltklima keinen messbaren Einfluss.
    Was folgt daraus?
    Erstens: Die Politik muss den Irrweg der gegenwärtigen Energiepolitik dringend verlassen und aufhören, das Land mit monströsen Windrädern zu verschandeln, deren Netto-Ertrag im Wesentlichen aus Subventionen stammt und die Solar-Anbauschlacht ist zu beenden. Photovoltaik produziert, je mehr davon installiert ist, immer wertloseren Strom – weil er dann produziert wird, wen alle produzieren (man verfolge die deutschen Spotpreise auf electricitymap.org) – und wenn der Solarstrom veredelt werden soll (mit Speichern und Anpassungen des Stromnetzes) wird die gesamte Anlage zur Energiesenke.
    Zweitens: Fossile Energiequellen soll man nicht einsparen, sondern ersetzen, und zwar durch eine Energiequelle, die ökonomisch und nachhaltig ist: Kernenergie aus modernen Reaktoren. Die Schweiz muss mit dem guten Beispiel vorangehen und der Welt zeigen, wie das geht. Sie könnte die verlorene Kompetenz auf dem Gebiet der Kernenergietechnik zurückgewinnen und der übrigen Welt mithelfen, den Umstieg von fossil auf nuklear zu schaffen. Sie könnte damit viel mehr bewirken als die mit der vernachlässigbaren Umstellung der eigenen Wirtschaft.

  4. Dieser Klimawahn, der absolut keinen Einfluss auf das Klima hat oder haben wird, verschlingt enorme Ressourcen. Neue Auslandabhängigkeiten. Solar zu 80 % aus China. China dankt es mit neuen Kohle- und KKW. Unsere CO2 Einsparungen pro Jahr machen die Chinesen in weniger als einem Tag zunichte. Die Politik ist schizophren. Heilung nicht in Sicht. Da hilft auch “Dämmen” nicht.

  5. Da der Strom ja aus der Steckdose kommt wird der letzte ” Furz ” elektrifiziert! wenn de jetzige Bedarf durch diese ” Pseudo-alternativen Methoden zu decken ist und selbstverständlich sind diese violetten ( rot-grün) Politiker etc .nicht willens, oder in der Lage absolut und relativ verwenden. Zum Beisl : Sets wenn die sogen. ” Klimawerte gleich bleiben würden und die Bevölkerung wächst um 25 % ergäbe das eine Einsparung pro Kopf und ist ein Erfolg !
    Dank der völligen Elektromobilität und Elektrifizierung wird der Strombedarf auf das 3-Mehrfache steigen, und damit wird der Endstrunpreis auf das 6-fache steigen Damit werden z.B Wärmepumpen ökonomisch zur Farce. Das gilt vermehrt für Elektromobile wo dann die propagierte Einsparung gegenüber ” Verbrennern ” hinfällig wird. und die Batterieprobleme,Herstellung.,Lebensdauer und Entsorgung nicht genügend berücksichtigt werden !
    Die Vergleichsrechnung stimmt auch hier nicht !Beim Vergleich Elektro-Verbrenner müssten die vom Staat abgezockten Fr.-,90/ L in die Berechnung einbezogen werden und die steigenden Stromkosten
    bei der e-Mobilität auch.! Kein Mensch spricht wer die von den ” Verbrennern “abgezockten” Steuern,Gebühren und jetzt kommts :Steuern auf Steuern, meines Wissens eine Rechtswidrigkeit, bezahlt? Ich denke durch neue Steuern oder durch in den e.Mobilen eingebaute Stromzähler, wodurch dann wie gewünscht, ein aufwändiger ,kostengenerierender Kontroll- Abrechnungsapparat elegant Nahrung fände !! Die Liste könnte noch viel weiter geführt werden. Wahrlich völlig schizophren, in den einzelnen Punkten zwar teilweise richtig, aber nicht in der ganzen Breite ¨
    Es gibt nur Energieeinsparung und nicht Energiesubstitutionen. Energie ist Energie welcher Art auch und soll nicht aufgebläht werden . Mein Satz : Es gibt nichts Gutes, sonder nur mehr oder weniger Schlechtes, in Abwandlung des Satzes zwischen Pest und Cholera zu wählen !

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.