Wissenschaftler kritisieren Rechenfehler bei E-Autos

Offener Brief an die EU-Kommission: Der Plan der EU-Kommission, die Emissionen des Individualverkehrs ab 2035 auf null zu senken, basiert auf einer Täuschung der Öffentlichkeit.
Cover E-Auto

Gastbeitrag von Kai Ruhsert

Die Professoren Thomas Koch und Thomas Böhlke haben bei der Zeitschrift für Angewandte Mathematik und Mechanik folgende Arbeit eingereicht (peer-reviewed):

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Ergebnis

„It is shown in the present manuscript, that the simplified formula may underestimate the CO2 footprint significantly if the average CO2 footprint depends on the average electricity power demand, which is the case for most of mixed partly renewable and partly non-renewable electric energy systems.“

Diese Analyse entlarvt mit Formel (1) auf Seite 3 unzulässig vereinfachende Ansätze in den Quellen 4 bis 14. All diese Fachleute haben Klimabilanzen für E-Autos auf der Basis von Durchschnittsstrom erstellt. Damit jedoch wird ein Teil des knappen Ökostroms rechnerisch doppelt verbraucht: Einmal von den bisherigen Abnehmern und dann noch einmal von den E-Autos.

Offener Brief an die EU-Kommission

Auf Basis des obigen Papiers hat die IASTEC (The International Association of Sustainable Drivetrain and Vehicle Technology Research) einen offenen Brief an die EU-Kommission verfasst.

Auszüge in deutscher Übersetzung:

● Nach dem Studium vieler Positionspapiere, Entwürfe und sogar begutachteter wissenschaftlicher Publikationen sowie der Analyse politischer Erklärungen bestehen bei den Unterzeichnern große Bedenken, dass die Bestimmung der CO2-Emissionen des Sektors Strom auf fehlerhaften Berechnungen beruht. […]

● Bitte beachten Sie, dass die realen CO2-Emissionen (Gl. 2) die von Gl. 1 leicht um mehr als den Faktor 2 übersteigen können, je nach Jahr und Status des Energieversorgungsystems.

● Wir möchten daher anmerken, dass der Antriebsstrang für Kompaktwagen mit der geringstmöglichen CO2-Belastung, insbesondere der Diesel-Hybrid, politisch blockiert und unwirtschaftlich gemacht wird, obwohl das CO2-Reduktionspotential eines kombinierten Diesel-Hybrids mit R33-Kraftstoff im Jahr 2030 bei ca. 50% liegt, was für viele Länder mit einer BEV-Strategie keinessfalls erreichbar ist, da Gl.2 berücksichtigt werden muss!

Immer deutlicher wird, dass der zurzeit viel diskutierte Plan der EU-Kommission, die Emissionen des Individualverkehrs ab 2035 auf null zu senken, auf einer umfassenden Täuschung der Öffentlichkeit basiert.


Kai Ruhsert, Maschinenbauingenieur, tätig in der Softwarebranche. Bloggt gelegentlich zu Politik, Verschwörungsideologien und (etwas häufiger) über Elektromobilität. Empört sich über systematisch falsche, wissenschaftliche Studien und hat darüber ein Buch geschrieben.
https://www.bod.de/buchshop/der-elektroauto-schwindel-kai-ruhsert-9783751937818

Ruhsert Kai
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3 Kommentare

  • […] Vor ein paar Tagen ging die Meldung durch die Medien, eine wissenschaftliche Veröffentlichung habe einem Großteil der E-Auto-Studien „Rechenfehler“ nachgewiesen (vgl. auch Teil 1) […]

  • Ich möchte darauf hinweisen, dass der Satz
    «Der Plan der EU-Kommission, die Emissionen des Individualverkehrs ab 2035 auf null zu senken, basiert somit auf einer Täuschung der Öffentlichkeit.»
    nicht Teil des offenen Briefs ist, sondern meine Bewertung darstellt.

    [Wir haben das inzwischen korrigiert: CCN-Blogredaktion.]

  • Vielen Dank an Kai Ruhsert für diese hoch interessante Information. Diese neue Arbeit bestätigt Angaben, die Ruhsert in seinem früheren Post in unserem Blog schon gemacht hat (vgl. https://www.c-c-netzwerk.ch/dank-deckelung-kein-co2-ausstoss-von-elektroautos/) und Hinweise, die wir schon wiederholt gegeben haben. Bei der CO2 Bilanz der batterieelektrischen Fahrzeuge müssen die wirklich relevanten ökologischen Opportunitätskosten (CO2-Emissionen) eingerechnet werden. Solange im europäischen Netzverbund noch massiv fossile Energiequellen eingesetzt werden müssen, wird deren Ersatz durch neue Erneuerbare durch zusätzliche E-Automobile sowie auch durch Wärmepumpen vermindert bzw. verzögert. Werden CO2-freie Stromquellen für E-Autos und Wärmepumpen eingesetzt, dann stehen sie einfach nicht mehr für andere Verbraucher zur Verfügung, die dann weiter fossile Sromquellen nutzen müssen. Wenn also der Einsatz von E-Autos und Wärmepumpen schneller ansteigt als ein Zubau von neuen Erneuerbaren erfolgt, dann ist das in Bezug auf die CO2-Wirkung kontraproduktiv.

    Es scheint in der Tat, als würde die EU nicht aus ökologischen, sondern aus industriepolitischen Gründen den Absatz und Gebrauch von E-Autos fördern.

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