Umverteilung, der wahre Treiber der Klimapolitik 

Umverteilung, der wahre Treiber der Klimapolitik 

Ein erster Beitrag aus der Reihe “Folgen der Klimapolitik”

Wir haben im Carnot-Cournot-Netzwerk erkannt, dass Klimapolitik wesentlich tiefergreifendere wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen hat und haben wird, als den meisten bewusst ist. Wir sind nicht die ersten, die das erkennen, aber wir haben uns zum Ziel gesetzt die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Folgen systematisch zu untersuchen, um die tiefergreifenden Treiber der Entwicklungen besser zu erkennen und offen zu legen. Im Folgenden lesen Sie den ersten Beitrag zur Thematik. Wie immer laden wir die Leser ein, die Beiträge kritisch zu kommentieren und zu ergänzen. 

Forderungen zum Ausstieg aus den Fossilen sind viel älter als der Klimawahn der letzten Jahre. Was heute unter den Etiketten Klima oder Klimaschutz gesellschaftlich und politisch abläuft, nenne ich bewusst ein Wahn, ganz im Gegensatz zum real existierenden Klimawandel. Also Klimawahn, weil das mit der berechtigten Sorge um unsere Umwelt nichts mehr zu tun hat. Vielmehr geht es um ein reines Politikum, einen Widerstreit von Partikularinteressen und Ideologien, in welchem zur (angeblichen) Eindämmung der Erderwärmung und zur «Rettung der Welt» grösste Schäden an der Umwelt sowie an der Wirtschaft und der Gesellschaft in Kauf genommen werden. Doch dazu mehr in späteren Beiträgen der Blogreihe «Folgen der Klimapolitik».

Ich habe in den 70er Jahren die beiden Ölkrisen erlebt; 1973 die erste als Folge des Jom Kippur Kriegs, was der Schweiz unter anderem drei autofreie Sonntage bescherte. Die zweite Ölkrise war ab 1979 eine Folge der iranischen Revolution. In den gleichen Zeitraum fällt die vielbeachtete Publikation «Grenzen des Wachstums» des Club of Rome (1972).

Die westliche Welt, die seit Ende des zweiten Weltkriegs einen bis dahin beispiellosen Wirtschaftsboom durchlief, wurde sich bewusst, dass dieser Erfolg in erster Linie dem billigen Erdöl zu verdanken war und dass es da irgendwelche Wachstumsgrenzen geben könnte. Mit dem schnellen Zubau von Kernkraftwerken, erkannte und manifestierte man, dass es Alternativen gibt.  Der Bau von Atomkraftwerken boomte in den siebziger und achtziger Jahren. 

Nach dem Unfall von Tschernobyl wurde der Ruf nach anderen Alternativen laut. Ich begann mich für die Entwicklung geothermischer Energie zu engagieren. Wir erkannten relativ schnell, dass die Geothermie einen Beitrag zum Ersatz von Ölheizungen leisten konnte, zu deren Einsatz in der Stromproduktion aber – vorsichtig formuliert – noch viel Forschung und Entwicklung nötig war. Heute zeichnet sich immer klarer ab, dass Geothermie nicht DIE Substitution der Fossilen sein kann, sondern bestenfalls eine kleine Nische des schnell wachsenden Energiebedarfs bedienen kann. 

Das war alles noch bevor das Narrativ der schädlichen, potenziell sogar letalen menschengemachten Klimaerwärmung aufkam. Das wurde erst mit dem Pariser Abkommen an der UN-Klimakonferenz von 2015 zum weltweiten Politikum. 

Wenn Sie genau über die Entwicklung der internationalen Klimapolitik sowie über die Rolle der Schweiz Bescheid wissen wollen, dann lesen Sie den Beitrag von Dr. Markus Schär im “Monat” und die dort verlinkten Dokumente (Klick auf das Bild).

(Zur Geschichte der Klimapolitik vgl. rechtstehenden Link sowie diesen Beitrag in unserem Blog.)

Der Klimawahn ist bei genauerer Betrachtung bisher ein rein westliches Phänomen. Kaum ein Land ausserhalb der westlichen Industrienationen macht sich ernsthaft Sorgen um den real existierenden Klimawandel. Ausser natürlich verbal an den UN Klima-Konferenzen. Dort behaupten und beklagen besonders die Länder des Südens, dass sie ganz direkt betroffen seien (Opfer der westlichen Klimasünder). Das klassische Beispiel ist der Inselstaat Tonga, dessen Regierung behauptet, ihr Land werde in der Folge steigender Meeresspiegels versinken. In Tat und Wahrheit hat sich die Landfläche Tongas im letzten Jahrzehnt aufgrund vulkanischer Tätigkeit und Korallenwachstum vergrössert. Tonga ist allerdings ein armes Land und erhofft sich mit dem Untergangsszenario internationale Hilfe. Staaten der Sahelzone, wie Niger, Tschad und Sudan fühlen sich durch vermehrte Dürren und Hitze bedroht. Leider sind dort die grössten Hindernisse einer erfolgreichen Entwicklung Misswirtschaft als Folge von Staatsversagen und Korruption. Länder mit grossen Bevölkerungen in tiefliegenden Deltaregionen wie etwa Bangladesch behaupten, durch ansteigende Meeresspiegel existenziell bedroht zu sein. Heutzutage reiche Länder, besonders die Niederlande, haben eine solche Herausforderung schon vor über einem Jahrhundert (als sie auch noch arm waren) ohne fremde Hilfe gelöst. 

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: es geht in erster Linie um Umverteilung, nicht um existentielle Bedrohungen. Das findet auf unterschiedlichsten Ebenen statt, vom Partikularinteresse zum nationalen Mikrobereich bis zur Geopolitik. Im Folgenden umreisse ich nur den geopolitischen Aspekt.

Für die Umverteilung vom reichen Westen in den armen Süden lassen sich in UN-Gremien immer Mehrheiten finden. Dass von einer UN Organisation wie dem IPCC je eine wissenschaftlich unvoreingenommene Bewertung des real stattfindenden Klimawandels und seiner tatsächlichen Gefahren (oder gar Chancen) kommen könnte, ist unrealistisch. Grosse Länder wie China und Indien werden an der geforderten Umverteilung sicher nichts ändern wollen, solange sie sich weitgehend schadlos halten oder davon profitieren können. In der Tat lassen sie alles was der westlichen Konkurrenz schadet noch so gerne zu. Das mag zwar etwas verschwörungstheoretisch klingen, doch bedauernswerterweise leben wir in einer real existierenden Welt wo mit harten, aber legitimen Eigeninteressen gefochten wird und nicht in einer heilen grünen Wunschwelt. Es ist deshalb dringend an der Zeit, dass wir uns bewusst werden, dass wir mit kostspieligen nationalen Klimaprogrammen, die sich fast kein anderes Land leisten kann, unseren Nachkommen keine bessere Welt, sondern nur Wettbewerbsnachteile und höhere Belastungen verschaffen. Dass wir eine Vorreiterfunktion einnehmen und ein Vorbild für den Rest der Welt sein sollten, ist – mit Verlaub – nicht nur höchst naiv, sondern trägt selbstzerstörerische Züge.

Vielen Dank für das Teilen und Verbreiten dieses Artikels!
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8 thoughts on “Umverteilung, der wahre Treiber der Klimapolitik ”

  1. Endlich Klartext! Etwas wurde noch nicht angesprochen: die Verunsicherung unserer Jugend durch diese ewigen Untergangsszenarien. Scheint mir nicht ganz banal zu sein.
    Anderes erinnert an den Ablasshandel der katholischen Kirche vor der Reformation.
    Es gäbe noch sehr viel zu sagen, es gib viele Facetten.
    Aber ich warte gespannt auf die nächsen Beiträge.

  2. Uterdessen ist sogar der IPCC so,weit zuzugeben, dass bis Ende des Jahrhunderts noch vielleich 0.5°C zu erwarten sind. Also nichts von Bedeutung.

    Da bleibt als Motivation tatsächlich nur noch Abzocke.

  3. Das ist ein ausgezeichneter, sachlicher, kompetenter und seriöser Beitrag. Ein aufrichtiges Kompliment an Dr. Markus Häring.

  4. Es freut mich, dass wir nunmehr diese Reihe im Blog pflegen wollen. Markus O. Häring fokussiert vorerst auf die Umverteilung internationaler Art. Wir sollten uns aber auch der klimapolitisch verbrämten Umverteilung nationaler – quasi mikroökonomischer – Art widmen. Es gibt offenbar Gruppen in der nationalen Gesellschaft wie NGO, Branchen und Verbände wie Swisscleantech, Swissolar u.a., Hausbesitzer, E-Autofahrer, Exponenten der parastaatlichen Energiebranche, Klima- und Klimapolitikforscher und ganze Heerscharen von Beamten und externen “Experten”, die ihre spezifischen Eigeninteressen bestens mit klimapolitischen Massnahmen (Dekarbonisierung) zur angeblichen Rettung der Welt verbinden und dazu das “Geld der anderen” ausgeben können. Das Nachsehen haben Personen und Gruppen in der Gesellschaft, denen dafür die Rechnung präsentiert wird.

    International versuchen die Armen, die Reichen auszunehmen – national scheint in der Regel das Gegenteil zuzutreffen…

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