Kupfer, das Metall, das den Spuk der Energiestrategie 2050 vorzeitig beenden könnte

Kupfer, das Metall, das den Spuk der Energiestrategie 2050 vorzeitig beenden könnte

Die von unserem Bundesamt für Energie BFE in Zusammenarbeit mit externen Beratungsbüros entwickelte Energiestrategie 2050 hat entscheidende Faktoren ausgeblendet, um Bundesrat, Parlament und Bevölkerung die vom damaligen Direktor Walter Steinmann und Bundesrat Leuenberger aus ideologischen Gründen gewünschte Umstellung der Energieversorgung im Wesentlichen auf Wasser-, Wind- und Sonnenkraft als sinnvoll und machbar vortäuschen zu können. Beispielsweise wurde die gesamte Netzintegration der variablen Erneuerbaren Windkraft und Photovoltaik (PV) ignoriert oder mit Ausreden beiseitegeschoben. Netzintegration sorgt dafür, dass der sporadisch anfallende Strom dann und dort verfügbar ist, wo er gebraucht wird. Netzintegration für PV und Windkraft bedeutet Netzausbau, kurz- und langfristige Speicherung, Backupkraftwerke, Eingriffe zur Frequenzstabilisierung, dauerhafte Subventionierung etc., und macht PV und Windkraft zu den weitaus teuersten aller Stromerzeugungsarten [2], [3], [4], [5], [6].

Nun kommt aber ein weiteres Handicap hinzu: Der enorme Kupferbedarf. Das Netz muss auf hohe Stromspitzen und lange Transportdistanzen ausgelegt werden, wird aber meist viel schwächer belastet, was im Vergleich zu einem konventionellen Netz eine schlechte durchschnittliche Auslastung und einen entsprechend hohen spezifischen Material- und Investitionsbedarf bewirkt. Hinzu kommt der Bedarf für Speicher und das Backupsystem. Aber auch bei der Stromerzeugung selbst ergibt sich eine äusserst schlechte Ausnützung des Rohstoffs Kupfer.

Die Internationale Energieagentur IEA gibt üblicherweise den Kupferbedarf verschiedener Stromerzeuger in kg/MW installierter Leistung an (siehe Titelbild). Dieser Wert ist allerdings irreführend. Korrekterweise muss man den Kupferbedarf auf die mit der Anlage erzeugbare Energiemenge beziehen. Erst dann wird das dramatische Ausmass der Kupferverschwendung im Zusammenhang mit der Stromerzeugung mittels PV und Windkraft sichtbar.

Formel:

Kupfermenge pro erzeugbarer Energiemenge = Kupfermenge pro installierte Leistung / (Lebensdauer der Anlage * Kapazitätsfaktor)

Für die Schweiz dürften die Kupfermengen pro installierte Leistung und die Lebensdauer der Anlagen ungefähr international genannten Werten entsprechen und lediglich die Kapazitätsfaktoren für Photovoltaik und Windkraft länderspezifisch sein.

Anmerkung: Die Lebensdauer moderner Reaktoren ist üblicherweise auf 60 Jahre ausgelegt, aber bereits haben etliche 60ig jährige Reaktoren aufgrund optimierter Betriebsführung und Wartung eine Zulassung für 80 Jahre Betrieb erhalten (Bsp. USA). Daher ist es vertretbar, als effektive maximale Laufzeit 80 Jahre anzugeben.

Damit sieht für die Schweiz der Kupferverbrauch pro erzeugte Energiemenge für Windkraft – Photovoltaik – Kernenergie ungefähr folgendermassen aus:

Das Bild ist eindeutig: Selbst wenn die Zahlen für PV und Windkraft zu pessimistisch und diejenigen für Kernenergie zu optimistisch wären, wäre der Unterschied beim Kupferbedarf immer noch riesig zugunsten der Kernenergie.

Der Ausbau der Photovoltaik und Windkraft steht weltweit erst am Anfang und in vielen Regionen der Welt besteht noch ein enormer Nachholbedarf bei der elektrischen Grundversorgung. Das befeuert Nachfrage und Preise für Kupfer. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich der Preis in CHF verdoppelt. In Deutschland treiben bereits Kupferdiebe ihr Unwesen, indem sie Kabel von Ladestationen für E-Mobile abschneiden und an Altmetallhändler verkaufen. Ein Kabel bringt immerhin bis zu 50 Euros [14].

Der Kupferbedarf könnte also durchaus das Ende der Illusion unserer Energiestrategie 2050 und der deutschen Energiewende einläuten. Bezeichnend ist, dass meines Wissens nur noch deutschsprachige Länder, die sich massgeblich von Studien der Firma Prognos haben leiten lassen, Kernenergie vollständig im Wesentlichen durch Photovoltaik und Windkraft ersetzen wollen. Ich erinnere mich gut, dass Prognos noch vor etwa 10 Jahren auf ihrer Website als Kernkompetenz die Beratung von Regierungen beim Ausstieg aus der Atomenergie angab.

Inzwischen ist diese Aussage entfernt worden – ein weitsichtiger Entschluss.


Literatur

[1] https://colinmegson.substack.com/p/copper-use-offshore-wind-onshore

[2] https://friendsofscience.org/european-wind-plus-solar-cost-6-times-other-electrical- sources.html

[3] S. Borner, B. Schips et al.: Energiestrategie 2050: Eine institutionelle und ökonomische Analyse, IWSB – Institut für Wirtschaftsstudien Basel AG, Januar 2015

[4] https://www.schlumpf-argumente.ch/die-unbequeme-wahrheit-zu-den-kosten-von-solar-und-windstrom/

[5] NZZ, 09.09.2025: Die deutsche Energiewende kostet 5 Billionen Euro

[6] Jan Emblemsvåg: What if Germany had invested in nuclear power? A comparison between the German energy policy the last 20 years and an alternative policy of investing in nuclear power, International Journal of Sustainable Energy, 2024, VOL. 43, NO. 1, 2355642

[7] www.iea.org/reports/the-role-of-critical-minerals-in-clean-energy-transitions/executive- summary

[8] aiswindenergy.co.uk/how-long-do-onshore-wind-turbines-usually-last/

[9] Marine Cauz et al.: Embracing wind power in the solar PV-dominated Swiss landscape, Energy Reports, Volume 13, June 2025, Pages 3341-3350

[10] https://committees.parliament.uk/writtenevidence/113682/html/

[11] https://www.energy.gov/ne/articles/whats-lifespan-nuclear-reactor-much-longer-you- might-think

[12] https://world-nuclear.org/information-library/nuclear-power- eactors/other/advanced-nuclear-power-reactors

[13] westinghousenuclear.com/media/3nrbtsc0/the-economic-impact-of-a-westinghouse-ap1000-reactor-project-in-canada.pdf

[14] www.zeit.de/news/2025-12/13/kupferdiebe-verursachen-grosse-schaeden-im-nordosten


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4 thoughts on “Kupfer, das Metall, das den Spuk der Energiestrategie 2050 vorzeitig beenden könnte”

    1. Das meint Grok, warum Energiewende am Kupfermangel nicht scheitert:
      – Recycling — Kupfer ist nahezu unbegrenzt recycelbar. Der Anteil von Sekundärkupfer könnte bis 2050 auf 40–50 % der Versorgung steigen.
      – Preisanreize — Höhere Kupferpreise (aktuell schon auf Rekordniveaus) machen neue Projekte rentabel und fördern Investitionen. Prognosen sehen Preise bis 12.000–13.000 USD/Tonne in den kommenden Jahren.
      – Effizienz und Substitution — Bessere Materialnutzung, Carsharing oder teilweise Ersatz durch Aluminium in Leitungen können den Bedarf dämpfen.
      – Neue Technologien — Fortschritte bei Bergbau und Verarbeitung sowie politische Förderung (z. B. in USA, EU, Australien) können die Versorgung sichern.
      Fazit: Die Kupferknappheit ist real und wird die Kosten der Energiewende spürbar erhöhen – Schätzungen sprechen von Verteuerungen und Verzögerungen. Ein komplettes Scheitern ist jedoch unwahrscheinlich, da Marktanreize und Innovationen greifen. Die größere Gefahr liegt in zu langsamen politischen und industriellen Reaktionen. Viele Experten (IEA, BloombergNEF, BHP) sehen die Herausforderung als bewältigbar, aber dringend.

  1. Danke für den aufschlussreichen Artikel. Die Zahlen bei der Wasserkraft wären sicher auch noch interessant.

    Was mir nicht in den Kopf will, ist, dass sich BR Rösti im BFE von der NeE -Lobby derart an der Nase herumführen lässt. Das Personal stammt doch immer noch aus der Zeit von Sommaruga und wohl auch noch DL.

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