Setzt dem energiepolitischen Taumel ein Ende

Der Ukrainekrieg legt das energiepolitische Versagen der Schweiz offen. Die gesamte Energiepolitik muss revidiert, mit der Klimapolitik koordiniert und neu aufgesetzt werden.

Lesen Sie in meinem Kommentar in der “Finanz und Wirtschaft” (ohne Paywall), warum ich dieser Meinung bin.

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10 thoughts on “Setzt dem energiepolitischen Taumel ein Ende”

  1. Mit Verboten, Preiserhöhungen, ideologischem Denken und Handeln will man das Klima schützen. Schützen? Beeinflussen, sofern überhaupt möglich, wäre der geeignetere Begriff. Aber lassen wir die Wortklauberei. Mit klaren Zahlen aus dem Jahr 2020 vom Bundesamt für Energie (BFE) zeige ich auf, wo die Probleme liegen.
    Beim Energiegesetz (EnG), das im Jahr 2017 angenommen wurde, ging es den Befürwortern nur darum, die 10% der Energiegewinnung, die aus der «gefährlichen» Kernenergie stammen, zu verbieten! Von 100% unseres gesamten Energiekonsums stossen rund 61% CO2 aus (Benzin, Diesel, Heizöl, Gas und Flugpetrol). 26% Elektro-Energie aus Wasser- (60%), Kernkraft (40%) und Sonne/Wind (1.4%), stossen direkt kein CO2 aus. Die restlichen Energien (13%) setzen sich aus Fernwärme, Biogas, Umweltwärme etc. zusammen.
    Paradoxerweise monieren die Befürworter des EnG lautstark, dass der Anteil CO2 viel zu hoch sei und dringend reduziert werden müsse. Echte Vorschläge, wie das CO2 reduziert und gleichzeitig der steigende Strombedarf gedeckt werden kann, sind bis heute Fehlanzeige. Kernkraftwerke der neuesten Generation wären ein Anfang!
    CO2 ist eine Lebensgas. Alle Pflanzen benötigen CO2 und wandeln via Photosynthese, in den von uns Lebewesen so begehrten Sauerstoff, um. Weizen, Reis etc. liefern, dank dem erhöhten CO2 Gehalt in der Luft, 15% mehr Ertrag. Das Holzwachstum in den Schweizerwäldern beträgt pro Jahr 10 Mio. m3. Benutzt werden keine 5 Mio. m3!

    Faktor Zeit (kurz-, mittel- und langfristig)
    Jede eingesparte kWh ist eine gute Sache. Wir werden künftig mit der Energie deutlich haushälterischer umgehen müssen! Sofort möglich und teilweise bereits in Arbeit, sind die energetische Sanierung der Gebäude (Isolationen, neue Fenster, neue Heizsystem etc.).
    Um den Energieverbrauch der Gebäude zu reduzieren, sollen diese erneuert, isoliert, und mittels neuer Haustechnik effizienter gemacht werden. Die Schweiz hat ca. 3.5 Millionen Wohneinheiten, wobei die Bauindustrie etwa 65-70’000 Wohneinheiten pro Jahr neu bauen oder renovieren kann. Dieser Teil der «Lösung» wird also mehr als 50 Jahre dauern.
    Um den künftigen Strombedarf, vor allem die Winterstromlücke, decken zu können, muss unverzüglich mit dem Bau neuer Kraftwerke, ob Gas, Kombi- oder Kernkraftwerke, begonnen werden. Allerdings benötigt auch das viel Zeit, je nach Kraftwerk zwischen 1 bis 20 Jahren, ab Bewilligung.

    Bericht der EMPA und EPUL vom Februar 2022
    Um den CO2-Ausstoss gemäss Pariser Übereinkunft (kein Abkommen) bis 2050 auf Nettonull zu senken, würden ca. 564 km2 (Grösse des Genfersees) PV-Fläche benötigt und es wären zusätzliche 17.3 Grande Dixence (1 Grande Dixence = 400 Mio. m3 Wasser und 2’490 Höhenmeter) als Speicher notwendig, um die fluktuierenden Energien zu speichern und die saisonale Verschiebung (Sommer in den Winter) zu bewerkstelligen? Wo soll das installiert werden?
    Ob wir in der Schweiz mit den aktuellen «Lösungsansätzen» die Strommangellage oder gar den Blackout verhindern können, wird die Zeit zeigen. Die Uhr tickt! Ich hoffe nicht, dass uns ein längeres Blackout den Irrsinn des EnG-2050 vor Augen führen muss! Das würde Tote geben!

    Kosten
    Der Schweizer Anteil zum weltweiten CO2-Ausstoss beträgt im Verhältnis gerade mal ca. 10 Stunden – pro Jahr! Nur schon der jährliche Mehrausstoss an CO2 von China – 200 bis 800 Millionen Tonnen pro Jahr – beträgt das 4 bis 16-fache des jährlichen CO2 Ausstosses der Schweiz (ca. 50 Millionen Tonnen pro Jahr). Und wir machen dank den Vorstössen von Links-Grün zum Klima sowie mit den Preissteigerungen auf Energie und Arbeit, unsere Arbeitsplätze noch teurer. Der Kostenfalle entfliehend, wandert die wertschöpfende Industrie nach Osten ab. Die Abhängigkeit, während der Corona Krise eindrücklich erlebt, steigt weiter. BR Leuthard veranschlagte, vor der Abstimmung über das EnG-2050, die Kosten mit Fr. 40.- pro Kopf und Jahr. Das BFE meinte letztes Jahr an einer Tagung, sie seien auch schon bei Fr. 360.- pro Kopf und Jahr angelangt. Das Ende ist noch nicht erreicht! Die SVP berechnete die Kosten damals mit Fr. 1‘000.-
    Die Abstimmung über das CO2 Gesetz im vergangenen Jahr zeigte klar auf, so kann es nicht weitergehen!
    Technologieverbote, einer liberalen Gesellschaft unwürdig, verhindern den freien Markt und jegliche Innovation. Unsere gescheiten Köpfe sind unser Kapital. Wir brauchen dringend mehr Physiker, Chemiker, Mathematiker, Ingenieure etc. aber mit dem Verbot der Kernenergie, wird wohl kein begabter junger Mensch in der Schweiz Kernphysik studieren! Hierzu ein Interview mit dem Kernphysiker Dr. Papodopulus, sehr sehens- und hörenswert.
    https://www.youtube.com/watch?v=CESmrjeHTeU

    Weltweit, ausser im deutschsprachigen Raum, sind 31 KKW der Generation 3 und 3+ am Netz, 40 im Bau und 85 in Planung. Lösungen mittelfristig.
    Unsere KKW in der CH gehören der Generation 2 an und haben den Stresstest (nach Fukushima in 69 Länder durchgeführt) in den Top 10 abgeschlossen. Trotzdem wurden noch weitere Verbesserungen installiert! Mit den KKW’s der Generation 4 haben wir, mit den nur zu 5% abgebrannten Brennstäbe, die wegen dem Ausfuhrverbot in der CH gelagert werden, eine Energie Reserve von 800 Jahren im eigenen Land!! (Lösung Langfristig)
    Stromlücke zeichnet sich ab
    Mit Wind, Sonne und unseren Steuergeldern, will man der Stromlücke, die sich unweigerlich auftun wird, entgegenwirken. Bei zurückhaltender Rechnung und ohne Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums folgendes Beispiel: Alle Autos werden E-Autos, alle Heizungen werden mit Wärmepumpen ersetzt und das Flugpetrol wird synthetisch mit Strom hergestellt. Dazu benötigen wir, um die 62% CO2 emittierenden Energieträger durch Elektro-Energie zu ersetzen, zusätzliche 3 bis 4 neue Kernkraftwerke (KKW) der 4. Generation mit je 1’500 Mega Watt Leistung! Nicht vergessen dürfen wir die 4 Kernkraftwerke (Beznau 1+2, Gösgen und Leibstatt) die am Ende ihrer Laufzeit ebenfalls ersetzt werden müssen.
    Die Umwandlung von Sonnen- und Windenergie in elektrische Energie, betrug im Jahr 2020 in der Schweiz gerade mal 0.37% des gesamten Energiebedarfs. Man rechne! Wir brauchen jede kWh, aber sie sollte bezahlbar sein und ohne die Subventionen.
    Ein paar provokative Ansätze
    Von ehemals 7‘000 Kleinkraftwasserwerken, bis ca. 300 kW Leistung, sind heute noch 1‘000 in Betrieb. 6‘000 wurden wegen Unrentabilität oder ökologischen Gründen stillgelegt!
    Ist ein Viertelstunden Takt der Bahnen, Trams und Busse, einer funktionierenden Wirtschaft vorzuziehen oder kann der Takt auf 1 oder 2 Stunden verlängert werden?
    Muss man an jeder Haltestelle wissen, wie lange es noch dauert, bis das nächste ÖV Gefährt erscheint?
    Die Kommunikationsgrundversorgung (Art. 92 BV) ist an ein Unternehmen, delegiert, die Swisscom! Braucht es auf jedem Sendemast alle Provider?
    Mit der nicht benötigten Energie könnte die Wirtschaft versorgt und die Strommangellage entschärft werden?
    Need to have hat erste Priorität und nice to have hat in einer Krise keinen Bestand! Auf Wohlstands-Komfort muss verzichtet werden!
    Blackout verhindern
    Um einem Blackout vorzubeugen, könnten bei Anzeichen eines solchen, alle 41 Verbindungsleitungen zu und von unseren umliegenden Ländern, gekappt werden. Unsere eigene elektrische Energie würden dann nur noch wir verwenden. Mit etwas Energielast Management und der zum Teil zusätzlich zur Verfügung stehenden, da nicht mehr als Netzdienstleistung (Regelenergie) für das europäische Netzt benötigte Leistung, in der Grösse eines Kernkraftwerkes, kämen wir einigermassen über die Runden. Selbstverständlich wäre ein solches Vorgehen keine nachhaltige Lösung. Ich will damit nur aufzeigen, dass auch unsere Nachbarländer kein Interesse an einer Schweiz ohne Strom haben können. Wenn die Stromdrehscheibe Schweiz ausfällt, ist ganz Europa betroffen.
    Jeder Tag ohne Elektroenergie kostet uns Fr. 4.5 Milliarden (4‘500 Millionen)!
    Fazit
    Das Energiegesetz und mit ihm die Energiestrategie 2050 sind gescheitert. Es ist dringend an der Zeit, die utopischen Wunschvorstellungen von Links-Grün zu stoppen und stattdessen mit faktenbasierten Lösungsvarianten in die Energie-Zukunft der Schweiz aufzubrechen!
    Wir stehen direkt vor einer Notsituation!
    Deshalb sind nach meiner Meinung sofort die folgenden Massnahmen umzusetzen:

    – Ein Energie- / Strom-General muss her!
    – Einreichen der Petition «Stromausfall heisst Lohnausfall»
    – rasche Aufhebung des Technologie Verbotes!

    IPCC Tabelle CO2 Ausstoss pro umgewandelte kWh

    1. Die Verantwortung auf links-grün die schieben ist zu einfach. Die Strategie wurde von der Mitte und von der Hälfte der FDP mitgetragen. Mit Recht, die Marschrichtung stimmt weiterhin: PV- und Windparks ausbauen, Effizienz verbessern, usw. Mit KKW allein lösen wir das Problem nicht und auch erst frühestens in 20 Jahren. Bitte bleibe auf dem Boden der Realitäten und des Machbaren!

  2. Ich bin mit den meisten Bemerkungen und Hinweisen einverstanden. Nur der stereotype Claim: “Jede eingesparte kWh ist eine gute Sache.” ist nicht zutreffend. Mit dem Einsatz von Energie haben wir im Zuge der menschlichen Entwicklung enorm andere Ressourcen eingespart. Was Sie sagen wollen, ist nicht, dass jede eingesparte kWh gut sei.. Sie wollen sagen, dass ein effizienterer Energieensatz gut sei. Dagegen ist nichts einzuwenden. Klar.

  3. Einfach mal die Gegenthese: Energiestrategie ergibt eine positive erste Erfolgskontrolle! Die Erfolgskontrolle des 2017 eingeleiteten ersten Massnahmenpakets der Energiestrategie 2050 zeigt demnach
    – Die Ziele für das Jahr 2020 wurden allesamt erreicht
    – Rückgang des Energieverbrauchs um 12% (bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum von 20%) gegenüber dem Jahr 2000.
    – Ausbau der erneuerbaren Energien um fast 5 Terawattstunden, wobei der Ausbau von Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie unter den Erwartungen blieb, jener der Solarenergie dafür viel höher ausfiel.
    – Dazu die Stilllegung eines ersten Schweizer Atomkraftwerks.

    1. Wir gehen auf eine Mangellage zu. Und unser Strom und die Stromimporte werden nicht ausreichen, um die Substitutionen der Dekarbonisierung zu ermöglichen. Die hat ja noch gar nicht angefangen….

      1. Da schiebe ich gern die neueste Einschätzung der Zeitschrift Spiegel zu weltweiten Entwicklung der Energiewende nach – wenn das auch zugegebenermassen einer eher langfristigen Einschätzung entspricht:
        «Fünf wirklich gute Klimanachrichten
        Italien, Spanien und Portugal vertrocknen, Teile Australiens saufen ab, die Alpengletscher verschwinden immer schneller, der Bundeskanzler will mehr Gas fördern – aber es gibt auch gute Nachrichten zur Klimakrise» – von Christian Stöcker > spiegel.de 11.7.22 https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-und-technischer-fortschritt-fuenf-wirklich-gute-klimanachrichten-kolumne-a-8065b303-8acd-44c2-a015-079e20ff1c1f

        1. Sie gehen einfach davon aus, dass was getan wird, sowieso etwas nützt. Aber das bestreiten wird mit unseren Beiträgen eben gerade. Stellen Sie sich doch vor, wie viele Milliarden und Abermilliarden seit Kyoto bereits in diese Wenden gesteckt wurden… und der weltweite Verbrauch von Fossilen hat sich kaum bewegt. Prof. Hans-Werner Sinn liegt genau richtig mit seinem grünen Paradox, das nur scheinbar ein Paradox ist. Was am einen Ort reduziert wird, wird am anderen Ort mehr verbraucht.

          Dieses Problem stellt sich übrigens auch beim Einsatz von KKW.

          1. Finden Sie das nicht etwas seltsam? Die ganze Welt, wirklich die ganze, baut Erneuerbare Energien zu in einem Ausmass, das unterdessen sogar den Zubau der Fossilen – und der Nuklearen sowieso seit langem – bei weitem übersteigt. Und das einzige, was Ihnen dazu einfällt, ist: «Sie gehen einfach davon aus, dass was getan wird, sowieso etwas nützt. Aber das bestreiten wird mit unseren Beiträgen eben gerade.»

          2. Was mir einfällt, weiss nur ich – jedenfalls ist es weit mehr als ich jeweils auf Ihre Beiträge antworte. Auf Ihre ewig gleichen Kommentare muss ich nicht laufend neue Einfälle präsentieren. Wozu auch? Die Empirie widerlegt Sie ja von Tag zu Tag immer deutlicher.

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