AKW werden den Flatterstrom ergänzen? Nein, ersetzen!

AKW werden den Flatterstrom ergänzen? Nein, ersetzen!
Abonnieren Sie unseren Newsletter

Im Hinblick auf die kommende Debatte zur Blackout-Initiative und zum indirekten Gegenvorschlag beantwortet der Geschäftsführer des Nuklearforums, Lukas Aebi, Fragen zum AKW-Neubauverbot – siehe das kurze Video (2:17 Min.) sowie meinen Kommentar unten.


👉 Info zum politischen Prozess (laut Copilot und Korrekturen von Dr. Irene Aegerter- vielen Dank!)


  • Seit August 2025 liegt die Botschaft des Bundesrats vor;
  • die Beratung in der UREK-S (Erstrat) hat mit einem Hearing am 20. November 2025 begonnen;
  • weitere Sitzungen der UREK-S sind für 19. und 20. Januar und 12. Februar 2026 vorgesehen;
  • der Ständerat könnte sich in der Frühjahrssession 2026 mit dem Geschäft befassen;
  • dieses dürfte dann frühestes im Sommer oder Herbst 2026  in die UREK -N kommen.

Kommentar

Das Statement ist kurz und bündig sowie klipp und klar und an sich auch ganz gut. Aber die Aussage, dass AKW künftig eine wertvolle Ergänzung zu den Erneuerbaren sein werden, ist wahrscheinlich falsch. Zumindest ist sie unreflektiert – auch wenn sie von atombefürwortenden Energiepolitikern bis hin zu Bundesrat Albert Rösti ständig wiederholt wird.

Wie ich schon mehrfach ausgeführt habe – so vor kurzem wieder in einem Kommentar im Nebelspalter “Auf dem Weg zu Jahrhundertfehler Nr. 2” (PDF) -, muss jetzt endlich und unverzüglich die ökonomisch und ökologisch optimale Stromversorgung der Schweiz in langer Frist erforscht werden. Dabei bemisst sich die lange Frist am zeitlichen Aufwand für die Realisierung von neuen Atomkraftwerken. In dieser Frist – sagen wir: 15 bis 20 Jahre – werden Atomkraftwerke heutiger und eventuell auch solche noch neuerer Generationen zu valablen Optionen. Für mich ist klar, dass sich ein Produktionsmix aus Wasserkraftwerken (inklusive Speicherwerken) und Atomkraftwerken ergeben muss und ergeben wird. Die AKW und ein erster Teil der Wasserkraft liefern die nötige Bandenergie und ein zweiter Teil der Wasserkraft schafft den flexiblen Ausgleich zur Befriedigung der schwankenden Nachfrage. Natürlich werden auch die Handelsmöglichkeiten mit dem Ausland optimal genutzt.

Für den neuen “erneuerbaren” Flatterstrom gibt es auf Dauer keinen Bedarf

Da der Flatterstrom aus Wind- und Solarkraftwerken immer wieder über viele Stunden bis Tage ausfällt, muss er über diese Zeit immer wieder durch Hydro- und AKW-Strom sowie Importe ersetzt werden (vgl. Deutschland). Wir müssten aus diesen Quellen faktisch ständig die gesamte installierte Flatterstromleistung bereit halten. Wenn also AKW (sowie Wasserkraftwerke und Importe) als Ergänzung für die flatterhaften neuen Erneuerbaren herhalten sollen, erfordert dies eine Duplizierung der zu installierenden Leistung im Inland oder (für die Importe) im Ausland.

Damit aber nicht genug, denn für die dezentralisierte Flatterstromproduktion sind weit komplexere Netzinfrastrukturen und Netzsuprastrukturen (Steuerung, Speicherung, Trägheitselemente u.a.) nötig als für die stärker konzentrierte bzw. zentralisierte Hydro- und AKW-Produktion. Wir müssten also nicht nur die Produktionsanlagen, sondern auch die Netze duplizieren. (Vgl. dazu die CCN-Themenapérobeiträge der Dres. Nöggerath und Achermann.)

Insgesamt ergäbe sich ein vervielfältigter Bedarf an Produktionsfaktoren und Umweltressourcen (Land, Landschaft), natürlich verbunden mit einer Vervielfältigung der internalisierten Kosten und der externen Kosten (s. wiederum Deutschland, wo dieses Problem schon bedrohliche Ausmasse angenommen hat).

Daraus wird sich früher oder später aufdrängen, die Flatterstromproduktion nicht mit Hydro und AKW zu ergänzen, sondern sie vollständig durch diese zu ersetzen. Ein grosser Teil der heutigen Investitionen in Wind- und Solarkraftwerke und in Netze, die diese erfordert hatten, wird dann obsolet (neue gestrandete Investitionen).

Diese Probleme – verbunden mit einer exorbitanten ökonomischen und ökologischen Verschwendung – können stark reduziert werden, wenn wir den Flatterstromausbau und die Erweiterung der Netze für die dezentralisierte Produktion jetzt unverzüglich stoppen und stattdessen im Übergang zur optimalen Hydro-Nuklear-Produktions- und -Netzstruktur auf grosse Gaskraftwerke setzen.

Betrachten wir dies zumindest als Arbeitshypothese, mit der sich das BFE und die Auftragsforschung sofort befassen müssen.

Vielen Dank für das Teilen und Verbreiten dieses Artikels!
FacebooktwitterlinkedinmailFacebooktwitterlinkedinmail

Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

14 thoughts on “AKW werden den Flatterstrom ergänzen? Nein, ersetzen!”

  1. Das Statement ist nachvollziehbar.
    Zur Versorgungssicherheit und – Kontinuität kommen noch
    – Wirtschaftlichkeit
    – Umweltfreundlichkeit
    – Sicherheit/Risikominimierung
    – geopolitische Unabhängigkeit.

  2. Völlig einig. Erneuerbare (ausser Wasser) sind völlig überflüssig mit Kernkraft. Die SES Schweizerische Energiestiftung und ihre Kumpane wissen das auch, darum die Angst vor der Aufhebung des AKW-Verbots.

    Die Turbinen der Backupkraftwerke, die wegen der Erneuerbaren rauf- und runtergefahren werden müssen, altern übrigens schneller mit den Flatterhaften als ohne diese.

  3. Vielleicht liegt Markus Saurer nicht ganz falsch mit seinen dedizierten Aussagen, aber er scheint zu vergessen, dass da neue Stromgesetz am 9. Juni 2024 mit 68,7% Ja-Stimmen von der Schweizer Stimmbevölkerung angenommen wurde.
    Wir brauchen auch keine neue Forschung, um herauszufinden, wie die zukünftige Stromversorgung aussehen sollte.
    In der Verantwortung sind in erster Linie die Kantone und ihre Kantonswerke, welche Eigentümer von Axpo, Alpiq und BKW sind. Das gleiche gilt für die Städte und ihre Stadtwerke. Axpo hat in seinem Power Switcher https://powerswitcher.axpo.com/en/expert?scenario=axpo-renewables aufgezeigt, welche Varianten es gibt und was sie kosten. Es gibt auch viele kluge Köpfe beim ETHZ, welche tolle Modelle zu diesem Thema entwickelt haben. Das Problem sind nicht die Erneuerbaren, sondern die lokalen Einsprachen zu allen Neubauprojekten, ob Windkraftwerke, neue Stromleitungen oder Ausbau von Pumpspeicherwerken in den Alpen.

  4. Deutschland: Wind und Sonne liefern inzwischen fast 2/3 des Stroms

    Wichtigster Energieträger in der Stromproduktion war laut dem deutschen Statistischen Bundesamt zuletzt erneut Windkraft, gefolgt von der Photovoltaik. Ausschlaggebend dafür, dass beide Energieträger Rekordwerte für einen Sommer erreichten, ist der Ausbau von Windrädern und Photovoltaikanlagen. Und schon komisch: Der Blackout will und will nicht kommen…. Die Verfügbarkeit von Strom ist besser denn je…. Und die CO2-Intensität der Stromerzeugung sinkt fortlaufend…. Siehe: https://www.spiegel.de/wirtschaft/erneuerbare-energie-wind-und-sonne-liefern-inzwischen-fast-zwei-drittel-des-stroms-a-343b8799-ce2a-4506-9470-8bccd8487ec2

    1. Aber leider steigen die Kosten, wie wir schon 2014/15 gesagt haben, in untragbare Höhen. Deutschland verarmt – der CO2-Gehalt der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft wird bald in der Tat markant sinken. Aber nicht wegen Wind und Sonne, sondern wegen Deindustrialisierung. Soweit wird es bei uns wohl nicht kommen. Aber “dank” der Viererbande im Bundesrat sowie den Roten, Grünen, Mittigen und der FDP (!) werden wir jetzt ein paar Jahre mit steigenden CO2-Emissionen in der Stromproduktion leben müssen. Hätten wir nach Fukushima weiter unsere Hydro/Nukleo-Strategie verfolgt, wäre es dazu nie gekommen.

        1. Die Industriestrompreise werden mit Steuermitteln (oder aus Sondervermögen, sprich: mit Verschuldung) verbilligt. Für die Haushalte wurden die Netzentgelte etwas gesenkt – aber nicht die Netzkosten, also auch hier: Steuern oder Verschuldung. Aber natürlich sinken in Deutschland die Strompreise (Energieteil in kWh) auch, wenn etwa die Gas- oder die AKW-Strompreise fallen. Aber Deutschland hat die höchsten Strompreise in der EU. Wenn der Anteil des Flatterstroms noch weiter steigt, dann werden auch die Stromkosten (mit allem drum und dran an Systemelementen, die allein durch diesen Strom bedingt sind) weiter steigen.

          Aus welchen Mitteln Deutschland die Strompreise dann auch immer verbilligen wird, irgend jemand wird sie zahlen müssen – auch wenn sie mit Verschuldung in die Zukunft verschoben werden.

          Ganz Deutschland lamentiert über Deindustrialisierung wegen zu hohen Energiekosten und unsicherer Versorgung. Aber Rehsche freut sich über Gratis-Sonne und Gratis-Wind und sinkende Preise…. da stimmt wohl etwas nicht ganz.

  5. Die Kernenergie wird die Neuen Erneuerbaren bis 2050 – vielleicht formal – noch ergänzen.
    Einfach, weil bislang Erneuerbare weiter subventioniert-beschleunigt noch eine Zeitlang ausgebaut werden. Aber die Erneuerbaren laufen bei grösserem Ausbauanteil derzeit in massive wirtschaftliche Probleme. Wir sehen das in Dänemark und Grossbritannien, wo die Strompreise für Industrie und Privat regelrecht explodieren und mittlerweilen die 40 Cent/kWh-Grenze durchbrechen. Auch technisch werden die Grenzen sichtbar: Der spanische Blackout im Frühjahr wurde höchstwahrscheinlich durch nicht gedämpfte Oszillationen im Süden des Landes ausgelöst, wo PV bis zu 95% der Produktionsleistung erbrachte. Die nötige Dämpfung des iberischen Stromnetzes durch Grosskraftwerke war praktisch inexistent. Das bedeutet, dass das Stromnetz künftig gewaltige künstliche Dämpfungsmassnahmen erfordert, die sehr kostenintensiv werden – und derzeit im Strompreis noch gar nicht aufscheinen.
    Ab Mitte des Jahrhunderts wird die Kernenergie jedoch die Erneuerbaren mit ihren kostspieligen und unlösbaren Problemen verdrängen – und nicht mehr nur “ergänzen”. Den Rückschritt zu unökologischen “Naturenergien” werden sich die Gesellschaften nicht weiter leisten. Das war eine kurzeitige, postmoderne Erscheinung des ausgehenden 20. Jahrhunderts, wo in westlichen Gesellschaften fast alles wirtschaftlich möglich war bei einer beispiellosen irrational geschürten Atompanik. Das kommt heute aber klar zu ihrem Ende.

  6. Die technologische Entwicklung wird schlussendlich darüber entscheiden, ob in Zukunft die Kernkraft in der Schweiz eine Renaissance erleben wird. Wenn neue, sichere Reaktortypen aus Amerika oder Asien mittelfristig genug Marktreife erreichen, könnte die Aussage von J. Nöggerath wahr werden. Aber die Entwicklung der Batterietechnik und von anderen Speichertechnologien, welche zum Ausgleich der variablen Erzeugung der neuen Erneuerbaren notwendig sind, bleibt auch nicht stehen.
    Man sollte auch nicht vergessen, dass Verbraucher wie Elektroautos oder Wärmepumpen keine Grundlast benötigen, sondern Leistung auf Abruf, was die heutigen KKW nur teilweise können, bzw. Gaskraftwerke günstiger erbringen können. Die Investoren in Erzeugungskapazitäten, sprich grossen Stromunternehmen, müssten auch wieder langfristig denken, was in der heutigen Marktorganisation wesentlich schwieriger ist, als in der früheren Welt mit regionalen oder nationalen Monopolen für die Stromversorgung. Vielleicht ist der liberalisierte Strommarkt in Europa deswegen mehr Fluch als Segen, bzw. er müsste mindestens den Vorrang auf alle CO2 arme Technologien erweitern und nicht nur auf PV, Wind und Wasser beschränken.

    1. Da gäbe es einiges zu sagen. Olkiluoto 3 (Bau ab 2005, Inbetriebnahme April 2023) befriedigt mit einer Leistung von 1.6 bis 1.7 GW heute rund 14% des finnischen Strombedarfs – erster Druckwasserreaktor (EPR) der Generation III+ in Europa (diese Technologie läuft auch in Flamanville 3/F und ab Ende 20-er Jahre in Hinkley Point C (GB). Dank Olkiluoto 3 konnten die Finnen ihre Strompreise dauerhaft erheblich senken. Die Schweiz muss nicht zuwarten, bis Small Modular Reactors (SMR) kommerzielle Reife für quasi den Kauf ab Stange erreicht haben. Wir sollten uns vielmehr einen AKW-Mix zulegen (Beznau noch als Übergangslösung aufpeppen, dann ein grosser EPR Gen III+, später noch ein paar SMR…).

      Wie auch immer, habe ich aber nur gefordert, dass endlich und unverzüglich unsere Versorgung der Zukunft erforscht wird. Schauen Sie sich doch einmal die letzten Ausschreibungen von SWEETER an – was da für Quark hinterfragt werden soll. Alles immer noch auf der Linie der bereits gescheiterten Energiestrategie 2050 (gemäss Erweiterung Energieperspektiven 2050 plus). Die aktuellen Planungen und Realisierungen führen uns über kurz oder lang in eine Lücke, die wir eventuell nicht mehr mit Importen decken können – auch nicht mit einem Stromabkommen. Wir verfügen aber über eine Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, die sich Versorgungslücken mit Rationierungen schlicht nicht leisten kann.

      1. Es gibt eigentlich kaum was zu erforschen, ich wiederhole mich nur, solange alle Bauvorhaben lokal verzögert oder blockiert werden, und wie soll es bitte bei neuen KKW anders sein, kommt die Schweiz nicht vom Fleck und läuft effektiv in eine grosse Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland im Winter! Und ohne Stromabkommen mit der EU, in eine noch riskantere Situation.
        BR Rösti hat es gut verstanden, aber die Kantone und die Städte anscheinend kaum, bzw. scheinen wenig aus der Gaskrise nach dem Überfall von Russland auf die Ukraine gelernt zu haben.

        1. Wohin wollen Sie denn vom Fleck kommen – einfach irgendwie Bewegung, egal in welche Richtung? Einfach mehr Solar und Wind und Netze, egal, ob es noch bessere Optionen geben würde?

          Nein! Es muss wie in jeder strategischen Planung bestimmt werden, wohin die Reise im Idealfall gehen sollte. Und daran muss man die heutigen Taten messen bzw. orientieren. Wir taumeln sinnlos auf einer Strategie herum, die diesen Namen nicht verdient. Von der wir heute schon wissen, dass sie versagt!

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte beachten Sie: Kommentare sind auf 2000 Zeichen begrenzt.