Wie Politik und Big Business Wissenschaftler vereinnahmen

In der Schweiz gehört der Wissenschaftsphilosoph Michael Esfeld von der Universität Lausanne zu den pointiertesten Kritikern des Corona-Regimes. In einem kürzlich stattgefundenen Gespräch erläutert er, welche Faktoren dazu führen, dass sich gewisse Wissenschaftler immer mehr von Politik, Medien und Industrieinteressen vereinnahmen lassen.

Die Katastrophenprognosen der Science Taskforce und des Bundesamtes für Gesundheit zum Verlauf des Infektionsgeschehen, der Mortalität, der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung und der Klinikauslastungen erwiesen sich allesamt als masslos übertrieben. Als Folge davon haben die Naturwissenschaften bei weiten Teilen der Gesellschaft an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Herr Prof. Esfeld, welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben nach Ihrem Verständnis zu dieser Krise der Naturwissenschaften geführt?

Michael Esfeld: Nicht die Naturwissenschaften als Ganzes haben versagt, sondern gewisse Bereiche – jene, in die die Politik eingegriffen hat. Die Politik hat der Wissenschaft einen politischen Auftrag erteilt: Sie soll die Menschheit vor einem angeblich gefährlichen Virus retten. Dieser politische Auftrag hat dazu geführt, dass man während der Corona-Zeit bewusst und absichtlich jene Wissenschaftler, die gezielt Panik verbreiten und schon früher grundlos vor gefährlichen Pandemien gewarnt haben – wie etwa Christian Drosten in Deutschland oder Neil Ferguson in England –, in den Medien als «die Vertreter der Wissenschaft» dargestellt hat und alle anderen Stimmen anerkannter Wissenschaftler unterdrückt hat. Fachphilosophisch nennt man das «Szientismus» – also die Idee, dass die Wissenschaft die Gesellschaft lenken soll. Ein solcher Anspruch führt dazu, dass die normale wissenschaftliche Debatte zum Erliegen kommt. Wissenschaft wird dann zu einer Art diesseitiger Religion, der man folgen muss.

Weshalb haben die sonst üblichen Kontrollmechanismen in Politik, Medien und Wissenschaften versagt?

Michael Esfeld: 1968 brach die Hongkong-Grippe aus, die mindestens ebenso gefährlich wie die Coronavirus-Wellen war. Damals wäre allerdings niemand auf die Idee gekommen, einen Lockdown zu verhängen – man konnte im Westen die Menschen nicht unter einem Vorwand einsperren wie auf der anderen Seite der Berliner Mauer. Mit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums ist uns der Kontrast abhandengekommen. Wir haben nicht genug getan, um unsere Ideale von Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie, offener Gesellschaft, Pluralismus wirklich zu vertreten. Dann hat sich schleichend eine postmoderne, postkommunistische Ideologie etabliert, die besagt, die Ideale von Selbstbestimmung, Vernunft, wissenschaftlichen Realismus seien die Erfindung weisser Männer und man müsse vielmehr auf unterdrückte Minderheiten, auf Opfer schauen. Die Umwelt war das erste angebliche Opfer. Viel besser konnte man aber ein Virus als Vorwand nehmen, um Angst und Panik zu schüren: Man konnte so einfach alle dem – völlig unbegründeten – Generalverdacht unterstellen, mit ihrer alltäglichen, selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Lebensweise andere zu gefährden.

Dazu kommt nun ein Staat, der seine Macht immer stärker ausdehnt: Statt seine Kernaufgabe – den Schutz von Leib, Leben und Eigentum – wahrzunehmen, entwickelt er sich immer mehr zu einem Dienstleistungsstaat, der gegen alle möglichen Risiken absichern will. Als ob der Bundesrat die Bürger vor Viren oder dem Klimawandel schützen könnte!  Die Schutzfunktion des Staates dehnt sich auf immer weitere Lebensbereiche aus. Davon profitieren wirtschaftliche Interessen. Im Fall von Corona war dies die Pharmaindustrie, die vom Geschäft mit der Angst lebt. Vieles, das die Pharma entwickelt, ist nützlich, aber es werden auch Produkte verkauft, die niemand braucht. Das haben wir schon bei der Schweinegrippe erlebt. Da brauchte es auch keine Impfung, weil es, genau wie bei Corona, keinen für die allgemeine Bevölkerung gefährlichen Virusausbruch gab.

Wir hatten in der Schweiz die Science Taskforce…

Michael Esfeld: Wir haben in der Schweiz das Epidemiengesetz, das einen Expertenrat vorsieht. Dieser kam in der Pandemie nie zum Tragen! Es haben ad hoc Wissenschaftler gesagt, sie seien kompetent, bilden eine Taskforce und geben der Politik Anweisung. Das ist im Gesetz nicht vorgesehen. Die Science Taskforce war ein Fehler. Der Bundesrat hätte der Taskforce sagen müssen, Euer Rat ist willkommen, aber ihr habt keine Anweisungen zu geben, geht an Eure Hochschulen zurück.

Erstaunlich war doch, dass überall das gleiche Setup implementiert worden ist: Die Regierung bzw. in der Schweiz das Bundesamt für Gesundheit oder im Fall von Deutschland das Gesundheitsministerium und daneben eine «streng wissenschaftlich» agierende Science Taskforce. Wie erklären Sie sich das?
Michael Esfeld: Das waren nur Wissenschaftler, die dies tun wollten und die Macht gesucht und sozusagen die Wissenschaft aufgegeben haben. Die Science Taskforce hat mit Wissenschaft nichts zu tun, das ist ein pseudowissenschaftliches Polittheater gewesen. Wissenschaftlich hat sich die Taskforce nie auf Evidenz oder Fakten gestützt, alle elementaren Wissenschaftsprinzipien wurden verletzt. Leute, die hätten kritisch sein können, wurden von vornherein ausgeschlossen: Pietro Vernazza zum Beispiel ist ein weltweit anerkannter Mediziner aus St. Gallen. Er äusserte sich vorsichtiger und wurde kurzerhand ausgeschlossen.

Wenn Sie einen wissenschaftlichen Beirat bilden, dann müssen Sie Vertreter aller Richtungen an einen Tisch bringen. Die sollen dann debattieren und sich fetzen. Sie sind nicht dazu da, politische Empfehlungen zu geben.  Wenn ein neues Virus kommt, hat man am Anfang nur eine sehr dünne Datengrundlage. Ehe Daten vorliegen, können Wissenschaftler nicht genau sagen, wie gefährlich ein Virus ist. Man kann nur an die Bevölkerung appellieren und ihr sagen, dass bei einem neuartigen Virus Personen mit einem schwachen Immunsystem und vorwiegend ältere gefährdet sind und diese Gruppen entsprechend aufpassen sollen und man auf sie Rücksicht nehmen soll. Man kann spontan durch Anpassung und Vorsicht ein angemessenes Verhalten entwickeln. Dazu braucht es keinen Bundesrat und keine Science Taskforce. Und dann muss man natürlich systematisch Daten erheben. Als Mitte März 2020 der Lockdown kam, war der unbegrenzt exponentielle Anstieg der Infektionen schon gebrochen. Weshalb? Weil die Leute wussten, dass da etwas kommt und sie ihr Verhalten angepasst haben.

In der Pandemie sollte das Individuum seine Selbstverantwortung an den Staat abtreten. Besteht die Gefahr, dass sich beim Auftreten von etwas Unbekanntem, Bedrohlichem macht- und sendungsbewusste Wissenschaftler vordrängen und das Thema für sich usurpieren?
Michael Esfeld: Ja, das nennt sich Paternalismus. Wissenschaftler meinen, weil sie ein gewisses Fachwissen haben, könnten sie den Leuten sagen, wie sie zu leben haben. Das ist Unsinn. Normalerweise wird so etwas innerwissenschaftlich geregelt durch Kritik – wenn einer behauptet, dass er irgendetwas entdeckt hat, heisst es «mal langsam, jetzt wollen wir erst mal deine Daten prüfen». Hier hat man von aussen die innerwissenschaftliche Kritik ausgeschaltet, sich die Wissenschaftler gegriffen, die das Sendungsbewusstsein haben und Katastrophenpropheten sind und sie in die Medien gestellt und alle anderen ausgeschaltet. Besonders deutlich hat man das in Deutschland gesehen, da hat Innenminister Seehofer explizit Wissenschaftler beauftragt – und zwar solche ohne entsprechendes wissenschaftliches Renommée –, Katastrophenszenarien zu entwickeln. Das war ein politischer Auftrag. Wenn der Staat in die Wissenschaft reinfunkt, entsteht ein Problem: Die Wissenschaft ist staatsabhängig, weil sie durch Staatsgelder finanziert ist. Es gibt viele, die dies durchschauen, aber meinen, dass es von ihnen erwartet werde und man sich nicht gegen die Regierung stellen dürfe. Der Staat sollte in seiner Finanzierung die Neutralität der Wissenschaft sicherstellen. Wenn aber die Politik selbst nicht mehr neutral ist, sondern bestimmte Interessen hat, erweist sich die staatliche Finanzierung als fatal. Die staatliche Finanzierung der Wissenschaft sollte in Frage gestellt werden. Dieses Monopol verleitet zu Missbrauch. Gefördert wird, was erwünscht ist. Wenn der Staat seine Macht ausdehnen will, ist es schwierig, mit Staatsgeldern unabhängige Forschung zu betreiben.

Die Corona-Politik des Bundes in Verbund mit den öffentlich-rechtlichen Medien und den sogenannten Mainstream-Medien hat die Gesellschaft in zwei Lager gespalten und in breiten Kreisen für Misstrauen gegenüber dem Staat und der Pharmaindustrie gesorgt. Wie überwindet eine Gesellschaft eine solche Spaltung?

Michael Esfeld: Eigentlich müsste man nur zur Verfassung, zur Rechtsordnung und zu einer offenen Gesellschaft zurückkehren. Eine offene Gesellschaft im Sinne von Karl Popper ist eine Gesellschaft, in der es verschiedene Religionen, Kulturen, Lebensweisen etc. geben kann und man tauscht sich gegenseitig aus und respektiert sich. Das ist die Tradition der Schweizer Verfassung: Der Staat greift nur ein, wenn Recht verletzt wird und Konflikte zwischen verschiedenen Lebensentwürfen und Lebensweisen entstehen.

Wie sind diese Konflikte im Fall von Corona entstanden?

Michael Esfeld: Die Konflikte sind künstlich geschaffen worden. Das ist wieder der Punkt mit dem Wohlfahrtsstaat, der sich zuständig fühlt, den Leuten vorschreiben zu müssen, wie sie leben sollen. Der Staat schreibt uns auch eine gesetzliche Krankenversicherung vor – auch jenen, die diese Art von Medizin ablehnen. Die Pharmaindustrie muss jetzt nur die Politik überzeugen, dass ihr Produkt in den Medikamentenkatalog der Grundversicherung gehört. Wenn der Staat das auch so sieht, müssen alle dies finanzieren – ob sie es wollen oder nicht. Ein bevormundender Staat braucht Wissen. Dieses bekommt er von der Wissenschaft. Auf diesen Köder springen manche Wissenschaftler an und werden dann entsprechend finanziert.  Das Konglomerat Wissenschaft, Staat, Wirtschaft und Medien – die Medien kommen da auch mit rein, sie sind ja auch zwangsfinanziert – geht über die Grundaufgaben eines Staates hinaus. Wenn ich als Wissenschaftler zum Beispiel meine, die Welt gehe an einem Virus oder am Klimawandel zugrunde, muss ich nur in eine Schlüsselposition in einem Medium oder in der Wissenschaft oder Politik reinkommen und schon kann ich meinen «Glauben» anderen aufzwingen. Ich muss andere nicht mehr durch Argumente oder als Unternehmer von meinem Produkt überzeugen. Ich muss nur in diese staatliche Institution reinkommen und kann dann den Machtapparat für mich ausnutzen. Das ist nicht in Ordnung.

In jüngster Zeit wird von der Gesellschaft vermehrt Solidarität für alles Mögliche und alle möglichen Gruppierungen eingefordert. Bei der Corona-Impfung hiess es, man solle sich aus Solidarität impfen lassen. Was ist Ihre Haltung dazu?

Michael Esfeld: Es fehlt an Urteilskraft. Wir haben seit Jahrzehnten die Möglichkeit, uns gegen Grippe impfen zu lassen. Dennoch haben wir jedes Jahr eine Grippewelle. Die Impfung verhindert vielleicht, dass jemand schwer an Grippe erkrankt, aber sie verhindert keine Grippewellen. Dann kommt 2020 ein neues grippeartiges Virus und eine neuartige Impfung. Diese kann höchstens individuell schützen. Wie soll eine Corona-Impfung Coronaviren-Wellen verhindern oder stoppen?  Das Ganze war klarer Betrug: Jeder, der die Studien gelesen hatte, wusste, dass dieser Aspekt von den Herstellern gar nicht getestet worden war. Getestet wurde nur der Selbstschutz. Dass die Impfung die Weitergabe des Virus verhindert, dafür gab es niemals einen Nachweis. Es gab keine Datenbasis für die Forderung, sich aus Solidarität impfen zu lassen. Das war nichts anderes als das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie und der Wissenschaftler, die davon profitiert haben.

Im August 2021 verkündete Bundesrat Berset, dass die Tests für über Sechzehnjährige ab Oktober kostenpflichtig würden. Weil sie sich insbesondere Studenten die Tests nicht leisten konnten, wurden gesunde junge Menschen ohne Risiko für einen schweren Verlauf faktisch in die Impfung gezwungen. Wie beurteilen Sie dies?

Michael Esfeld: Das ganze Coronaregime war von Anfang an vollkommen falsch. Auch das ganze Testen. Wir wissen vom Erfinder des PCR-Tests, dass der Test nicht zur Diagnose geeignet ist. In Münster haben Paul Cullen und sein Labor 162’000 PCR-Tests analysiert und festgestellt, dass nur 40% der positiv getesteten Personen über eine Virenlast verfügten, mit der sie wahrscheinlich zur Verbreitung des Virus beitragen konnten. Trotzdem wurden alle in Quarantäne geschickt und ihrer Freiheit beraubt. Während des Corona-Regimes sind sämtliche Standards der Medizin über den Haufen geworfen worden.

Sehen Sie Parallelen zwischen der gesellschaftlichen/politischen Auseinandersetzung mit Corona und dem Klimawandel?

Michael Esfeld: Das Schema ist das gleiche. Gegen eine Absprache spricht, dass es sich um verschiedene Akteure handelt. Bei Corona und dem Klimawandel sind es andere, die von der Angst profitieren. Aber es ist der gleiche Trend, bestehende Risiken aufzunehmen, völlig zu übertreiben, um dann Macht über Menschen auszuüben und ihnen ihre Lebensweise vorzuschreiben: Beim Klimaregime wie Sie sich fortbewegen, was Sie essen, wie Sie Ihr Haus heizen. Es ist die gleiche Story vom Weltuntergang, um Ihnen etwas von Ihrer Selbstbestimmung, Ihrer Autonomie und Mündigkeit zu nehmen und Ihnen vorzuschreiben, wie Sie leben sollen. Davon profitieren gewisse Wirtschaftszweige. Die sogenannten Neuen Erneuerbaren funktionieren nur durch staatliche Subventionen, die von unseren Steuergeldern finanziert werden.

Weshalb wünschen sich gewisse Kreise eine stärkere Staatsabhängigkeit der Bürger?
Michael Esfeld:  Wer eine Idee hat, braucht dann nur die Politik und nicht die einzelnen Individuen zu überzeugen. Der Unternehmer, der irgendwelche Produkte – Impfstoffe oder Windräder – verkaufen will, sagt: «Mein Produkt rettet uns vor dem Weltuntergang. Staat, nimm mir meine Produkte ab und subventioniere sie.» Dann erzielt das Unternehmen einen Profit. Die Risiken und Kosten tragen die Steuerzahler. Wir müssen unbedingt wieder zurück zur Haftungspflicht. Ein Unternehmen kann Impfstoffe oder andere Produkte anbieten, aber zum einen soll es – ohne Staatseingriffe – die Kunden mit seinen Produkten überzeugen und zum andern muss das Unternehmen haften, vollumfänglich. So wie jeder im Zivilleben für die Folgen seines Handelns haftbar gemacht werden kann. Es geht nicht, unter dem Vorwand «dass etwas den Menschen nütze» die Produktehaftung auszusetzen. Rechtsstaat heisst gleiches Recht für alle. Das heisst auch gleiche Pflichten für alle, gleiche Verantwortlichkeit für alle.

Ausgewiesene Wissenschafter bis hin zu Nobelpreisträgern, die das gängige Corona-Narrativ nicht übernahmen und unbequeme Fragen stellten, wurden von Politikern, Medienschaffenden und ihren Kollegen diffamiert und gecancelt. Sie wurden aus akademischen Vereinigungen ausgeschlossen, verloren in Einzelfällen sogar ihre Anstellungen und werden teilweise bis heute strafrechtlich verfolgt. Wie haben Sie das bei sich erlebt?
Michael Esfeld: Mein Buch «Land ohne Mut – eine Anleitung für die Rückkehr zur Wissenschaft und Rechtsordnung» darf nicht auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden, weil die anderen Aussteller das Buch verstörend finden könnten. Die Zeitung «24 heures» publizierte einen Artikel, der besagte, dass ich ein rebellischer Professor sei, der die Universität beschäme. Vorher schon hatte mich die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Nestbeschmutzer der hehren Wissenschaft beschimpft. Was für ein Unsinn, welch erbärmlicher Journalismus! Wenn man vorgebliches Wissen, das man dem Publikum aufgezwungen wird, kritisiert, dann macht man als Wissenschaftler nur seine Arbeit. Wenn aus Wissenschaft Szientismus wird, dann ist Wissenschaft eine Heilslehre, dann sind die Abweichler Ketzer und werden entsprechend behandelt. Wissenschaft ist eine kritische Methode, um zu Erkenntnissen zu gelangen und nicht eine inhaltliche Lehre! Wenn sie das aber wird, müssen alle anderen ausgegrenzt und eingeschüchtert werden, sonst würde das Publikum merken, dass da inhaltlich nichts daran ist. Und jetzt sieht man die Folgen, dass die Impfung viele unerwünschte Effekte hatte und dass es 2020 keine nennenswerte Übersterblichkeit durch das Coronavirus gab. Die kam erst 2021, als es die ganzen Massnahmen wie Lockdowns und Impfung gab. Die Massnahmen einschliesslich der Impfung haben viel grössere Schäden als das Virus verursacht.  Wenn der Diskurs, die Kritik verschwindet, wenn man nicht mehr prüft, was die Fakten sind, wenn man nicht mehr korrigieren kann, dann läuft man in eine solche Katastrophe hinein. Das weiss man eigentlich alles.

Weshalb exponiert man sich als Philosoph?

Michael Esfeld: Ein Wissenschaftsphilosoph muss Wissenschaftsansprüche immer kritisch untersuchen.  Das ist meine Pflicht. Als Forscher an einer Hochschule bin ich der Öffentlichkeit verpflichtet. Die Öffentlichkeit finanziert die Universität, damit es auch kritische Stimmen, einen breiten Diskurs und eine Aufklärung gibt.

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20 thoughts on “Wie Politik und Big Business Wissenschaftler vereinnahmen”

  1. Vielen Dank für dieses ausgezeichnete Gespräch. Das CCN hegt schon lange den Plan oder Wunsch, die Thematik “Wissenschaft und Politik” oder “Politik und Wissenschaft” aufzunehmen – bisher fehlte es uns leider an Mitteln. Aber das muss ja nicht immer so bleiben.

    1. Herzlichen Dank. Es hat grossen Spass gemacht, dieses Interview mit Prof. Esfeld für das CCN führen zu dürfen.

      1. @Calista Fischer
        Ich kann mir nicht vorstellen, wie man Spass an etwas haben kann, das im Wesentlichen sehr nachdenklich stimmen solltet!!

        1. @Nikolaus Baumann: Es ist – unabhängig von den Antworten und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen – ein Privileg und intellektuelles Vergnügen mit einem integren Menschen mit messerscharfem Verstand und Mut wie Michael Esfeld ein Gespräch führen und ihm Fragen stellen zu dürfen.

    2. An Mitteln hätte es nicht gefehlt, wenn eine solche Unterstützung nicht existenzielle Ängste hervorrufen würde. Nicht nur in den Akademien möchte niemand als Nestbeschmutzer gelten, sondern auch in der Industrie und weiteren Wirtschaftskreisen.

  2. Als pensionierter Wissenschafter habe ich mich immer gegen zu viel Einfluss durch die Politik gewehrt, Wissenschaftliche Arbeit darf nicht von States wegen gesteurt und diktiert werden. Was Michael Esfeld für das Thema Corona eingehend und für mich einleuchtend darlegt wiederholt sich nun beim Thema Globale Erwärmung. Fakten und Personen die dem ICPP nicht passen werden verdrängt. Aengste werden geschürt mit haltlosen Argumenten; die wirklichen Fakten werden der breiten Oeffentlichkeit nicht klar dargelegt. Es wäre auch bei diesem Thema dringend nötig, dass die Stimme der unabhängigen Wissenschaft voll zum Tragen kommt und dargelegt wird, dass wir bei weitem die Komplexität des Klimas nicht umfassend verstehen, die gängigen Klimamodellvorhersagen noch viele Mängel aufweisen. Mehr echte Fakten ehrlich und neutral dargelegt, bei viel weniger Politikeinmischung, sind gefragt.

    1. Lieber Herr Rüegg
      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Als Historikerin pflichte ich Ihnen bei, dass das Schüren irrationaler Ängste ein etabliertes Mittel ist, um die Bevölkerung zu steuern. Erfrischend ist daher Prof. Esfelds Haltung, dass die Wissenschaft der Öffentlichkeit und nicht dem Staat verpflichtet ist. Doch scheint gerade die Vorstellung von der Rolle und Aufgabe des Staates bei der jüngeren Generation und den Alt-68ern das eigentliche Problem zu sein, denn diese Kreise idealisieren den Staat und seinen Machtapparat. Es wird nicht mehr zwischen Staat, Recht und Gesetz unterschieden, d.h. Recht, Gesetz und Staat sind identisch. Bei diesem gedanklichen (Fehl-)Konstrukt sind dann auch politische Eingriffe in die Wissenschaft legitim. Wir haben das während der Pandemie erlebt und wir erleben es in der Klimadebatte.

  3. Michael Esfeld hat Recht: «Wenn der Staat in die Wissenschaft reinfunkt, entsteht ein Problem!»
    Das gilt genauso in der Energiepolitik, wie die von BR Leuthard gezimmerte Energiestrategie 2050 zeigt. Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke fehlen jedes Jahr 24 Mia kWh Strom. Woher sollen die kommen? Natürlich aus «erneuerbaren» Quellen: PV, Wind, Biomasse und Geothermie, insgesamt 11,4 Mia kWh. Weil das nicht reicht, ist Sparen angesagt.
    Die Vorgaben waren also in sich schon widersprüchlich. Ebenso falsch ist die Vorstellung, man könne die kontinuierlich Bandenergie produzierenden Kernkraftwerke durch fluktuierende Stromquellen wie Wind und Sonne ersetzen.
    Deshalb führte das «Energy Science Center» der ETH am 2. September 2011 eine Energietagung durch. Referenten waren die ETH-Profs. Boulouchos, Andersson und Bretschger. Sie zeigten, was es braucht, um ohne Kernenergie auszukommen. Das sei möglich, weil PV und Speicher bald fast nichts mehr kosten würden. Weil die fossilen Importe stark zurück gingen und der Import von Uran wegfalle spare man erst noch Geld. Die trotz massivem Ausbau von PV, Wind und Geothermie fehlenden fast 10 Mia kWh im Jahr sollten mit Kombi-Gaskraftwerken produziert werden.
    Das Fazit von Boulouchos: Der Plan des Bundesrats ist durchführbar, aber es braucht technische Durchbrüche, eine intelligente Verknüpfung von Angebot und Nachfrage und politische Vorgaben.
    Die Tagung verlief so wie es sich BR Leuthard gewünscht hatte „Die ETH sagt, die Energiewende funktioniere und koste fast nichts“. ETH-Präsident Eichler konnte sich auf reichlich fliessende Forschungsgelder freuen.
    Wir hatten keine Chance gegen die Aussage: Die ETH sagt, es geht.
    Jetzt erst sieht man, dass es eben doch nicht geht, sondern die Schweiz in eine Strommangellage schlittert und in Birr 8 Gasturbinen mit Notrecht erstellt werden mussten.
    Die Finanzierung der Bundesuniversität ETH muss in Frage gestellt werden.

    1. Liebe Frau Aegerter, liebe Irene
      Wenn mit Steuergeldern finanzierte Wissenschaftler zu Polit-Aktivisten werden und sich direkt im Abstimmungskampf engagieren, wie wir das im Juni erlebt haben, wird es besonders stossend. Und ja, es ist so, wie Prof. Esfeld sagt: Wenn die Politik nicht neutral ist, wird es auch die Wissenschaft nicht sein.

      Ich vermisse die alten Polit-Debatten, als sich die Exponenten der verschiedenen Richtungen – von einem ausgewogenen Moderator geführt – öffentlich diskutiert und gestritten haben und man den Stimmbürgern zutraute, dass sie sich auf dieser Basis selbst eine Meinung bilden können.

  4. “Die Massnahmen einschliesslich der Impfung haben viel grössere Schäden als das Virus verursacht.”
    Das hatte ich vorausgesagt:
    Einen Tag nach der Verkündigung des Lockdowns durch den Bundesrat am 16. März 2020 schrieb ich einen Blog-Artikel mit dem Titel “Verdrängte Risiken eine Corona-Hysterie – Divergenzen zwischen einer eng medizinischen und einer umfassend gesellschaftlichen Sichtweise”. Dort kritisierte ich zu jenem Zeitpunkt schon genau, was das Zitat oben aussagt: Die Verdrängung von Neben- und Folgeeffekten einer bestimmten Panik-Politik. Die Unfähigkeit der Politik, in Trade-offs zu denken und zu handeln. Wichtig: Schon zu jenem Zeitpunkt hatte man die statistisch-demografischen Risikodaten, um eine differenzierte Schutzpolitik zu betreiben. Und genau deshalb hiess der Titel meines zweiten Blog-Beitrags vom 20. März 2020 “Gleicher Fit für alle?”
    Alles auf volldaneben.ch nachzulesen.

    1. Gratuliere zur Weitsicht! Bei mir hat es bis April 2020 gedauert, bis ich merkte, dass da etwas nicht stimmen konnte.

      Es war und bleibt unbegreiflich, dass in einer “Science Taskforce”, auf die sich das BAG stützte, weder Vertreter der verschiedenen Wirtschaftsbranchen noch von den Volksschulen sassen, die Gesamtgesellschaft also nicht vertreten war.

    2. Genau, Hans, sie sind nicht in der Lage in Trade-offs zu denken – ökonomisch heisst das, dass sie die Opportunitätskosten ihres Tuns vernachlässigen. In der Klima- und Energiepolitik wird dieser Kapitalfehler nunmehr in extremis durchdekliniert.

      Ich setze auf Albert Rösti, der immerhin auch jahrelang durchaus aufmerksam verfolgt hat, was wir da im CCN so schreiben 😉 Und er ist mit Sicherheit in der Lage, in Opportunitäten und Opportunitätskosten zu denken.

  5. Dass staatlich geförderte Forschung dazu neigt, politisch gewünschte Ergebnisse zu erzielen, zeigt sich gerade auf vielen Gebieten (die Energiepolitik wurde in den Kommentaren schon genannt).
    Aber wäre es denn wirklich eine Lösung, diese Förderung einfach abzuschaffen? Dann muss das Geld aus anderen Quellen kommen. Und auch dann gilt unverändert, dass die Musik bestimmt, wer zahlt.

  6. Es war ein Genuss, dieses Interview zu lesen. Wie wahr! Vielen Dank. Als in der Praxis tätiger Naturwissenschaftler habe ich selber viele Prognosen gemacht, die dann in der Umsetzung verifiziert wurden. Das hilft, das Vermögen der Wissenschaft etwas besser einzuschätzen.

  7. Auch ich darf mich dem Dank dafür anschliessen, einerseits dieses in seiner Qualität bemerkenswerte Interview zu führen und andrerseits dieses auch in den CCN Blog zu stellen.
    Der von Irene Aegerter erwähnte Anlass vom 2. September 2011 sowie eine betreffend der Machbarkeit der Leuthard’schen Energiewende sehr kritischen (Auftrags-) Analyse des IWSB, welche dann von der Auftraggeberin Swisselectric unter dem Deckel gehalten wurde, hat schliesslich dazu geführt, dass das Gründungs- Team des CCN bereits 2014 eine Analyse “Energiestrategie 2050: Eine institutionelle und ökonomische Analyse” publizierte.
    Obwohl damals, anfangs 2015 u. a. an einige Politiker verteilt (vor der Debatte des Themas in den Räten), wurde das Papier totgeschwiegen.
    Das CCN- Team hat seither unzählige Blog- Beiträge, Artikel und auch Bücher publiziert,
    welche die in genannter Analyse gemachten Aussagen vertieft behandelten, nie irgend einer Verpflichtung oder dem Mainstream folgend, sondern einzig am Stand des Wissens orientiert.
    Was aus dem Interview mit Prof. Esfeld hervorgeht, konstruktive Kritik ist nicht erwünscht, kann CCN aus eigener Erfahrung bestätigen. Allerdings können wir seit etwa 1 1/2 Jahren beobachten, dass unsere Kernbotschaften auch von den Medien aufgenommen werden. Plötzlich haben es viele gewusst, dass das mit der Energiewende nicht so gehen kann wie geplant.
    Ursprüngliche Kostenversprechen sind weit daneben (über Faktor 100), die Winter- Strom-Leistungslücke ist Realität (bereits gegen 5’000 MW fehlen zeitweise), wir sind voll vom Strom-Import abhängig, usw. Genau so wie es kommen musste, man hat dies bereits vor 10 Jahren gewusst, hat weggeschaut und wollte es nicht wahrhaben. Auch CH “Wissenschaft” hat diese unselige Entwicklung mit Gefälligkeitsstudien mitgetragen.

  8. Vielen Dank für die präzise Analyse, welche leider – auch wieder – nirgens im Mainstream Eingang finden wird.

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