Kernkraft in China: Atemberaubende Serie

Sehr geehrter Herr T.

Mit Schrecken habe ich übers Wochenede festgestellt, dass eine Antwort meinerseits auf Ihre Frage von Ende September immer noch aussteht. Ich hoffe, sie mögen diese Unterlassung entschuldigen.

Zu Ihren Fragen:

  • Bei den letzten beiden Reaktoren, Blöcke 5 & 6 (Bild im Zeitungsbeitrag) der Anlage Fuqing – an der Küste in Fujian Provinz, gegenüber Taiwan gelegen -, handelt es sich um den Reaktortyp “Hualong-one”, einer chinesischen Weiterentwicklung des ursprünglichen Framatom Typs “M310” (Generation II). Beim “Hualong-one” handelt es sich um einen Druckwasser Reaktor der Generation III mit einer elektrischen Leistung von 1000 MW.
  • Bezüglich Baufrequenz von neuen Reaktoren in China kann man immer noch davon ausgehen, dass alle 1 bis 1 1/2 Monate ein neuer Block ans Netz geht. Da – wie im vorliegenden Beispiel – in China die Anlagen jeweils aus mehreren Blöcken bestehen und viele Anlagen als solche auch andauernd erweitert werden , so ergibt sich auch die (statistische) Zählweise, dass nicht die einzelnen Reaktoren, sondern die Anlagen, welche erweitert wurden, aufgezählt werden. Dies sorgt teilweise für die Verwirrung, da die Zahlen unterschiedlich sind. Ich lege Ihnen als weitere Anlagebeispiele Bilder folgender Anlagen bei:
    •  “Quinshan” an der Bucht von Hangzhou gelegen. Ich habe das Bild 2010 aufgenommen, inzwischen sind an diesem Standort m. W. 15 Reaktorblöcke in Betrieb.
    • Übersichtsplan und Bilder vom Bau der Anlage “Shidao Wan” (ganz an der Ostspitze der Halbinsel Shandong gelegen), in dieser Anlage wurde auch der erste Generation IV Reaktor gebaut, Typ HTR PM – Helium gekühlter Hochtemperatur Reaktor. Auf dem Übersichtsmodell die Anlage ganz hinten, hinter dem letzten runden Reaktorgehäuse eines AP 1000. Bild 4 zeigt den einen von zwei Dampferzeugern (Helium – Heissdampf) beim einheben (aufgenommen im Herbst 2016). Inzwischen ist die gesamte Anlage am Netz.
  • Gegenwärtig sind der Hauptanteil der Neubauten von der Generation III, hauptsächlich vom Typ AP 1000 (eine Westinghouse Entwicklung), der chinesischen Weiterentwicklung dieses Typs als CAP 1400, dem modernsten chinesischen Generation III Design, wie oben beschrieben. Auch hat China (meines Wissens 5)  Reaktoren des Französischen Typs EPR 1600 gebaut, 5 Jahre nach Flammanville,  Olkiluoto und Hinkley Point begonnen. Alle diese chinesischen EPR 1600 Einheiten sind bereits am Netz. Das Beispiel zeigt, wie Europa verlernt hat, derartige Anlagen zeit- und damit auch kostengerecht zu erstellen.
  • Neben den oben genannten Generation III Neubauten hat man inzwischen auch mit dem Serienbau von Generation IV Reaktoren begonnen, hauptsächlich Typ HTR PM jedoch inzwischen auch eine chinesische Entwicklung eines schnellen Brüters.

Ich hoffe, diese Info entspricht Ihren Erwartungen.
Mit freundlichen Grüssen
Emanuel Höhener

Hier die erwähnten Bilder:

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5 thoughts on “Kernkraft in China: Atemberaubende Serie”

  1. Herr T. fragt noch, ob es sich bei diesen neuartigen chinesischen Reaktoren um solche handelt, die nur noch wenig langlebigen radioaktiven Abfall erzeugen. Können Sie dazu etwas sagen?

  2. Die Kernfrage von Herrn Höhener war: “Ist dies eine Zwischenlösung, aber ebenso sicher und mit praktisch null langlebigem radioaktivem Abfall?”. Jetzt frage ich mich, weshalb Sie genau dies unbeantwortet lassen.

  3. Betreffend radioaktivem ‘Abfall’, etwas unbequeme Fakten
    Michael Shellenberger, Hero of the Environment, Green Book Award
    https://www.forbes.com/sites/michaelshellenberger/2018/06/19/stop-letting-your-ridiculous-fears-of-nuclear-waste-kill-the-planet/?sh=e98ab1a562e2
    Auch schwer zu verdauende Tatsachen, besonders im Wallis und Genferseegebiet, wo oben Staudämme bröckeln könnten:
    https://www.businessinsider.com/dam-safety-statistics-risk-of-death-2017-2?r=US&IR=T

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