Zur adiabatischen Luftkompression

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Klicken Sie das Bild an für die erwähnte Synthese des NFP 70.

Das Verbundprojekt „Stromspeicherung über adiabatische Luftkompression“ des NFP 70 gibt m.E. wenig Wert/Mehrwert zur Energiestrategie 2050 bzw. zur zukünftigen Versorgungssicherheit der Schweiz. Solche Speichersysteme könnten der Aufrechterhaltung der Netzstabilität dienen, welche wegen der fluktuierenden erneuerbaren Einspeisung gefährdet ist. Diese Art der Stromspeicherung ist vergleichbar mit derjenigen der Pumpspeicherwerke (PSW), d.h. es sind kurzfristige Speicher. Im Zeitpunkt der Formulierung der Energiestrategie 2050 waren div. kleinere Pumpspeichereinheiten in der Schweiz in Betrieb. In Planung/Bau waren drei grosse neue: PSW Limmern, Nant de Drance und Veytaux (Pumpleistung erhöht). Es bestand also a priori gar keine Dringlichkeit zur Forschung in Kurzfristspeichern.

In der Schweiz zeichnet sich seit längerem ein Versorgungsicherheits-Problem im Spätwinter bzw. Frühjahr ab. Bei einer Strommangellage wird der wenige vorhandene Strom nicht zum Pumpen benutzt, sondern wird direkt genutzt. Kurzfristige Speicher können deshalb praktisch nichts zur Lösung dieses Problems beitragen. Vielmehr braucht es dazu saisonale Speicher oder Bandkraftwerke, die das ganze Jahr wetterunabhängig produzieren.

Beim NFP-Projekt „Stromspeicherung über adiabatische Luftkompression“ wurde Druckluft von ca. 7 bar in einen alten Neat-Stollen hineingeblasen. Wenn Sie Folgendes googeln: https://www.eenews.ch/de/article/35183/adiabatischer-druckluftspeicher-der-gotthard-halt-dicht, können Sie Sätze lesen wie:
«Der Wärmespeicher ist von fast schon enttäuschender Einfachheit: […] So einfach das Prinzip des Wärmespeichers – Auslegung und Bau sind höchst anspruchsvoll.» 
und
«Adiabatische Druckluftspeicher versprechen Wirkungsgrade von bis zu 75%. Den ersten Druckluftspeicher dieser Art mit einem Speichervolumen von 360 MWh wollte der deutsche Energieversorger RWE im ostdeutschen Stassfurt in einem ausgedienten Salzbergwerk bauen. Im Frühjahr 2015 wurde das Projekt wegen fehlender Marktperspektiven gestoppt.»

Vor diesem Hintergrund muss man sich fragen, warum man nicht zu Beginn des Projektes mit RWE und deutschen/europäischen Forschern Kontakt aufgenommen hat, um die Chancen bzw. den Wert/Mehrwert/Nachhaltigkeit der adiabatischen Druckluftspeicher für die Energiewende bzw. die Versorgungssicherheit der Schweiz vorgängig abzuklären? Gezielte Forschung und Massnahmen für langfristige Energiestrategien sehen anders aus.

Im Synthesebericht des NFP-70 Projekts liest man Folgendes:
«Adiabatische Druckluftspeicher sind also eine effiziente, umweltverträgliche und technisch machbare Speicherlösung. Wegen der hohen Kapitalkosten sowie der unklaren wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ist allerdings ungewiss, ob sie wirtschaftlich sein können.»

Dies ist zwar eine beruhigende Feststellung, aber die Energiewende und die Klimadebatte bringt sie nicht weiter. Es wäre offenbar weit effektiver PSW zu bauen und die Forschung sein zu lassen.

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1 Kommentar

  • Dr. Johannis Nöggerath

    Das alles ist nur (adiabatische) heisse Luft. All diese Meldungen sollen die Machbarkeit der Solarenergie signalisieren und die Stimmung hochhalten. Im Endeffekt alles Seifenblasen. Es gibt keine einfache und günstige Lösung zur Speicherung saisonaler Strommengen zur nationalen Versorgung. Und: Solarstrom bleibt nur günstig, solange er von anderen subventioniert wird, und man die dazu ZWINGEND NÖTIGEN Infrastruktur kostenmässig nicht mit einrechnet. Das ganze ist und bleibt Nischenlösung.

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