Zehn Jahre „Fukushima“: Haben wir daraus gelernt?

Am 11. März 2011 ereignete sich nach einem Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami der Reaktorunfall von Fukushima. In der Schweiz wurde dieser zum Anlass genommen, die Risiken der eigenen AKW und die Wünschbarkeit eines „Atom-Ausstiegs“ in den Vordergrund zu rücken.
Fukushima

von Walter Rüegg und Hans Rentsch

Der folgende Artikel wurde für eine Zeitung verfasst, bislang aber „nur“ im Blog „volldaneben“ von Hans Rentsch aufgeschaltet. Walter Rüegg ist von der Substanz des Textes her als Hauptautor zu betrachten. Hans Rentsch hat die politische Einbettung beigesteuert, einige Ergänzungen gemacht und das Ganze redigiert.

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6 Kommentare

  • Irene Aegerter

    Es stimmt nicht, dass das Stimmvolk gegen Kernenergie ist. Innert vier Jahrzehnten hat es sich fünf Mal dafür ausgesprochen. Gemäss Voto-Analyse im Nachgang zur Energiegesetz-Abstimmung haben nur 38 Prozent der ja-Simmenden wegen des Atom-.Ausstiegs JA gestimmt! Zudem haben die Berner am 13. Februar 2011 ein neues KKW in Mühleberg befürwortet!

  • Da in der VOTO-Befragung bei den Motiven Mehrfachnennungen möglich waren, sind die 38 Prozent entsprechend zu interpretieren. Der Atomausstieg war auf Befürworterseite das wichtigste Abstimmungsmotiv. Die VOTO-Autoren schrieben dazu: „Dabei dominierten die grundsätzliche Ablehnung der Atomenergie und der Wunsch nach einem (progressiven) Atomausstieg.“

    Zudem widerlegt die abgelehnte Atomausstiegsinitiative vom November 2016 die Behauptung von Irene Aegerter. Ich zitiere aus der VOTO-Analyse:

    Nein trotz klarer Ablehnung der Atomkraft
    Die Ablehnung der Initiative kam zustande, obwohl insgesamt eine klare Mehrheit der Stimmenden gegen Atomenergie ist…. Zweifel über den von der Initiative vorgegebenen Zeitplan zum Atomausstieg führten am 27. November 2016 zu einem Nein zur Atomausstiegsinitiative. Die Gegnerinnen und Gegner der Initiative gaben dies als häufigstes Motiv für ihren Entscheid an. 82% unter ihnen stimmten dem Argument zu, der Zeitplan der Initiative sei unrealistisch und schiesse über das Ziel hinaus. Weiter spielte die Angst vor Lücken in der Stromversorgung eine Rolle für die Ablehnung. Das Nein ist dennoch bemerkenswert, weil die Atomenergie im Allgemeinen auf breite Ablehnung stösst. Insgesamt 76% der Stimmenden sagten, sie seien für eine Schweiz ohne Atomenergie. Selbst 63% der
    Nein-Stimmenden wie auch die Mehrheit der Sympathisierenden aller Parteien gaben an, sie seien gegen Atomenergie.

  • Hanspeter Vogel

    „Speicherlösungen technisch und wirtschaftlich in weiter Ferne liegen“

    Meines Erachtens ist das der springende Punkt bei der ganzen pro und contra KKW-Diskussion.
    Ein grosser Teil der Bevölkerung scheint von etwa von folgendem Szenario auszugehen:
    bis in 30 Jahren gibt es zum grössten Teil nur noch Minergiehäuser oder energetisch optimal sanierte Häuser mit Wärmepunpen und Solarzellen;
    die auf diese Weise zu viel produzierte Energie wird an Pumpspeicherwerke abgegeben;
    fehlende Energie wird von Wasserkraftwerken bezogen;
    zusätzlich benötigte Energie für Industrie und Verkehr wird durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen erzeugt und in neu zu bauenden Pumpspeicherwerken gespeichert.
    Der auf nicht widerlegbaren Zahlen beruhende Beweis der Fachwelt, dass so etwas nicht sinnvoll machbar sei, ist wahrscheinlich für die meisten Leuten zu abstrakt.
    Vielleicht käme man dann einen Schritt weiter, wenn man das oben genannte „Szenario“ im Detail durchrechnen und auf die Geographie umlegen würde.

    Diesbezüglich hatte ich einmal hemdsärmelig-ironisch geschrieben:
    „Wenn wir in der Schweiz bloss mit Erneuerbaren energieautark werden wollen, sollten wir mal die Möglichkeit durchchecken. die Sonnenhänge im Wallis zwischen Brig und Martinach bis auf die Gipfel hinauf mit Solarpanels zu bestücken und den Kubikinhalt aller Stauseen auf der andern Talseite durch massive Erhöhungen der Staumauern (führt zu 1-2 km langen Talsperren) zu vervielfachen und das ganze als saisonale Pumpspeicher zu betreiben. Reicht das nicht aus, könnte man die Schöllenen zumauern und das Urserental fluten. Aehnliches könnte man an den Sonnenhängen von Engadin/Bergell prüfen und durch die Erhöhung der Livigno- und Cancano-Staumauern auf mindestens 2000 M.ü.M. die ganze Valle di Livigno und die ganze Valle di Fraele fluten, um so zu versuchen, den im Sommer erzeugten Strom dank Pumpspeicherung in den Winter hinüber zu retten. Hierfür müssten alle Einsprachemöglichkeiten ausser Kraft gesetzt werden. Das dürfte zumindest für die Grünen kaum ein Problem sein, da aus dieser Ecke schon lange lauthals die Ausrufung des (Klima-) Notstands und damit des Notrechts gefordert wird. Bei den Berechnungen dürfte die (wahrscheinlich fossile) graue Energie für Bau, Unterhalt und Ersatz dieser gigantischen Anlagen allerdings nicht vergessen werden“.

    Jedermann weiss, das das keine Lösung wäre. Aber etwas „realistischere“ Berechnungen und Aenderungen der Landeskarte in diese Richtung könnten möglicherweise hilfreich sein, um Kosten und Nutzen (ideell und finanziell) für alle verständlich darzustellen.

  • „Vielleicht käme man dann einen Schritt weiter, wenn man das oben genannte „Szenario“ im Detail durchrechnen und auf die Geographie umlegen würde“, so Hanspeter Vogel.

    Genau.. und man würde doch annehmen, dass das BFE fast nichts anderes macht als solche Rechnungen anstellen. Doch weit gefehlt, dieses Amt sieht seine Hauptaufgabe darin, Akzeptanz für die aktuelle Politik zu schaffen. Und dafür hat Leuthard auch die Gefälligkeits“forschung“ NFP 70 und 71 sowie SCCER-CREST mit dreistelligen Millionenbeträgen ins Leben gerufen. Praktisch alle aktiven Wissenschaftler wurden eingebunden, die Skeptiker werden ausgehungert und mundtot gemacht.

    Nur, etwas beruhigend ist, dass das Scheitern der aktuellen Energiepolitik nicht durch Gefälligkeitsgutachten weggeschrieben werden kann. Es wird sich in der Praxis manifestieren… und man wird sich nicht nur an Leuthard, sondern auch an all diese Gefälligkeitswissenschaftler der ETHs und der Unis bestens erinnern. Könnte höchst peinlich werden….

    Wird höchst peinlich!

  • Hanspeter Vogel: Ein grosser Teil der Bevölkerung scheint von etwa von folgendem Szenario auszugehen…

    das wäre ja toll, dann könnte man auf einer rationalen Basis weiter diskutierten. Wahrscheinlich muss man sich das Resultat eher als Realitätsverweigerung erklären. Die grosse Mehrheit der Stimmbürger möchte, dass sich nichts ändert und dass sie sich nicht mit komplizierten Detailfragen auseinandersetzen muss.
    Aufwachen werde wir wohl erst, wenn die Deutschen ihre Kohle- und Atom-Kraftwerke abgeschaltet haben und auf Importe angewiesen sein werden.

  • Hanspeter Vogel

    „und man wird sich nicht nur an Leuthard, sondern auch an all diese Gefälligkeitswissenschaftler der ETHs und der Unis bestens erinnern. Könnte höchst peinlich werden….“
    Schön wäre es, doch mir fehlt der Glaube daran. Der Bund hat bis heute für zig (wahrscheinlich eher hunderte) Millionen Franken Gutachten in Auftrag gegeben, die bereits Makulatur waren, als sie lobend publiziert wurden
    Eines der „schönern“ Beispiele ist die Schweizerische Gesamtverkehrskonzeption, mit einem geschäftsleitenden Ausschuss von über 60 Mitgliedern, in dem alles vertreten war, was in der Verkehrspolitik der siebziger Jahre Rang und Namen hatte, einem Stab von über 40 vorwiegend akademischen Mitarbeitern, und 6 Unterarbeitsgruppen mit je rund 10 Mitgliedern. Dieses während 5 Jahren tätige Mammutgebilde befruchtete Planungsbüros und Institute zudem mit hunderten von Unteraufträgen. Am Ende der Arbeiten meinte Kommissionspräsident Nationalrat Alois Hürlimann bei der Präsentation im Parlament: „Meine Herren, das ist seit dem Rütlischwur die grossartigste Leistung“. Dann verschwand dieses Sammelsurium von Gemeinplätzen, Widersprüchen und Dummheiten für immer in der Versenkung. Bloss das BAV lässt bis heute einen Teil einer Tabelle aus jener Zeit nachführen (durch ein privates Planungsbüro): Güterverkehr über die österreichischen Uebergänge Felbertauern, Schoberpass, Wechsel und Semmering. Demgegenüber publiziert es die Zahlen des Nordeuropa-Italien-Verkehrs über Brenner und Tarvisio seit dem Ende der Aera Leuthard nicht mehr. Sonst könnte man nämlich ohne umfangreiche Recherchen feststellen, dass die teure schweizerische Verlagerungspolitik ausser Kosten nichts gebracht hat…….
    Für weitern Unsinn wird man bei Nationalfonds-Studien immer fündig. Ich mag mich noch an eine Studie über die Zukunft des Güterverkehrs erinnern, wo es mir nicht gelang, die „Crème de la crème“ der Wissenschaft von der Empfehlung abzuhalten, den (rentablen) Transit-Wagenladungsverkehr aufzugeben und sich voll auf den „zukunftsträchtigen“ (aber hoch defizitären) Kombiverkehr zu konzentrieren. Und das zur Verbesserung der Etragslage der Bahnen.

    Wenn Du die Verursacher all des oben erwähnten shits (pardon!) 1-2 Jahrzehnte später darauf ansprichst, wissen sie meist gar nicht mehr, was sie damals gesagt oder geschrieben hatten. Oder sie berufen sich auf ihre „untergeordnete Rolle“ in einem grossen Gremium oder auf die clausula rebus sic statibus.

    Nie und nimmer entwickeln sie Schuldgefühle.

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