World Energy Trilemma Index 2020: Gerade noch einmal schafft es die Schweiz auf den ersten Platz

Bei der Nachhaltigkeit und der Gesamtbewertung steht die Schweiz an erster Stelle. Bei der Versorgungssicherheit ist sie nicht einmal unter den ersten Zehn. Mit der aktuellen Energiepolitik wird sie wie Deutschland nur noch in den hinteren Rängen figurieren.
Trilemma

Von Politik und Medien kaum wahrgenommen und nicht kommentiert, figuriert die Schweiz im Ranking des World Energy Trilemma Index in der Gesamtbewertung ein weiteres Mal an erster Stelle. Was heisst das und was bedeutet es für unsere Energiepolitik?

Das World Energy Council (WEC) ist eine weltweite Organisation mit Mitgliedausschüssen in über 90 Ländern. Seine Mitglieder sind hauptsächlich große Energieproduzenten und -händler. Hinzu kommen einige Regierungsorgane, Forschungs- und Energieverbraucherorganisationen.

Seit zehn Jahren analysiert das WEC den Zustand der Energieversorgungen seiner Mitgliedsländer nach drei gleichwertig taxierten Kriterien:

  1. Versorgungssicherheit  (energy security)
  2. Erschwinglichkeit (energy equity)
  3. Nachhaltigkeit (environmental sustainability)

Es sind drei Kriterien, die klar erkennbare Zielkonflikte enthalten. Versorgungssicherheit hat ihren Preis. Sie hat wenig bis nichts mit dem Angebot an Energie zu tun. Energie gibt es im Überfluss, sei es aus fossilen, nuklearen oder erneuerbaren Ressourcen. Erschwinglichkeit bezeichnet nicht die Produktionskosten, sondern den Preis, den die Wirtschaft und die Konsumenten für Energie bezahlen müssen. Nachhaltigkeit bezieht sich auf eine umfassende Beurteilung der Umwelteinflüsse und nicht nur auf die Endlichkeit von Ressourcen. 

Dass es herausfordernd ist, die drei Kriterien unter einen Hut zu bringen ist offensichtlich. Auch wenn das für Vertreter einer präferierten Ressource, sowie je nach politischer und ideologischer Couleur, ein einfaches Unterfangen sein soll.

Das WEC analysiert, wie seine Mitgliedsländer diese Herausforderung lösen. Dieses Jahr publiziert das WEC zum zehnten Mal sein Länderranking.  Seit 2010, dem ersten Ranking, figuriert die Schweiz sechs Mal auf dem ersten, drei Mal auf dem zweiten und einmal auf dem dritten Rang. Die andern Topfavoriten sind Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Österreich. Auffallend ist, dass es sich um Länder mit einer stark ausgebauten Wasserkraft und/oder Kernkraft handelt. Es wäre aber zu kurz gegriffen, das Ranking auf diese beiden Ressourcen zu reduzieren. Jedes der 92 Länder wird ausführlich auf jedes einzelne der drei Kriterien analysiert. In der Bewertung figuriert bei der Versorgungssicherheit zum Beispiel Kanada an erster Stelle, in der Gesamtbewertung liegt Kanada aber nur an sechster Stelle. Die Schweiz schafft es bei der Versorgungssicherheit nicht einmal in die ersten Zehn! Das lässt aufhorchen. 

Die Liste der kostengünstigsten Energieversorgung wird von Luxembourg vor Qatar angeführt. Die Schweiz figuriert auf Platz neun.

Nur bei der Nachhaltigkeit steht die Schweiz an erster Stelle, gefolgt von Schweden, Norwegen und Albanien. 

Deutschland mit seiner staatlich verordneten Energiewende schafft es in keiner Kategorie in die ersten Zehn. Im Gesamtranking schafft es unser Nachbarland dann doch noch auf den siebten Platz.

Man kann von solchen Ranking Übungen halten was man will. Oftmals dienen sie nur der Bestätigung eigener Interessen. Will man sich jedoch ein differenzierteres Bild verschaffen, sollte man sich die Mühe nehmen, sich den ganzen Bericht des WEC zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich. Für Energiepolitiker und namentlich für den Präsidenten der nationalrätlichen Energiekommission sollte er Pflichtlektüre sein. Mit der aktuellen Energiepolitik wird die Schweiz bald nur noch in den hinteren Rängen figurieren, wie eben unsere nördlichen Nachbarn. 

Markus Häring
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2 Kommentare

  • Ist es in der Tat ein Trilemma? Das heisst, dass ein Parameter nur auf Kosten der anderen sich verbessern kann. Es sieht nicht so aus.
    Ist es nicht eher eine Demonstration, dass es Vorteile gegenüber Armut, Krankheit und Schmutz hat, wohlhabend, gesund und sauber zu sein? Eine Erkenntnis, die keine langwierigen Berichte erfordert. 😜

  • Mit importierter Kohle wäre auf Kosten der Umwelt eine sehr sichere und erschwingliche Stromversorgung möglich. Solar- und Windkraft sind nur günstig in der Produktion, aber teuer für den Konsumenten, und das bei geringer Versorgungssicherheit. Ja, diese Zielkonflikte existieren. Und die zweite Feststellung lautet: Wohlstand ist die beste Voraussetzung, um das Trilemma zu minimieren.

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