SRF Schweiz aktuell: Fake betreffend Nant de Drance

Wenn Nant de Drance voll leistet - mit 900 Megawatt -, dann kann es Gösgen mit 1010 Megawatt für 20 Stunden kompensieren, danach wäre das Wasser unten.
NDDRance

Folgende Mail-Serie hat uns der Physiker PD Dr. Andreas Aste zur Verfügung gestellt.

Klicken Sie bitte auf das Bild zum Abspielen des Videos.

Anfrage (via SRG-Website) von Andreas Aste
Betreff: Schweiz Aktuell vom 8.1.2020
(s. Video)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Moderator Herr Michael Weinmann hat heute in der Sendung «Schweiz aktuell» erwähnt, dass das neue Kraftwerk Nant de Drance künftig «so viel Strom wie das Atomkraftwerk Gösgen» produzieren soll. Nun finde ich auf der offiziellen Seite des Werks bei der Alpig die Information, dass das Werk eine Jahresproduktion von 2500 GWh (Gigawattstunden) aufweisen soll, während Gösgen jedes Jahr über 8000 GWh ins Stromnetz einspeist – siehe z.B.

Nant de Drance kann gemäss der Werkangaben bei Volllast (das heisst, lediglich vorübergehend) eine Leistung von 900 MW erzeugen, Gösgen läuft allerdings während 11 Monaten im Jahr normalerweise konstant bei ca. 1010 MW. Insgesamt erzeugt aber Nant de Drance künftig nur knapp einen Drittel des Stroms von Gösgen. Das kleinste Kernkraftwerk der Schweiz, Mühleberg, produzierte jährlich etwa 3000 GWh.

Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mir die Quelle Ihrer Informationen nennen könnten. Es wäre mir sehr daran gelegen, dass im Rahmen der Energiestrategie die Medien ihre Verantwortung wahrnehmen und präzise und unmissverständlich berichten! Tatsächlich basieren viele Zukunftsszenarien europäischer Staaten bezüglich der Stromversorgung auf Importstrategien. Gerade im Winter, wo künftig ein merklich grösserer Strombedarf z.B. durch Wärmepumpen anfallen wird und Dunkel- und Windflauten eintreten können, könnte die Versorgungssituation aber kritisch werden. Zudem gehen bis 2022 mehrere deutsche Kernkraftwerke vom Netz, Kohlekraftwerke mit bedeutend grösseren Leistungen als Nant de Drance werden folgen. Ein grossflächiger Stromausfall im europäischen Verbundnetz könnte zu einer humanitären Katastrophe führen, welche die Corona-Pandemie bezüglich der Auswirkungen völlig in den Schatten stellen würde.

Mit besten Grüssen, Andreas Aste


Von: SRF Kundendienst
Gesendet: Montag, 18. Januar 2021
An: Andreas Aste

Sehr geehrter Herr Aste

Besten Dank für Ihren Hinweis.

Wir erhalten aufgrund der aktuellen Covid-19-Entwicklungen in der Schweiz so viele Rückmeldungen, Fragen und Meinungen aus dem Publikum, dass wir sie nur mit grosser Verzögerung beantworten können. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Wir haben beim Autor des Beitrags nachgefragt. Hier seine Antwort: „Da ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen. In meinem Moderationsvorschlag habe ich geschrieben, dass die Leistung von «Nant de Drance» in etwa derjenigen des Kernkraftwerks Gösgen entspricht – siehe Das Kraftwerk – Nant de Drance (nant-de-drance.ch).

In der definitiven Moderation wurde daraus dann irrtümlich die Info, dass Nant de Drance künftig soviel Strom produzieren werde wie Gösgen. Nur ist Leistung natürlich nicht gleichzusetzen mit Produktionsmenge. In diesem Sinne hat Herr Aste natürlich recht. Die Aussage stimmt so nicht.“

Für den Fehler bitten wir um Entschuldigung.

Freundliche Grüsse, Helene Walser, Kundendienst


Von: Andreas Aste
Gesendet: Montag, 18. Januar 2021
An: SRF Kundendienst

Sehr geehrte Frau Walser,

es ist so, dass Nant de Drance nicht eigentlich der Stromproduktion (Strom im Sinne von Energie) dient, sondern Strom (mit Verlusten) speichert, der woanders produziert wird. So gibt Nant de Drance pro Jahr lediglich etwa 30% der Energie ans Netz zurück, welche das Kernkraftwerk Gösgen tatsächlich einspeist.

Wenn Nant de Drance voll leistet – mit 900 Megawatt -, dann kann es Gösgen mit 1010 Megawatt für 20 Stunden kompensieren, danach wäre das Wasser unten.

Grotesker kann man Fakten kaum deformieren, als dies im vorliegenden Fall geschehen ist!

Wäre das SRF nicht daran interessiert, im Vorfeld Fachleute zu solchen Fragen zu kontaktieren? Eine Entschuldigung habe ich ja nicht verlangt, diese sollten eher die Zuschauer von SRF erhalten. Oder die über 500 Mitarbeiter des Kernkraftwerks Gösgen, deren tatsächliche Leistung geschmälert wird und von welchen Motivation und einwandfreie Arbeit verlangt wird.

Gibt es keine Sorgfaltspflicht für das Schweizer Fernsehen?

Wenn es Ihnen möglich wäre, mir den Namen des Autors zu nennen, dann würde ich diesen in Energiefragen gerne künftig unterstützen.

Die Speicherkapazität von Nant de Drance beträgt 0.02TWh. Für eine erfolgreiche Energiewende sind bestenfalls hunderte Speicher der Kapazität von Nant de Drance (NDD) nötig. 1 NDD = 2 Mia. Franken Baukosten: Siehe

https://afry.com/de-ch/newsroom/news/pumpspeicherkraftwerk-nant-de-drance-wasserwege-gefullt-erste-drehungen-der

Speicher wie NDD oder künftige gigantische Batteriefarmen mit allen ökologischen und ökonomischen Folgen sind keine Energieproduzenten, sondern eine neue, bislang unnötige Folge der Energiewende mit unzuverlässiger Stromeinspeisung durch Sonne und Wind.

Mit besten Grüssen, PD Dr. Andreas Aste

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4 Kommentare

  • Nant de Dranse doit tout d’abord consommer environ 20 000 MW (en environ 22 h) pour ensuite pouvoir restituer 18 000 MWh (en 20 h à 900 MW). Il y a des pertes à chaque transformation.
    Comme il faut réserver la moitié du temps pour pomper et remplir le lac d’accumulation avant de livrer du courant pour l’autre moitié du temps, il faudra donc après 20 h de production à 100% attendre 22 h pour pouvoir recommencer.
    Le cycle est donc de 42 heures, pas 20.
    Et il y a des jours où ça s’évapore… surtout les investissements.

  • Besten Dank, Dr. Aste. Hoffentlich noch mehr solche wake-up calls.

    Unglaublich, was da abgeht, die Fake News, verbreitet von unserem Service Public, die sträfliche Lückeninformation, allgemein, in unseren Medien, von der Politik. Siehe weiter unten: Stillschweigen sogar von unserer Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich, wenn es um die überlebensnotwendige Versorgungssicherheit der Schweiz mit Strom geht.

    Warten auf den Blackout? Auf den ultimativen, kompletten Lockdown? Anscheinend wird alles auf dem Altar der utopischen Energiewende, der ideologischen Borniertheit, dem Energiebeschiss 2050 geopfert. Es ist schon zum zornig werden – dieser verantwortungslose, ja menschenverachtende Schlendrian unserer Entscheidungsträger.

    Man will einfach nicht zugeben, dass man sich hoffnungslos verheddert hat.

    Zur Information, ich warte immer noch auf die Antwort (Auszug):

    quote
    ElCom-Forum 2019
    12/11/2019 – 10:11
    Von: elcom.admin.ch
    Sehr geehrter Herr Plüss
    Danke für Ihre Mail. Ihre Anfrage ist in Bearbeitung – Sie erhalten in Kürze eine Antwort.
    Freundliche Grüsse
    Simon Witschi

    ElCom-Forum 2019
    01/11/2019 – 21:35
    An: simon.witschi@elcom.admin.ch

    Ich beobachte seit einiger Zeit mit Sorge eine ‚ohrenbetäubende Stille‘ der Politik, wenn es um die sichere Versorgung der Schweiz mit Strom – vor allem im Winter – geht.

    Total übertönt vom Klimawandel-Getöse und der anscheinend immanenten CO2 Apokalypse, hört man wenig, was dringend gemacht werden muss, um uns von der latenten Import-Erpressbarkeit zu befreien und von einem europaweiten Strommangel schützen zu können. Gemäss meinen Informationen importieren wir in strengen Winternächten kontinuierlich eine Leistung von netto bis zu 4 GW, also etwa zwei Grande-Dixence voll am Netz.

    Sollte nicht hier der Strom-‚Notstand‘ ausgerufen, die wirtschaftliche Landesverteidigung mit Volldampf geplant werden, damit wir schnellstens in die nötigen Produktionskapazitäten – und zwar in Grande-Dixence Dimensionen, keine Wind/Sonne Bastelei – investieren und nicht warten, bis es zum Verteilungskampf kommt?
    unquote

    Nachtrag: am 15.1.2021 um 03.40 war die Schweiz mit 3240 MW netto Import oder fast sieben KKW Mühleberg (R.I.P.)-Äquivalenten überwiegend von deutschem Kohlestrom abhängig. Wie das so läuft mit der Energietraumwandlerei, gibt’s live Info hier https://tinyurl.com/y5psvzur

  • Danke für das Nachbohren, Herr Aste. Hat es insofern genutzt, als die angekündigte Sendung dann in diesem Punkt richtig verlief? Haben Sie den Namen des zuständigen Redaktors erfahren?

  • Philippe Huber

    Das ist nicht neu, die wenigsten scheinen den Unterschied zwischen Energie und Leistung zu kennen und die Meisten verwechseln ständig kW mit kWh.
    Bei der Stromversorgung ist es effektiv verehrend, weil ohne Leistung keine Energie, da der Strom ständig gemäss der Nachfrage sofort bereitgestellt werden muss. Das ist wie auf dem Fahrrad, wer nicht trampt, stürzt ab. So einfach ist es, und trotzdem wird es immer wieder vergessen, vor allem von den Befürwortern der PV …

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