Mit dem CO2-Gesetz das Klima retten?

Mit der Gestaltung einer lebenswerten Umwelt, die wir unseren Nachkommen gönnen möchten, hat das Gesetz nichts zu tun. v
Fruehjahrswald

Kohlendioxid (CO2) ist das harmloseste aller Endprodukte menschlicher Aktivität.

Dass sich das Klima seit dem vorletzten Jahrhundert erwärmt ist eine Tatsache, die praktisch alle zur Kenntnis genommen haben. Trotzdem lesen wir andauernd in den Medien Schlagzeilen wie «Wärmstes Jahr seit…» und Ähnliches. Was ist deren Informationsgehalt? «Noch nie gab es so viele Menschen auf der Erde wie heute», wäre eine vergleichbare Schlagzeile, doch eine solche erscheint nie. Die Weltbevölkerung ist auch eine kontinuierlich steigende Kurve, vermutlich mit grösseren Konsequenzen. 

Gerade aufgrund dieser nie erscheinenden Schlagzeile wird weltweit laufend mehr Energie gebraucht – Energie, die zu 85 Prozent mit fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas (in dieser Reihenfolge) ist nicht die alleinige, aber die hauptsächliche Ursache der übernatürlichen Zunahme von CO2 in der Atmosphäre. Das ist messbar und auch keine Neuerkenntnis. 

Dass zwischen der CO2-Zunahme und der Klimaerwärmung ein Zusammenhang besteht, ist ebenfalls kaum bestritten, bietet aber bereits Diskussionsstoff. Denn so einfach, wie Klimaaktivisten das haben wollen, ist es leider nicht. Es geht bei dieser Diskussion nämlich gar nicht um das Ob, sondern um das Wieviel. Bis heute ist offen, ob eine Verdoppelung der CO2-Konzentration zu einer Erwärmung von 1.5 Grad oder 4.5 Grad führt. Nota bene: Eine Verdoppelung der CO2-Konzentration von heute 412 auf 824 ppm ist mit dem gegenwärtigen Trend des Verbrauchs fossiler Brennstoffe unwahrscheinlich. 

Diese Kenntnis ist zum Abschätzen der Wirkung von CO2-Reduktionsmassnahmen unerlässlich. Wer skeptisch danach fragt, wird gleich in eine Leugner Ecke gestellt. Das verhindert eine sachbezogene Lösungsfindung. Nicht einmal Bjørn Lomborg, der die Folgen und Kosten des Klimawandels nie in Frage stellte, sondern wissenschaftlich untersucht, wie man darauf am wirkungsvollsten reagieren sollte, ist davor gefeit. In seinem neusten Buch «False Alarm» kommt er zum Schluss, dass die vom IPCC geforderten Reduktionmassnahmen nicht nur unverhältnismässig teuer sind, sondern der Umwelt und der Weltgemeinschaft mehr Schaden als Nutzen zufügen und auf das Klima kaum eine messbare Wirkung haben. 

Dabei spricht überhaupt nichts gegen eine möglichst zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen. Die starke Abhängigkeit von Öl und Gas ist weder nachhaltig noch erstrebenswert. Ich engagiere mich seit bald dreissig Jahren für die Substitution endlicher Ressourcen. Als Geologe liegen meine Kenntnisse in der Erschliessung von Erdöl, Erdgas und Erdwärme, sowie auch in der Einlagerung von CO2 und radioaktiven Abfällen. Mein längstes Engagement widmete ich der Nutzung von Erdwärme. Geothermie kann im Wärmebereich ganz direkt Heizöl substituieren. Ihr Potential zur Strom­produktion erachte ich nach eigener Erfahrung – insbesondere in  der Schweiz – als limitiert. 

Was den Geologen fasziniert ist, wie sich die Erde von allen anderen Planeten abhebt. Das verdankt sie der Existenz von Leben. Leben das auf dem Grundstoff Kohlendioxid aufbaut. In den Anfängen lag das Gas in tausendfach höher Konzentration vor als heute und erst in der allerjüngsten Erdgeschichte, in welcher auch der Mensch erscheint, erreichte die Konzentration Tiefstände unter 1000 ppm (parts per million). Für vier Fünftel aller Organismen, den Pflanzen, ist CO2 das Grundnahrungsmittel, und die restlichen Organismen, auch wir, leben von den Pflanzen. Ein unverzichtbares Gas und Lebenselixier als Schadstoff zu bezeichnen, ist ungeheuerlich. CO2 hat einen Treibhauseffekt, war aber in der ganzen Erdgeschichte nie klimabestimmend.

Das ist weder ein Plädoyer noch eine Rechtfertigung gegen die Abkehr von den Fossilen, nur ein Plädoyer gegen illusorische Wirkungen einer Massnahme. Kohle und Erdöl spielen bei der Gewässer-, Luft- und Bodenverschmutzung eine unrühmliche Rolle. Für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt ist es zwingend, Energiequellen zu entwickeln, die nicht einfach weniger CO2produzieren, sondern auch andere natürliche Ressourcen schonen. Wind- und Solarenergie haben das Potential, einen Beitrag zu leisten, aber sie sind nicht schonend für die Ressource Landschaft. Auch die Speicherung in chemischen Batterien ist alles andere als ressourcenschonend. Es wäre allerdings eine Illusion, eine Null-belastende Energiequelle zu finden. Selbst Wasserkraftwerke verlangen einen Eingriff in die Natur, den grüne Kreise tatsächlich auch in vielen Fällen verhindern wollen. Ob Kernkraft Teil der Lösung ist, muss unbedingt offengehalten werden. Nach meiner persönlichen Einschätzung liegt dort das grösste Potential den Energiebedarf einer 10 Milliarden-Welt zu decken und die Umwelt am wenigsten zu belasten. 

Bestimmt nicht zielführend ist die unverhältnismässige Begünstigung von Technologien, die ausschliesslich auf eine CO2-Reduktion fokussieren und zu einer Materialschlacht ausarten. Das vorliegende CO2-Gesetz blendet sämtliche Nebenwirkungen, wie Ressourcen- und Landverschleiss aus. Es ist abzulehnen, weil der Staat nicht fähig ist den Pfad der Innovation zu bestimmen. Planwirtschaft lief schon immer schief. Die Wirtschaftsverbände unterstützen das Gesetz nur, weil es ihnen gelang die Industrie explizit von den Abgaben zu befreien und weil sie aus dem neugeschaffenen Geldtopf Subventionen erhoffen. Mit der Gestaltung einer lebenswerten Umwelt, die wir unseren Nachkommen gönnen möchten, hat das Gesetz nichts zu tun. 

Häring Markus
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7 Kommentare

  • Ich möchte für einmal den ausgezeichneten Kommentar von Franz-J. Schulte-Wermeling lobend hervorherben. 100% einverstanden.

  • Franz-J. Schulte-Wermeling

    Zur Herstellung und Installation sämtlicher Energiegewinnungsanlagen (Hydro, Nuklear, Fossil, Solar, Wind etc.) wird «graue» Energie benötigt. Um den Flatterstrom, welcher von den neuen Erneuerbaren gewonnen wird, in Laufstrom umzuwandeln, braucht es zusätzlich Speicher (Pumpspeicher, Batterien, P2G etc.), deren Herstellung und Installation ebenfalls «graue» Energie benötigt. Man sollte also nur solche Energiegewinnungssysteme erstellen und installieren, welche während ihrer Lebensdauer mehr Strom produzieren als zur Herstellung und Installation dieser Anlagen verbraucht wird. Die Förderung der Erneuerbaren sollte sich also auf diejenigen Anlagen beschränken, welche einen hinreichenden Erntefaktor nachweisen (!) können. Hinzu kommt, dass sämtliche Stromnetze dieser Welt heute und in absehbarer Zukunft einen hohen Anteil an Fossilstrom enthalten, weshalb die graue Energie zur Förderung der Klimaziele nur in Form von Fossilstrom (=Grenzstrom, welchen man sparen will) verfügbar ist.
    Weil die durch CO2-Emissionen mutmasslich verursachte Klimaerwärmung nicht nur von der CO2-Menge, sondern auch vom Zeitpunkt der Emission abhängt, bewirkt die Herstellung und Installation von Energiegewinnungsanlagen mit unzureichendem Erntefaktor sofort bis 2050 und darüber hinaus eine stärkere (irreversible) Klimaerwärmung als der Verzicht auf diesen Unfug: Fossile Energieträger sind Bodenschätze, welche wir nicht weiterhin verschwenden sollten.

  • Philippe Huber

    Es ist nicht das Ziel mit dem neuen CO2-Gesetz das Klima zu retten! Diesen Anspruch hat es nicht, sondern diejenige zu belohnen, die weniger CO2 Ausstoss verursachen möchten und von den anderen, die es nicht wollen oder es gleichgültig ist, einen finanzielle Beitrag für Massnahmen zur Reduktion der CO2 Emissionen abzuholen. Jeder hat also die Wahl, was ist so verkehrt dabei? Klar ist CO2 lebenswichtig für das Wachstum von Pflanzen und für den Wald und zur Dinosaurierzeit war das Klima auf der Erde einiges wärmer als heute. Aber wollen wir wirklich 100 Millionen Jahren zurück?

  • Ferruccio Ferroni

    ……….Das vorliegende CO2-Gesetz blendet sämtliche Nebenwirkungen, wie Ressourcen- and Landverschleiss aus

    Die Fläche der Lagerstätte, in denen die nötigen Rohstoffe für den «Green Deal» sich befinden, beträgt gemäss Artikel «Renewable energy production will exacerbate mining threads to biodiversity» (Nature communications -2020) 41 Millionen Quadratkilometer !! . Die EU-Fläche ist rund 10-mal kleiner. Ich werde über das neuste Buch «Energia verde? Prepariamoci a scavare» von Giovanni Brussato nächstens referieren. Auch hier gilt, meiner Meinung nach, “mission impossible”.

  • Abstimmung 13.6.2021 NEIN ZUM emotionalen CO2 Gesetz

    MIT GELD SOLL DAS CO2 ABGEBAUT WERDEN, WIE?
    GENÜGT UNSER ELEKTRO STROM ALS ERSATZ FÜR CO2?
    9556000 Tonnen Ölprodukte verbrauchte die Schweiz 2018. Wo und wieviel davon müsste ungefähr ersetzt werden um Null CO2 zu erreichen? Gemäss Gesetz werden die Ölprodukte bei der Einfuhr besteuert, dann werden die Kosten nach unten verteilt, wo die Ölheizung gegen Elektro Wärmepumpe getauscht und auf eMobil gewechselt wird usw.

    Das CO2 Gesetz 13.6.2021 möchte bis 2030 den CO2-Ausstoss weiter senken, durch Abbau von Erdöl, Heizöl, Diesel, Benzin, Gas usw. Der Rest soll bis 2050 abgebaut werden, gemäss Energiegesetz 2017.
    👉Aber gleichzeitig steigt der elektrische Leistungsbedarf für Ersatz von CO2, Gas, Erdöl und für Wärmepumpen, eMobilität, Wasserstoff, Speicherung, Bevölkerungszuwachs, Digitalisierung usw.
    Meine Kurzfassung basiert auf den genannten Gesetzen.

  • Hanspeter Vogel

    Klar, ausgewogen, widerspruchsfrei und trotzdem engagiert: ein echter Häring! Besten Dank!
    Besonderes Balsam für meine Seele sind die Absätze 5 und 7. Bezüglich Eingriffe in die Natur bin ich allerdings etwas grosszügiger: ich bin im Laufe meines Lebens mehrere 1000 km durch den Alpenraum gewandert, habe mich aber noch nie an einer Staumauer oder an einem halb leeren Stausee gestört. Dasselbe gilt für Uebertragungsleitungen, Lawinenbauten und Eoliennes (letztere zwar eher in Andalusien).

    Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag nicht bloss im CCN-Blog publiziert wird, wo sich ohnehin die meisten einig sind, sondern auch in der «Höhle desw Löwen».

  • Gemäss NZZ vom 26. April 2021, S.6, bringt das CO2-Gesetz den Bewohnern ländlicher Gebiete viele Vorteile: «In Obwalden und Uri verzichten gar 60 Prozent der Haushalte auf Öl und Gas, was vor allem auf die starke Verbreitung von Holzheizungen zurückgeht.»
    Mit anderen Worten, das CO2-Gesetz subventioniert Holzheizungen. Macht das Sinn?
    CO2-Ausstoss [g/MJ] für Erdgas 56,4, für Heizöl Extraleicht 73,7, für Holz 92,O

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