Mehr Markt statt Agrar-Initiativen

Besser als die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative wären ein schrittweiser Abbau von Grenzschutz und Marktstützungen sowie die strikte Bindung von Direktzahlungen an konkrete gemeinwirtschaftliche Leistungen.
düngen

Volksabstimmungen vom 13. Juni: Viel zu enge Debatte

Zur masslosen Pestizid-Initiative und zur Trinkwasser-Initiative gibt es auch eine grundsätzliche Alternative, die konträr zum Status-Quo ist, den die Agrarier mit ihrem Widerstand gegen die beiden Initiativen verteidigen: Die Liberalisierung und Entstaatlichung des Agrarsektors. Dies würde auch dazu beitragen, den Umweltzielen des Agrarartikels 104BV gerecht zu werden. Die Argumente dazu finden sich bereits in ausführlicher Form in der Avenir-Suisse-Publikation „Der befreite Bauer. Anstösse für den agrarpolitischen Richtungswechsel“ (NZZ Libro, 2006).

Man kann nicht sagen, dass in den 15 Jahren seit Erscheinen der Avenir-Suisse-Publikation auch nur im Ansatz ein agrarpolitischer Richtungswechsel stattgefunden hätte. Die Agrarprotektionisten haben noch Zulauf erhalten. Die grüne Moralisierung der Aussenhandelspolitik verhindert zunehmend Freihandelsabkommen mit Agrar-Exportländern, was die Bauern-Lobby natürlich erfreut.

Meinen heutigen NZZ-Gastkommentar zu den Agrar-Initiativen finden Sie unten oder im Format der NZZ-Papierausgabe in meinem Blog «voll daneben».

Agrarpolitik_-Markt-bringt-mehr-Oekologie-als-Agrarinitiativen

Rentsch Hans
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6 Kommentare

  • Und gute Weine bekommt man ohne Bordeaux Brühe nicht, weil dann die Trauben fehlen.

  • Ja, Hanspeter, die Schlagkraft des Ritters mit dem SBV-Wappen erstaunt mich auch immer wieder – und ärgert mich auch oft.

    Als Koch in unserem Haushalt und Chefeinkäufer sehe ich schon ein Potenzial für gute und teure Produkte. Bei vielen Bioprodukten traut man aber der Bio-Sache (Zertifikate) nicht so recht und spürbare Qualitätsunterschiede bedingen einer gewissen kognitiven Dissonanz (der Glaube an das Gute zählt fast mehr als die Messung der Güte… ;-)).

    Synthetische Pestizide sind übrigens nicht gefährlicher als natürliche. Bei Düngemitteln ist es auch so. Verbote sind hier fehl am Platz.

  • Hanspeter Vogel

    Dass der Unmut gegen die mit gesundem Menschenverstand kaum mehr nachvollziehbaren Ritter-Turniere in Landwirtschaftskommissionen und Parlament zunimmt, erstaunt mich eigentlich nicht.
    Eine andere Frage ist die, ob eine voll auf Bio setzende Produktion von» Luxusprodukten» im Hochpreissegment bei begüterten und verunsicherten Kunden im In- und insbesondere Ausland einen rentablen Markt finden könnte, selbstverständlich gepusht durch entsprechende Marketing-Kampagnen (das beste vom besten: tasty organic food from the unspoilt top of Europe, cent pour cent pur, cent pour cent sain……..)

  • Soll ich also Ja oder Nein stimmen? Oder Ja und Nein? Der Beitrag hilft mir bei der Entscheidung nicht. (Gut, ich habe mich selber schon lange für 2 Mal Nein entschieden.)

    Die Bindung von Direktzahlungen an gemeinwirtschaftliche Leistungen kann man ins Auge fassen, wenn man sich über diese Leistungen einig wird (Landschaftspflege? Urbarhaltung von Flächen, die der Markt verganden liesse? Produktion von nicht-lukrativen Lebensmitteln, welche die Schweiz wünscht, der Markt aber nicht liefert? … oder was?). Nicht dazu gehört aber umweltfreundliches Verhalten. Es ist falsch und ineffizient, umweltschonendes Verhalten zu bezuschussen. Wenn schon, muss umweltschädigendes Verhalten besteuert oder verboten werden.

  • Wenn ich den Autor richtig interpretiere, hätte die Annahme der Trinkwasserinitiative die positive Folge, dass die Schweizer Landwirtschaft zu einem völlig anderen Geschäftsmodell gezwungen würde. Wird er für sie stimmen?
    Was dieses Modell bieten und erfordern würde, ist jedoch nicht klar, weder in Bezug auf die «frei werdenden Hektaren» und deren Pflege, noch in Bezug auf die gemeinwirtschaftlichen Leistungen, die die Landwirte erbringen müssten, noch für die Familien, die derzeit von der Landwirtschaft leben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der «Markt» keine Rolle mehr spielen würde.
    Das einzige Land, dem eine radikale Umstellung seiner Landwirtschaft gelungen ist, ist Neuseeland. Dies wurde nicht dadurch erreicht, dass man auf Pflanzenschutzmitteln (auch Pestizide genannt) verzichtete.
    Die NZZ hätte einen relevanteren Artikel veröffentlichen können, was sie aber ablehnte, wer weiss warum.

  • Franz-J. Schulte-Wermeling

    Die ETH hat einen «Zukunftsblog», auf welchem für das CO2-Gesetz geworben wird.
    Mutiert der CCN – Blog nun zum «Kuhzunftsblog»?

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