Kurven, die in den Untergang führen

Klimamodelle sind wie Pandemie-Modelle menschliche Konstrukte oder gar politische Manipulation. Aus dem Desaster muss man für die Klimapolitik lernen.
Kurve

Klimaforscher wie auch Ökonomen sind bekannt dafür, dass sie die Welt gerne in vereinfachten Modellen darzustellen und zu erklären versuchen; aber jetzt wird die Szene dramatisch durch die Epidemiologen aufgemischt. Die Virenforscher haben im März und April einmalige Gelegenheiten für ihre Auftritte genutzt, um den Leuten Pandemie zu erklären und Regierungen zu lenken. Was die Ökonomen in der Wirtschaftspolitik seit Jahrzehnten versuchen und die Klimaforscher seit den neunziger Jahren praktizieren, haben jetzt die Epidemiologen in ganz grossem Stil und mit totaler medialer Präsenz geschafft: die hochspezialisierte, aber eindimensionale Wissenschaft zu missbrauchen, um politische Entscheide zu dirigieren. Mit ihren Modellen, Kurven und Untergangsprognosen, gemäss denen in der Schweiz bis zu 100 000 Tote zu befürchten seien, bewogen sie den Bundesrat zu grenzenlosen Staatseingriffen und einem Shutdown, der über Jahre hinaus existenzielle Schäden verursachen wird.

Schnell und radikal entlarvt

Alle drei Berufsgattungen arbeiten eigentlich nach ähnlichen Grundsätzen: Die Wissenschaftler zwängen komplexe Zusammenhänge und Entwicklungen in vereinfachte mathematische Modelle und leiten daraus Prognosen ab. Das ist ehrgeizig, aber legitim. Werden diese Modelle expertokratisch eingesetzt, sollten sie unabhängig überprüft und demokratisch diskutiert werden. Die Ökonomen sind aus Erfahrung vorsichtiger geworden, weil sie einerseits die hohen Ungewissheiten nicht linearer Modelle und andererseits die ideologischen Schlagseiten der Modellannahmen nicht verbergen können, so dass ihre Prognosen weder als sicher noch als wertneutral gelten. Die Klimawissenschaftler haben ihre angeblich naturwissenschaftlich basierten Modelle wirkungsvoller auf politisches Verkaufen und mediale Propaganda getrimmt.

Für Klimatologen der Uno ist die Reduktion des CO2-Ausstosses die alles entscheidende Zielgrösse, um die Welt zu retten und zu regieren. So fabrizieren sie methodisch wacklige, aber politisch korrekte Klimamodelle, die auf Jahrzehnte hinaus exakt vorschreiben, wie viel man bis zum Jahr 2050 an CO2-Emissionen reduzieren muss, wenn man die Erderwärmung bis 2100 unter 1,5 oder 2 Grad halten will. Eigentlich ist klar, dass solche Panikprognosen wissenschaftlich unhaltbar und die extrem komplexen Wirkungs-zusammenhänge völlig unsicher sind. Aber mit dem CO2-Dogma haben es die Klimatologen immerhin geschafft, in der Politik die sogenannte Energiewende voranzubringen – ohne Rücksicht auf Verirrungen und Schäden durch Planwirtschaft.

Die Virusexperten treten ebenfalls mit Panikmodellen auf, die statt mit CO2 mit Todesfällen argumentieren. Es gibt zwei fundamentale Unterschiede. Erstens gelten ihre unsicheren Modellprognosen nicht für das Jahr 2050 oder 2100, sondern für die nächsten Wochen, und deshalb werden ihre krassen Prognosefehler schnell und radikal entlarvt. Zweitens sind die Wohlstandsverluste als Folge der durch die Modelle provozierten Massnahmen für die breite Bevölkerung direkt spürbar. Die wirtschaftlichen Schäden der Corona-Diktatur haben schon ein kritisches Umdenken bewirkt. Nun stellt sich die Frage, wie rasch die Leute in der Klimafrage ähnliche Überlegungen anstellen werden.

Im schlimmeren Fall kann die Verbindung von Klima- mit Corona-Politik die Schweiz definitiv in eine Planwirtschafts- und Schuldenkrise führen, die uns und unsere Kinder und Enkel ökonomisch und sozial um mindestens eine Generation zurückwerfen könnte. Die Erfolge der Schuldenbremse der letzten zwanzig Jahre haben wir in zwei Monaten bereits verbrannt Im besseren Fall aber wird das Volk aus dem Corona-Desaster lernen, dass eine Energiepolitik mit unsinnigen Klimamodellen für den Planungshorizont 2050 genauso eine unverantwortliche Anmassung von Wissen ist, die den Wohlstand untergräbt und einen Haufen gescheiterter Fehlinvestitionen mit Schuldenbergen hinterlassen wird.

Dieser Beitrag ist in der «Weltwoche»  vom 28. Mai 2020 erschienen.

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2 Kommentare

  • Louis Odermatt

    Absolut richtiger Ansatz von Prof. Borner. Die Klimaverunsicherten sollten sich mal folgende Plausibilitätsabwägung vor Augen führen:

    (A) Wenn nun die relativ einfachen virologischen Epidemiecomputermodelle, die viel weniger Parameter und physikalische Beziehungen (Differentialgleichungen) beinhalten – schon bei der Prognose für Wochen, derart falsche Ergebnisse lieferten, wie wir das nun erleben durften, was kann demgegenüber dann der „Richtigkeitsgrad“ klimatischer Prognosen sein?

    (B) Unsere „Klimaforscher“ ( wie bsp.weise Prof. Knutti/ETH) modellieren chaotisch-instabile, nichtlineare Zustände rund um den Erdball, mit Messdaten aus einer kleinen ungleichmässig verteilten Anzahl von Messstationen in der Welt ( seit max.100 Jahren einigermassen genau). Sie erstellen Modelle, die auf justierten, homogenisierten ( bös gesagt: manipulierten) Rohdaten beruhen, nur teilweise verstandenen Phänomenen und unter der unbewiesenen Zugrundelegung von 2 Hypothesen:

    (1) einer linearen, mechanistischen Abhängigkeit der globalen „mittleren(?)“ Temperatur vom mensch-erhöhten CO2-Gehalts der Atmosphäre
    (2) ergo: eines vom Menschen verursachten Ungleichgewichts von Wärme-Ein- und Abstrahlung auf der Welt.

    Resumé: Diese Klimamodelle weichen seit Jahrzehnten markant von den gemessenen und (vielfach adjustierten) „mittleren“ Welt Temperaturverlauf ab. Die sich dabei ergebenden Unsicherheiten werden nur durch willkürliche Parameteranpassungen ( „parmeter tuning“) einigermassen unter Kontrolle gehalten. Mittels dieser Modelle wird die Modell- Welt – Temperatur-Kurve „gradgenau“ bis für das Jahr 2100 prognostiziert. Die dabei auftretende Totalbreite aus Unsicherheiten aller Art ist also enorm. Der Mittelwert ( T-Kurve) verliert also jede Bedeutung.

    Jetzt nochmal zur Plausibilitätsfrage: Die Modellierungs-Alarmisten beim Thema Corona lagen schon bei relativ einfacher Realität &Modell und kleinen Prognosezeiten grandios daneben.

    PREISFRAGE: Was halten Sie nun von den Modellergebnissen einer superkomplexen Realität (Weltklima) und Prognosezeiträumen über fast ein Jahrhundert?
    Die Antwort ist nicht so schwer.

    Man kann nun besser verstehen, weshalb es so wahnwitzig ist, auf dieser inexistenten Basis politische Entscheide von der Tragweite einer Energiestrategie 2050 zu fällen.

  • Die Modellierungs-Alarmisten konstruieren Kurven, die mit grosser Unsicherheit in den Untergang führen, und auf dieser Basis ergreifen die Politiker Massnahmen, die schon fast mit Sicherheit in den Untergang führen. Es wird vermutlich nicht zum Untergang kommen, denn die Politiker werden früher oder später zur Korrektur gezwungen sein, aber wir werden einen enormen Scherbenhaufen gestrandeter Investitionen (Fehlinvestitionen) vor uns haben.

    Zum Glück hinken wir bei der Umsetzung der fatalen Energiepolitik Doris Leuthards weit zurück, was den späteren Scherbenhaufen in Grenzen halten kann. Bei Covid wurden leider die fatalen Massnahmen schon grösstenteils realisiert. Und erst jetzt rollt in der Tat eine zweite Welle an: die Pleitewelle.

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