Kernenergie – Chancen und Risiken

Ein unverzichtbarer Beitrag zur Versachlichung einer hochaktuellen Zeitfrage.
Kernenergie

von Prof. Hansruedi Völkle*

Buchrezension

Die menschliche Existenz beruht auf dem Gebrauch des Feuers. Der Erfolg der heutigen Zivilisation gründet auf Feuer aus fossilen Brennstoffen. Dieser Weg stösst an seine Grenzen. Der Ausstieg aus den Fossilen verlangt einen adäquaten Ersatz. 

Hansruedi Völkle  thematisiert die Notwendigkeit einer Entkarbonisierung. Nuklearenergie nennt und versteht er als das «zweite Feuer». So gefährlich konventionelles Feuer auch heute noch ist, so unentbehrlich ist es und bleibt es. Das liegt bei Nuklearenergie nicht anders. Seine Gefährlichkeit zu verharmlosen wäre fatal. Hocheffiziente, zuverlässige und steuerbare Energiequellen werden aber auch in Zukunft die Grundlage unserer Zivilisation sein. 

Das Buch diskutiert in zehn Thesen die Chancen und Risiken der Kernenergie. Es diskutiert auch die Wirkung radioaktiver Strahlung auf organische Materie, mit Details bis zur Wirkung auf Chromosomen. Das in sachlicher Weise zu vermitteln gelingt in vorbildlicher Weise. In der Erklärung einer komplexen Materie kann Völkle leider nicht ganz auf mathematische Formulierungen verzichten. Trotzdem bleibt das Buch sehr gut lesbar und verständlich. Die Tiefe, in welcher physikalische Prozesse erklärt werden, schmälern den Wert in keiner Weise, im Gegenteil es beweist den hohen Anspruch auf eine korrekte und ideologiefreie Darlegung der Fakten. 

Das Buch empfiehlt sich als sachliche Informationsbasis zu einer Energieressource deren Risiken in keiner Weise schöngeredet werden soll. Doch es zeigt auch die Chancen, welche in der emotionalisierten Diskussion und bisweilen in ideologischer Verblendung übersehen werden. Ein unverzichtbarer Beitrag zur Versachlichung einer hochaktuellen Zeitfrage.

Das Buch ist erhältlich im Springerverlag für CHF 22.50 als Softcover und eBook.

*Hansruedi Völkle promovierte 1980 zum Thema Kernphysik und Strahlenschutz und wurde 2001 an der Universität Fribourg zum Titularprofessor ernannt. Neben der Lehre und zahlreichen Publikationen diente er nahezu 20 Jahre der schweizerischen Kommission für die Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen als Experte im Strahlenschutz.

Häring Markus
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2 Kommentare

  • Philippe Huber

    Ein konkreter Hoffnungsschimmer wäre, dass Macron Merkel überzeugen könnte, dass Deutschland und die EU nicht nur in die Wasserstofftechnologie investieren sollten, sondern auch in die Entwicklung von Kernenergiereaktoren der 4. Generation. Ist das vorstellbar?

  • Guntram Rehsche

    Die Umstellung auf erneuerbare Energien ist für die Klimabilanz besser als die Nuklearenergie. Das gilt insbesondere für Schwellenländer wie eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern aus UK und Deutschland zeigt. Erneuerbare Energien sparen demnach der Welt mehr CO2 als Atomenergie. Das legt eine Analyse der University of Sussex Business School und der International School of Management (ISM) nahe. Länder, die CO2-Emissionen so schnell, substanziell und kostensparend wie möglich reduzieren möchten, sollten demnach auf erneuerbare Energien statt auf Nuklearenergie setzen. Die Forscher werteten Daten aus 123 Ländern über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg aus. Nuklearenergie führe auf nationaler Ebene nicht zu weniger CO2-Emissionen. Sie sollte deshalb nicht als effektive kohlenstoffarme Energiequelle in Betracht kommen.

    Die Forscher fanden in ihrer globalen Betrachtung heraus, dass erneuerbare Energien mit deutlich niedrigeren CO2-Emissionen einhergehen. In ärmeren Ländern sei Atomkraft sogar mit höheren CO2-Emissionen verbunden.

    Die Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Energy publiziert wurde, zeigt außerdem, dass erneuerbare Energien selten erfolgreich mit Nuklearenergie koexistieren. Vielmehr verdrängen sich die beiden Energiesysteme gegenseitig und beschränken damit ihre Effektivität.

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