Ist das Klima steuerbar?

Das Klima wird in erster Linie vom Wasserdampf bestimmt. Daran kann und wird die Menschheit nie was ändern können und nie was ändern wollen.
Regler

publiziert in den Schaffhauser Nachrichten vom 27. Mai 2021

Seit den siebziger Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt bei gleichzeitiger Steigerung des Wohlstands in mehrfacher Hinsicht: Mit gesicherter Nahrungsproduktion, geringerer Kindersterblichkeit, besserer Schulbildung, Unterkunft, Mobilität und Kommunikation. Allerdings je nach Land und Kontinent auf völlig unterschiedlichem Niveau. Errungenschaften auf die niemand verzichten will, schon gar nicht Menschen in Entwicklungsländern, Menschen die noch viel aufholen möchten.

Ermöglicht hat das der Gebrauch von Kohle, Erdöl und Erdgas.  Der Verbrauch fossiler Energieträger hat seit Beginn der Industrialisierung stetig zugenommen, am stärksten seit den siebziger Jahren. Im gleichen Masse stiegen und steigen die CO2-Emissionen. Das hat seither zu einer Erhöhung der CO2 Konzentration in der Atmosphäre von 0.0325% zu 0.0412% geführt, also zu einer Erhöhung von 30%. Das sind unbestrittene Fakten. Seit dem vorletzten Jahrhundert ist es wärmer geworden. Auch das ist ein unbestrittener Fakt. CO2 spielt dabei eine Rolle. 

Daraus zu schliessen, dass CO2 auch der dominierende Klimaregulator sei, ist jedoch grundfalsch. Das Klima wird in erster Linie vom Wasserdampf bestimmt. Daran kann und wird die Menschheit nie was ändern können und nie was ändern wollen. CO2 ist wie Wasserdampf ein Treibhausgas. Im Gegensatz zu Wasserdampf, dessen Konzentration und Verteilung in der Atmosphäre sich dauernd und schnell verändert, bleibt Kohlendioxid gleichmässig über den Erdball verteilt mit geringer Variabilität lange in der Atmosphäre. 

Klima ist ein komplexes, selbstregulierendes System mit unzähligen – zum Teil verstärkenden aber eben auch dämpfenden – Rückkoppelungsmechanismen. Die Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bringt ein messbares Ungleichgewicht in das System. Die Reaktion darauf ist nicht nur Erwärmung, sondern auch ein erhöhter Austausch von CO2 mit den Ozeanen und eine Anregung der Photosynthese, also des Pflanzenwachstums. Das lässt die Erde nachweislich ergrünen. Ein solches System reagiert träg und läuft nicht plötzlich aus dem Ruder. Genauso träg wird das Klima auch auf eine CO2-Reduktion reagieren.

Entscheidend ist die Wirkung von Massnahmen. Sollten sämtliche Länder ihre Reduktionsziele im Pariser Abkommen von 2015 ausnahmslos und buchstabentreu umsetzen, würde das bis Ende des Jahrhunderts die Erwärmung um weniger als 0.1 Grad mindern[1]. Auf die Spitze getrieben: Selbst, wenn die ganze Menschheit morgen tot umfällt, setzt sich der Erwärmungstrend bis Ende des Jahrhunderts fort. 

Das ist kein Plädoyer einer «Erdöllobby», sondern ein Aufruf zur Besinnung, wie wir am gescheitesten eine lebenswerte Zukunft erschaffen möchten. Unbestritten müssen wir einen Weg aus der Abhängigkeit fossiler Energie finden. Der aktuelle Weg ist weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Nebenbei: Diese Einsicht hatte man bereits bei der Ölkrise der siebziger Jahren. Die Antwort darauf war der Bau der Kernkraftwerke. Darüber sollte auch heute wieder nachgedacht werden. Angst und Panik sind schlechte Ratgeber. Das zur Abstimmung stehende CO2-Gesetz wird am Klimawandel nicht das geringste ändern, aber den Weg bestimmen, wie wir unsere Zukunft gestalten können. Erfolgreich gelingt uns das nur mit Innovation. Doch Innovation gedeiht in freien Gesellschaften nachweislich besser als in staatlich dirigierten Planwirtschaften.


[1] False Alarm; Bjørn Lomborg, 2021

Häring Markus
Latest posts by Häring Markus (see all)
Bitte teilen Sie diesen Beitrag mit

4 Kommentare

  • Franz-J. Schulte-Wermeling

    Wasserdampf (Wolken) bestimmt nicht das Klima, sondern nur das Wetter: Die tägliche Strahlungsbilanz zwischen den Himmelskörpern bestimmt nämlich nur das Wetter: Würde die Energie, welche die Sonne tagsüber auf die Erde abstrahlt, nicht während der Nacht von der Erde auf die übrigen Himmelskörper abgestrahlt, so wäre die Erde schon nach wenigen Tagen unbewohnbar, weil es morgens schon so heiss wäre wie am gestrigen frühen Nachmittag.. Die tägliche Strahlungsbilanz zwischen den Himmelskörpern bestimmt also nur das Wetter, das längerfristige Klima wird durch den langfristigen Saldo der Strahlungsbilanzen der Himmelskörper untereinander determiniert : Unsere Sonne hat 9 Planeten, welche die Sonne in Abständen von 56 bis 5’900 Mio. km mit Umlaufzeiten von 88 Tagen bis 248 Jahren umrunden, wobei sie zusätzlich in Zeiten von 10 Stunden bis 6 Tagen um die eigene Achse rotieren, mit Oberflächentemperaturen von -235 bis + 350 Grad. Relevant für unser Klima ist dabei nicht nur der Abstand der Erde zur Sonne, sondern auch die Position sämtlicher Himmelskörper, wobei deren Einfluss auf unser Klima sowohl mit zunehmendem Abstand als auch mit der Geringfügigkeit der Temperaturdifferenz relativ zur Erde vernachlässigbar wird, weil die Intensität der Wärmestrahlung mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Obwohl wir die Relativbewegungen der Himmelskörper nicht beeinflussen und deren Auswirkungen noch nicht saldieren können, müssen wir uns trotzdem Sorgen machen, weil unsere Erde zu einem noch unbestimmbaren Zeitpunkt den Entropietod sterben wird: Die Sonne strahlt mit einer derzeitigen Oberflächentemperatur von ca. 900 Grad auf die Erde, welche im Erdinnern ca. 500 Grad heiss ist. Nach den Gesetzen der Thermodynamik kommt der Wärmeausgleich zwischen Sonne und Erdoberfläche erst zum Stillstand, wenn auf sämtlichen Planeten unseres Sonnensystems die gleiche Temperatur herrscht. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Menschheit längst ausgestorben.

  • @Markus Saurer: Die Erdgeschichte zeigt, dass es «Klimakapriolen» gab, so wie es im lokalen und kurzfristigen Wetterkapriolen gibt. Aber auch chaotische Systeme verlaufen innerhalb von Grenzen. Beispiel: Aufsteigender Kerzenrauch: Der steigt innerhalb eines beschränkten Kegels auf und kann nur durch externe Einflüsse gestört werden. Weder Art externer Einflüsse noch deren Auswirkung sind prognostizierbar. Anthropogenes CO2 ist zwar ein solch externer Einfluss. Allerdings weiss man dazu dass das Klima in der Erdgeschichte selbst bei mehrfach höheren CO2-Konzentrationen nicht aus dem Ruder lief. Vulkanausbrüche hatten in der Regel einen kühlenden Effekt, der innerhalb kurzer Zeit (wenige Jahre?) wieder ausgeglichen wird. Über die ganz grossen Unbekannten ist da noch gar nicht die Rede: 90% der aktiven Vulkane sind untermeerisch. Deren Auswirkung auf die CO2-Bilanz der Meere ist unbekannt.) Science is not settled, science is exciting!

  • Frage an den Autor: Ist diese Trägheit (Erwärmung bis Ende Jahrhundert (und wohl darüber hinaus)) ceteris paribus – bezogen auf die CO2-Konzentration – gemeint? Ich finde, dass es so sein sollte, denn mutatis mutandis könnte sich doch der Trend aufgrund anderer Einflüsse rascher ändern und sogar sei Vorzeichen wechseln (Z.B. Abkühlung wegen Vulkanen, Sonnentätigket …???).

  • Max D. Amstutz, Nyon/Begnins

    Ein hohes Lob an Björn Lomborg. Er trifft voll meine Meinung: Klimawandel ist ein Phänomen, das vielen Einflüüsen zuzurechnen ist, der Mensch ist nur einer davon, und kein entscheidender. Das spricht nicht gegen die Bemühungen, die CO2-Emissionen zu mindern. ich erachte aber der Aufwand, der dafür nun durch die grüne, allumfassende Welle vorgesehen ist, als übertrieben und wohlstandsminderd, gemessen an deren Wirksamkeit bezüglich globaler Temperaturen.

    Max D. Amstutz, Nyon/Begnins

Bitte hinterlassen Sie Ihren Kommentar