Erneuerbare senken Strompreis massiv! Wirklich?

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Unter dieser Schlagzeile erschien vor ein paar Wochen ein Artikel im führenden Deutschen Landwirtschaftsmagazin „Top Agrar“ zu einer Studie, die behauptet, die Stromkunden in Deutschland hätten dank erneuerbarer Energie von 2014 – 2018 40 Mrd. Euros gespart. Diese Aussage widerspricht diametral allen Daten, die man zu Stromkosten in Deutschland kennt. Was stimmt nun?

 

Wir haben die Studie, auf die sich Top Agrar bezieht, analysiert und kommen zu folgendem Fazit:  Eine irreführende Erneuerbare-Energie-Studie. Empörend ist, dass der Eindruck erweckt wird, deutsche Haushalte hätten dank „Erneuerbaren“ tiefere Stromkosten als ohne „Erneuerbare“. Warum bezahlt „Michel Meier“ in Deutschland 30 Eurocents pro kWh, obwohl die Studie behauptet die Strompreise seien gesunken? Richtig ist: Erneuerbare erhöhen die Stromkosten massiv. Deutschland leidet wegen des staatlich verordneten Ausbaus durch das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) von erneuerbarem Strom an den höchsten Stromkosten in Europa.

Die Studie wurde von Mitarbeitern des Energie Campus Nürnberg der Friedrich-Alexander-Uni (Erlangen-Nürnberg),  erstellt. Der Auftraggeber ist die Elektrizitätswerke Schönau AG, die von sich behauptet, einer der grössten unabhängigen Ökostromanbieter Deutschlands zu sein. Zunächst die „cui bono“ Frage – wer profitiert? Beide Studienpartner haben ein Interesse an Erneuerbaren; ebenso das Verbreitungsvehikel „Top Agrar“; denn Landwirtschaftsgebäude haben grosse Dächer, die gut und gerne mit Photovoltaik (PV) Anlagen bestückt werden können. Der Gedanke, es könnte sich um eine Gefälligkeitsstudie handeln, drängt sich auf.

In der Studie werden denn auch nicht die gesamten Stromkosten der Endkonsumenten, sondern nur die Grosshandels-Strompreise, wie sie an der Strombörse gehandelt werden, betrachtet. Diese betragen lediglich etwa 13% der Gesamtkosten. Abbildung 1 zeigt den Verlauf der Börsenstrompreise in Deutschland zwischen 2002 – 2019. Auffällig ist eine Preisspitze im Jahr 2008 von 6.7 Eurocents (ct.) und eine kontinuierliche Abnahme von 5,2 ct im Jahr 2011 auf 2.8 ct. im Jahr 2016. Danach folgte ein leichte Anstieg 3.7 ct. im Jahr 2019.  Diesen realen Preisen stellt die Studie eine „rekonstruierte“, d.h. nach Annahmen errechnete, Grosshandelspreisentwicklung gegenüber, wie sie sich ohne den Zubau von erneuerbaren Stromquellen wie Wind und PV ergeben hätten. Von diesen „rekonstruierten“ Preisen ausgehend, kommt die Studie zum Schluss, ohne den Zubau der „Erneuerbaren“ hätten die Deutschen Haushalte von 2014 bis 2018 40 Mrd. Euros mehr bezahlen müssen. 

Warum stimmt die Aussage der Studie nicht? 

Teilmarkt Betrachtung

Wie Abbildung 2 zeigt, betrachtet die Studie nur einen äusserst kleinen Teil der Gesamtkosten der Endkonsumenten; denn die Studie betrachtet nur den Grosshandelsbörsenpreis (in der Graphik umrahmt). Die anderen, sehr relevanten, Kosten werden nicht in die Berechnung einbezogen.  

Unvollständige Kosten: Bananen – Äpfel Vergleich

Die Grosshandels-Strombörsenpreisen der konventionellen Kraftwerke enthalten sämtliche Gestehungskosten, nicht so die Kosten für erneuerbaren Strom aus Wind und PV Anlagen. Diese enthalten lediglich die reinen Gestehungskosten ohne die EEG Umlagen und ohne alle anderen Kosten, welche aus der Reservevorhaltung von (konventionellen) Kraftwerken entstehen, damit die Stromlücken des Flatterstroms (der Strom wird unregelmässig angeboten, immer und nur dann wenn die Sonne scheint und der Wind weht) überbrückt werden können. Dazu kommen noch die Effizienzverluste, die auf das Konto der Zwischenspeicherung gehen. Ein solche Gegenüberstellung ist nicht statthaft, denn wie sofort klar wird: Man darf nur Gleiches mit Gleichem vergleichen. 

Rekonstruierte Angebotskurve / Stillegung von konventionellen Kapazitäten / Preisreaktion

Bei der theoretischen Berechnung der Strompreise ohne „Erneuerbare“ (Rekonstruiertes Strom Angebot) ging die Studie  davon aus, dass keine konventionellen Kraftwerke zugebaut würden. Im Gegenteil, das konventionelle Angebot wurde wegen Stillegungen sogar von 70 GW Leistung auf 60 GW reduziert – so wie es im realen Leben in Deutschland war. Wird bei gleichbleibender Nachfrage das Angebot von konventionellem Strom (politisch erzwungen) reduziert, muss das in einem funktionierenden Markt zu einem stark ansteigenden Strompreisen führen, weil das Angebot und die Nachfrage nicht elastisch sind. Wird in dieser Situation Strom aus Wind- und PV Anlagen eingespeist, so werden die Preissteigerung gemildert, obwohl der erneuerbare Strom wesentlich kostspieliger ist, als es (neu zugebauter) konventioneller Strom gewesen wäre. Aus dieser Überlegung folgern die Autoren, dass die „Erneuerbaren“ zu 40 Mrd. € Einsparungen geführt hätten.  Mit dieser Begründung lässt sich jeder Blödsinn erklären. Wenn man den Markt so fesselt, wird bei bestehender Nachfrage jede Angebotsausweitung zu Preisreduktionen führen. 

Alternative Betrachtung

Eine Studie, die nicht nur als Propagandinstrument dienen möchte, hätte alternative Berechnungen anstellen müssen. Wie hätte der Strompreis reagiert, wenn es dem Markt erlaubt gewesen wäre, konventionelle Leistung zuzubauen? Einen guten Hinweis darauf gibt die Abb.1. Denn die Abnahme der Strompreise von 2012 – 2015 erklärt sich damit, dass konventionelle Kraftwerke (die in der Dekade 2000 – 2010 geplant und dann gebaut worden waren) ans Netz gingen. Die Angebotsausweitung durch konventionelle Kraftwerke führte zu sinkenden Preisen. 

Realitäts-Check

Die Stromrealität in Deutschland sieht ganz anders aus. Abbildung 3 zeigt den Eigenwirtschaftlichkeitsgrad von EEG Strom in Deutschland. Das bedeutet, wieviel seiner Gesamtkosten erwirtschafter Erneuerbarer Strom wirklich. Der Eigenwirtschaftlichkeitsgrad ging im Zeitraum 2010 bis 2014 (heute ist es nicht besser) von durchschnittlich von 35% auf gut 10% zurück. Damit deckt Strom aus Wind und Photovoltaik nur gerade 10% seiner Gesamtkosten. Die anderen 90% werden vom Konsumenten und Steuerzahler berappt. 

Noch klarer wird die Absurdität der impliziten Behauptung, deutsche Konsumenten würden dank „Erneuerbaren“ Stromkosten sparen, wenn man Abbildung 4 betrachtet. Deutschland und Dänemark weisen mit knapp 1000 W/Person die höchste installierter Kapaziät von Wind- und PV Strom in Europa aus. Dieser Rekord im Weltrettertum hat aber seinen Preis. Beide Länder verrechnen ihren Bürger 30 Eurocents pro kWh. Am anderen Ende der Skala findet man Länder wie Ungarn, die USA oder Polen, welche Strompreise unter 15 Eurocents aufweisen. Diese Länder setzen auf konventionellen Strom. Ihre installierte Kapaziät an erneuerbarem Strom liegt um die 200 W/Person oder darunter.

Hätte Deutschland heute noch Stromkosten von 15 Eurocents, könnten – überschlagsmässig gerechnet – die Haushalte bei einem Verbrauch von 3500 kWh/a etwa 525 € pro Jahr sparen. Hochgerechnet auf 30 Mio Haushalte ergibt das die Summe von 16 Mrd. Euro pro Jahr !

Weiterer Ausbau der Erneuerbaren und der Speichermöglichkeiten

Wie jede Studie dieses Genre, die etwas auf sich hält, propagiert sie den weiteren Ausbau von erneuerbarem Strom und den Speichermöglichkeiten. Das Speicherkapazitäten im notwendigen Umfang weder physisch erstellt noch ökonomisch bezahlt werden können, hat Prof. Sinn in aller Gründlichkeit dargelegt. Ein weiterer Ausbau von erneuerbarem Strom ist – wenn er nicht günstig und in den notwendigen Mengen gespeichert werden kann – kontraproduktiv. Denn ein weiterer Ausbau füllt eben nicht die Stromlücken, die sich bei Flaute oder Dunkelheit ergeben, sondern erhöht nur die Ausschläge (die Amplidude) nach oben. Es gibt dann noch mehr Flatterstrom, der zufällig zur richtigen Zeit anfallen kann, meist aber genau dann, wenn man Strom bräuchte (z.B. im Winter) nicht vorhanden ist. Dann müssen wieder die konventionellen Anlagen übernehmen, die wegen der Reservevorhaltung für Erneuerbaren nur suboptimal ausgelastet gefahren werden können.   

Weitere Informationen

– Eine detaillierte Diskussion in PdF Format bekommen Sie gerne wenn Sie ein Mail an folgende Adresse senden: milvus@pi314159.ch

1 Kommentar

  • Dr. Johannis Nöggerath

    Erstaunlich bei solchen Meldungen und solch sog. „Studien“ ist ja die Unverfrorenheit und Fanatismus, der da Pate steht. Selbst bei absolut vernichtender Faktenlage bei den Erneuerbaren – mit deutschem Konsumenten-Strompreis auf Platz 1 in der EU. Und einer schwindenden Versorgungssicherheit, die jährlich nur noch durch 10’000de von Not-Eingriffen der Netzleitstellen erreicht wird. Der Blackout steht mittlerweile direkt vor der Tür. Selbst wirtschaftlich-unmögliche 100% EE-Versorgung in DE ist dabei keine Lösung. Bei den „Stromrebellen“ Schönau im Südschwarzwald ist diese Ignoranz gepaart mit Starrsinn kein Wunder – ja er ist dort Prinzip. Ich habe die Frau Ursula Sladek vor einigen Jahren persönlich kennen gelernt: Utopie, Illusion und Realitätsverweigerung sind kurz zusammengefasst die Eckpunkte, mit denen ich da konfrontiert war. Die Nürnberger Studie kann man ohne weiteres unter „Ideologiegutachten“ abhaken. Völlig irrelevant.

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