Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Zur angekündigten Dauersubventions-Stromwirtschaft
Denn sie wissen nicht

Rebels without a cause

„Denn sie wissen nicht, was sie tun!“ ist der deutschsprachige Titel eines Kultfilmes aus der Mitte der 1950-er Jahre (Rebel without a Cause) mit dem legendären James Dean in der Hauptrolle. In der Kernszene dieses Filmes geht es um die Mutprobe der jugendlichen Rebellen. Diese rasen mit hoher Geschwindigkeit mit ihren Autos auf eine Klippe zu, wer eher abspringt ist ein „Chick“, ein Schwächling. Am Ende ist es so, dass der Bandenführer, welcher das ganze anzettelt, im Wagen hängenbleibt und zu Tode stürzt.  

Der Bundesrat justiert die Energiestrategie, so vernimmt man dieser Tage. Wie sieht diese Korrektur aus? Man stellt offenbar fest, dass die ursprünglich festgelegten Ziele nicht erreicht werden können. 

Das wäre schon einmal die Basis für ein grundlegendes Überdenken der Situation – würde man meinen – und wäre in jeder Unternehmung die nun anstehende nächste Aktion. Nicht so beim Bund. Man will weiter wursteln wie bisher, bisherige Subventionen und Beiträge sollen durch neue Unterstützungsmechanismen unter einem neuen Titel abgelöst und die Zeitfenster dazu bis 2035 erstreckt werden. 

Besonders mehr Windkraft, aber auch mehr Biomasse und mehr Kleinwasserkraft soll es werden, auch mehr Fördermittel für Grosswasserkraftwerke sollen gesprochen werden. Zudem erhofft man sich viel von der nun zu erzwingenden Marktliberalisierung, auch bis zur letzten Meile, fordert aber dennoch, dass die Anbieter auf 100% erneuerbar umstellen müssen – irgendwie widersprüchlich?

Kein Wort über dringend notwendige systemtechnische Massnahmen, das soll dann zugehen wie im Griechischen Theater – deus ex machina.

Um zum Titelfilm zurückzukehren, man bremst nicht vor dem Abgrund, man hat nicht den Mut, Chick zu sein, sondern legt noch einen dazu, dass der Absturz mit voller Beschleunigung und wehenden Fahnen (sprich möglichst hohen Kosten) auch gesichert ist.Wie werden dereinst die noch ungeborenen Jugendlichen von 2050 über die heutigen „Wender“ und „Weltenretter“ denken? In Anlehnung an die momentan so populäre Aussage von Greta wird das wohl etwa sein: „Ihr habt uns unsere Zukunft genommen“!

6. April 2020

21 Kommentare

  • Guntram Rehsche

    Statt läppischer Analogien mit der Filmwelt sollte sich das C-C Netzwerk beispielsweise mal mit dieser Meldung aus der Neuzeit beschäftigen: 3/4 aller neuen #Stromkapazitäten waren 2019 erneuerbar: Weltweit haben erneuerbare #Energien 2019 um 176 GW zugelegt (3/4 der neuen Kraftwerke). Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugungskapazität ist auf 34,7 % gestiegen.

    • Guntram Rehsche

      Übrigens und in Ergänzung für die Schweiz: Die Versorgung der Schweiz mit erneuerbarer Energie im Winter ist zweifellos eine der grösseren Aufgaben der Energiestrategie 2050. Die EMPA macht sich dran, diese Aufgabe zu lösen, siehe «Synthetisches Gas statt fossile Energie» unter: https://www.empa.ch/web/s604/move-mega

  • Klaus Vosbeck

    Und was stimmt jetzt?

  • Peter Brenner

    „Erneuerbare Energien sind eine kostengünstige Quelle für neuen Strom, die Strommärkte und Verbraucher vor Volatilität schützt, die wirtschaftliche Stabilität unterstützt und ein nachhaltiges Wachstum fördert“, sagt IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera.“ so heisst es im Solarserver-Artikel, auf den sich der geniale Herr Rehsche bezieht. In diesem Satz steckt soviel Unsinn („kostengünstig“ -Subventionen?-, „schützt vor Volatilität“- ausgerechnet!- etc.), dass der Autor sich auf eine Stufe stellt mit der deutschen Grünen-Chefin Baerbock („Das Netz ist unser Stromspeicher“) und anderer grüner Koryphäen. Alle zeichnet aus, dass sie die Grundlagen der Elektrotechnik (Physik-Oberstufe) wohl vergessen haben. Und: Erzeugungskapazität sagt gar nichts über die Stromproduktion aus.So über den Daumen dürften die erwähnten 176 GW (hauptsächlich bestehend aus Solar und Wind) einen Lastfaktor von 0,15 haben, die konventionellen einen solchen von 0,9. D. h., dass die 176 GW einen 24/7 laufenden Kraftwerkspark von lediglich 26 GW entsprechen -aber nur betr. Jahresstromproduktion, Volatilität, welche diese Produktion ziemlich wertlos macht, mal ausgeklammert. Die konventionell zugebauten 59 GW entsprechen demzufolge einem 24/7 Kraftwerkspark von 52 GW – das ist das doppelte und zudem noch mit der Eigenschaft „abrufbare Leistung“ versehen, was sie versorgungstechnisch unentbehrlich macht..

    • Guntram Rehsche

      Da sie diese als Beweis herbeiziehen, komme ich nicht umhin festzustellen, dass Sie Herr Brenner auf dem Niveau der Oberstufenphysik stehen geblieben sind. Ich erinnere daran, dass der oberste der Physik, Albert Einstein, den photovoltaischen Effekt entdeckte und für diese Entdeckung auch den Physiknobelpreis erhielt. Und eben die Nutzung der Photovoltaik führt unterdessen dazu, dass Solarstrom an vielen Orten der Welt der billigste überhaupt ist. Aber klar – die C-C-Männer wissen es natürlich besser, während die ganze Welt auf erneurerbare Energien setzt.

      • Philippe Huber

        das ist schön und gut, aber was mache ich wenn ich Strom nachts brauche? suche ich dann die Kerzen im Dunkeln?

  • Emanuel Höhener

    Herr Vosbeck, um ihre Frage zu beantworten folgendes: Es mag wohl sein, dass die Zahlen, welche Herr Rehsche vorlegt stimmen, ich habe dies aktuell nicht nachgeprüft. Allerdings ist dies völlig irrelevant.
    Zur Beurteilung einer eines Stromversorgungssystems gibt es zwei Kriterien, wobei das eine dominant wesentlich ist, weil falls nicht gewährleistet das zweite obsolet ist: erstens Versorgungssicherheit – 24-7, das Jahr rund und jeden Bruchteil der Sekunde und dies zweitens zu wirtschaftlich tragbaren Kosten. Jetzt ist es so, dass von den erneuerbaren Stromerzeugungstechniken nur Wasserkraft und Systeme basierend Biomasse die Versorgungssicherheit gewährleisten können. Biomasse allerdings mit der grossen anwendungstechnischen Einschränkung, dass sobald diese mit dem Ziel „Brennstofferzeugung“ angebaut wird, der Energie Erntefaktor kleiner 1 wird (ERoEI<1; d. h. der Energieaufwand zur Erzeugung (inkl. Logistik) ist grösser als der spätere Energiertrag).
    Die Zahlen welche Herr Rehsche aufführt fokussieren jedoch primär auf den Ausbau von Strom Generierung durch Wind und Solar (PV). Deren Produktion fällt vollkommen stochastisch an, isoliert tragen solche Systeme rein gar nichts zur Sicherstellung der Versorgung bei. Nehmen sie das Beispiel Deutschland, trotz massivem Ausbau von Solar und Windleistung gibt es im Mittel jeden Monat für rund 1/3 der Zeit weder Wind noch Solarstrom im Netz (*), dies unabhängig von der Jahreszeit. Wie Herr Brenner in seinem Kommentar bereits erklärt, hängt dies neben der stochastischen Produktion auch mit den sehr geringen Lastfaktoren von Wind (in CH etwa 16%) und Solar (in CH etwa 10%) zusammen. Was letztlich auch bedeutet, dass im Falle von Solar 90% der Zeit der Strom aus anderen Quellen kommen muss.

    (*) Beachten Sie dazu auch die CCN Blogs "Dichtung und Wahrheit der Energiewende" (April 2019) und "Weitere Erkenntnisse im Zusammenhang mit Windparks" (Mai 2019) [beide Höhener] sowie die aktuelle Kurznachricht "Auch ohne Corona Shutdown - die Energiewende ist am Ende" (sowie die angehängten Artikel).

  • Guntram Rehsche

    Abgesehen von der Kapazitätsfrage: Wer wissen will, wieviel Kilowattstunden die Erneuerbaren denn so bringen, muss nur nach Deutschland schauen, denn dieses produziert immer mehr erneuerbare Energie (weshalb der in die Schweiz importierte Strom immer weniger Kohlestrom ist! Von Scheitern der Energiewende hier wie dort zu sprechen, verkennt die offensichtlichen Tatsachen! Deutschland hatte letztes Quartal (I/2020) über 50% erneuerbaren Strom!

    • Emanuel Höhener

      Herr Rehsche,
      da sie offensichtlich so sehr mit der Sache vertraut sind,würde es die CCN Blog- Leser sicherlich interessieren, von ihnen detailliert über die Charakteristiken einer Produktionsanlage bestehend aus Solar- und Windkraft orientiert zu werden. Als Beispiel könnte man ein völlig autonomes – d.h. vom Netz getrenntes – Haus annehmen, welches wie gesagt einzig mittels Wind und Sonne 24 -7, das Jahr rund jeden Buchteil der Sekunde mit Strom versorgt werden muss. Wie gestalten sie eine derartige Anlage, welche Solar- und/oder Wind- Leistung müsste installiert werden, was kostet ihnen die Kilowattstunde? Selbstverständlich dürfen sie mit keinerlei Fördergeldern irgendwelcher Art rechnen, einzig sei ihnen zugestanden, dass sie die neuen Solarpanels (nur diese) gratis erhalten.

      Mit grossem Interesse erwarten die CCN Blog Leser ihre Resultate und Erläuterungen dazu.
      Emanuel Höhener

      • Guntram Rehsche

        Bei derzeitigem Ausbauniveau der Erneuerbaren (EE) in der Schweiz schafft der Zubau keinerlei Probleme (oder haben Sie schon von Abregelungen gehört? Und sogar in Deutschland mit einem Drittel Anteil Erneuerbarer geht es immer noch relativ problemlos). Die Speichertechnologie macht Fortschritte parallel zum Ausbau der EE . Warum glauben Befürworter des alten Systems (fossil und nuklear) immer an dessen Fortschritte (obwohl wir seit 30 Jahre drauf warten) – sehen bei den EE aber weder die erreichten noch die potenziellen Chancen? Der Energiethinktank Agora hat gerade in seinem Gesetzesvorschlag die Förderung als Festvergütung für kleine und als gleitende Marktprämie für größere Kraftwerke angeregt, um systemdienliche Investitionen in erneuerbare Energien anzureizen. Damit soll die Grundlage für eine ganzjährige Vollversorgung aus Erneuerbaren geschaffen und die Sektorenkopplung vorangebracht werden. Letztere ist Schlüssel der Dekarbonisierung und Denuklearisierung, weil die Bereiche Stromerzeugung, Verkehr, Wärme sich gegenseitig aushelfen können.

      • Philippe Huber

        Herr Rehsche braucht wahrscheinlich keinen Strom rund um die Uhr. Er wird gern darauf verzichten, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind zu wenig stark bläst. So einfach ist das. Das ist eine andere Welt, die er sich wünscht, im Einklang mit der Natur, wo man friert, wenn es kalt und dunkel ist und geduldig wartet, bis die Sonne aufgeht und Wärme wieder spendet! Das können viele CCN Mitglieder vermutlich schwer nachvollziehen.

        • Guntram Rehsche

          Schon mal was gehört von der Wasserkraft? Deren Strom brauche ich, wenn die AKW nicht laufen, weil es grad mal zu heiss ist (Kühlwasserproblematik) oder sie monatelang störungsbedingt ausfallen (Beznau, Leibstatt).

    • Statt ‚läppisches‘ Wiederkäuen von irreführenden ‚Kapazitäten’sollte sich Guntram Rehsche mit Fakten beschäftigen, nicht Energietraumwandlerei betreiben. Niemand ist gegen Erneuerbare, wenn sie Sinn machen und im freien Markt bestehen können – inklusive für nötigen back-up oder storage, wo möglich, bezahlen.
      Deutschland: Von installierten 60 GW Wind’kapazitäten‘, benötigt unser Nachbar bei Flaute regelmässig praktisch identische back-up Leistung, und zwar sofort verfügbar. Der Deutsche Konsument bezahlts: 30 € Cent je kWh, 50 % höher als in der ‚Hochpreisinsel‘ Schweiz – bis jetzt noch, wenn wir nicht den deutschen Irrlauf kopieren.

      Siehe auch Darstellung „Aus 53 GW mach 1 GW“.

      • Guntram Rehsche

        Kein Zweig der Energieerzeugung besteht im freien Markt – zuallerletzt die Atomenergie. Das dürfte wohl endlich und hinlänglich bekannt sein! Das Geschwafel vom freien Markt ist also läppisch!

        • werner plüss

          Immerhin gelesen. Nicht ablenken, mit läppischem Geschwafel mein frei ist unfreier als deines. Es geht um sichere Versorgung, 24/7 abrufbar vs. mittelalterliche peut-êterli Technologie, die mal leistet, mal nicht, dazu noch die Landschaft versaut, meine Vögel kaputt und Kopfweh macht. Stay safe.

  • Emanuel Höhener

    Herr Rehsche,

    Eigentlich verbietet mir mein Gespür für Anstand, hier an dieser Stelle Kraftausdrücke zu verwenden. Dennoch, es ist unglaublich, welchen Bockmist sie den Lesern zumuten, ohne dass sie je konkret werden. Ich habe ihnen eine einfache Frage gestellt, beantworten sie diese, dann gewinnen sie auch eine minimale Glaubwürdigkeit.

    Bezüglich Energie und freier Markt ist es gemäss meiner langjährigen Erfahrung als CEO eines führenden Europäischen Strom Händlers (inkl. Gashandel) welcher eigene Kraftwerkskapazitäten (inkl. Hydro-, Gas-, Nuklear-, Biomasse-, Wind-, quer Beet in Europa) und auch eigene Hochspannungsleitungen besass so, dass ein solches Geschäft äusserst profitabel zum Nutzen aller Partner betrieben werden kann (kann in den damaligen „annual accounts“ nachgesehen werden). Dies notabene 100% in freien offenen Märkten. Also auch da liegen sie 100% falsch!
    Falls Sie andere persönliche Erfahrungen haben – nicht nur vom „hören sagen “ so teilen sie dies den Lesern mit.

    Nochmals – die Leser sind sehr interessiert an der Energie- Kostenstruktur in ihrem vom Netz isolierten Haus.

    • Guntram Rehsche

      Na ja, Sie glauben doch nicht, ich diskutiere mit Ihnen weiter bei diesem Ton – Schauen Sie sich einfach in der Fachwelt um, ich bin ja nicht der einzige der das vertritt, vielmehr sind Sie zunehmend in der Minderheit!

      • Emanuel Höhener

        Herr Rehsche, an den Taten wird man gemessen, nicht an den Worten. Also kommen Sie mit Ihren Lösungen zu meiner Frage. Oder gehören Sie etwa einer „Fachwelt“ und Mehrheit an, welche das Rechnen verlernt hat?

  • Bill Gates: „Whenever we came up with this term clean energy, I think it screwed up peoples mind“ https://www.youtube.com/watch?v=9xe3BWPsBTU
    Wärmstens empfohlen für unsere Polit-EnergietraumwandlerInnen. Besonders: beware die windrädlige Finanzlobby. Subventionenjunkies. Und zum Deibel mit der Versorgungssicherheit.

  • Da ich persönlich nicht davon ausgehe, dass ein wesentlicher Teil europäischer Elektroingenieure und -eurinnen meschugge sind, muss ich handkehrum diese Möglichkeit auch Politikern eingestehen. Für mich die Annahme am plausibelsten, dass in den Parteien valable Informationen über die rasante Zunahme an Netzeingriffen vorliegen, swissgrid ist ja nicht irgendein Umspannwerk oder wo etwas. Die werden sich sagen, SVP eingeschlossen, „Natürlich könnten wir Klartext reden. Nur: das Opfer an Wählereinbussen ist uns Allen einfach zu hoch.“ Also warten sie einfach, bis das soundsovielte Unternehmen einen Auftrag verloren hat, weil das „Stromfenster“ nicht zum Liefertermin passt, oder so. M.a.W., bis es irgendwie knallt. Und dann haben ja Wähler ja sowieso wieder Amnesia.

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