Das CCN zeichnet eine Maturitätsarbeit aus

Die hervorragende Arbeit von Maxine Fischer zum Atomausstieg in Deutschland wurde vom CCN mit 500 Fr. ausgezeichnet.
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Maxine Fischer,
Viel Wind um nichts?
Der deutsche Atomausstieg im Lichte der Klimaziele

Begleitwort des CCN-Präsidenten

Es ist erfreulich, dass sich auch junge Menschen mit Engagement und losgelöst vom gängigen Mainstream einem derart aktuellen Thema widmen, wie der obige Titel andeutet.

Bisher findet sich im CCN Blog eine Vielzahl von Beiträgen zu den Themen «Energie» und «Klima», die meisten verfasst von Autoren, die beruflich mit den angesprochenen Themen zu tun hatten. Das heisst, alle bisherigen CCN Blog Autoren, die zu den genannten Themen etwas mitzuteilen hatten, stützen sich auf jahrelang akkumuliertes Wissen und auf reiche Berufserfahrung und weisen jeweils auch eine entsprechende Anzahl an Altersjahren auf. Hinter der hier vorgestellten Arbeit steht eine junge Frau als Autorin – Maxine Fischer -, die sich das Thema als Matura-Arbeit ausgesucht hat. Sehr mutig, meine ich, eine grosse Herausforderung, will man dem gewählten Thema auch nur einigermassen gerecht werden.

Frau Fischer legt hier eine hervorragende Arbeit vor. Angesichts ihres jungen Alters neigt man auch zur Begeisterung. Es ist sehr zu hoffen, dass diejenigen Personen, die ihre Arbeit konkret als Matura-Arbeit überprüfen und bewerten, auch verstehen, welche Qualität an Recherchen und Interpretationen die Autorin hier vorlegt.
Ihre intensive Abklärung der Faktenlage, die Interpretation der gefundenen (Mess-) Daten, die Schlüsse, die sie zieht – all das entspricht diszipliniertem wissenschaftlichem Arbeiten. Nirgends findet man Spuren oder Hinweise darauf, dass sie sich durch die gängigen Mainstream-Floskeln hat beeinflussen lassen. Ihr Mut, den Sachverhalten auf den Grund zu gehen, ist eindrücklich.
Ich wüsste nichts, was es zu kritisieren gäbe, selbstverständlich liessen sich einige der angesprochenen Themen noch vertieft behandeln, was aber wohl den Rahmen einer Matura-Arbeit sprengen würde. So oder so, Frau Fischer hat die Messlatte für eine Matura-Arbeit mit qualitativ hochstehendem Inhalt sehr hoch gesetzt!

Ich erlaube mir dennoch eine konkrete Anmerkung zu einer der aufgeführten Thesen: Frau Fischer schreibt in Abschnitt 9.2: «Der Neubau von AKWs ist zurzeit nicht als realistisch einzuschätzen. Das Bewilligungsverfahren und die Bauzeit liegen deutlich über zehn Jahren. Sollte Deutschland den Wiedereinstieg in die Kernenergie in Erwägung ziehen, müssten die Vor- und Nachteile dieser Stromerzeugungsform innerhalb der Gesellschaft breit diskutiert und die Probleme sehr zügig gelöst werden.»
Was Frau Fischer schreibt gilt z. Z. in der Tat für die Situation in Europa. Man hat dort wie hier eben verlernt, wie derart komplexe Projekte effizient realisiert werden können. Die drei EPR 2000 Projekte in Europa, auf die sich unsere Politiker als schlechte Vorbilder bezüglich Bauzeit und besonders Kosten immer wieder beziehen, sind Flammanville (F), Hinkley Point (GB) und Olkiluoto (SF). Alle diese Projekte sind seit über 10 Jahren im Bau. China hat dagegen den Bau von fünf Anlagen desselben Typs etwa fünf Jahre nach dem Baubeginn der europäischen Projekte begonnen. Unterdessen sind dies fünf chinesischen EPR Reaktoren im kommerziellem Betrieb!

Die Moral dieser Geschichte: Man soll sich auf der Suche nach einem «Vorbild» nicht bei jenen umsehen, die vielleicht einmal im Jahr ein Auto bauen, sondern bei jenen, die solche zu Tausenden pro Tag herstellen. Das gilt eben besonders auch betreffend Lernkurve für komplexe Projekte, wie es Kernkraftwerke sind.
Selbstverständlich muss man hier anfügen, dass dies Erkenntnisse sind, zu denen Frau Fischer für ihre Arbeit kaum Zugang haben konnte.

Ich kann dem CCN-Blog Leser nur empfehlen, sich selbst einen Eindruck von dieser Matura-Arbeit zu machen und besonders auch, ihre Konklusion zur Kenntnis zu nehmen.

Emanuel Höhener
Präsident CCN

PS: Der CCN-Vorstand hat an seiner letzten Sitzung beschlossen, Maturitäts- oder auch Lizenziatsarbeiten, die sich mit den Themen Energie, Klima und Ökonomie auseinandersetzen, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen. Die Arbeit von Maxine Fischer wird mit 500 Fr. ausgezeichnet.

Höhener Emanuel
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2 Kommentare

  • Walter Zweifel

    Eindrückliche Arbeit, sollte ein muss für unsere Politiker sein!

  • Wenn diese eindrückliche Arbeit stellvertretend für das Niveau an unseren Gymnasien steht (woran ich, ehrlich gesagt, ein wenig zweifle), muss ich meine negativen Vorurteile über die heutige Jugend und deren Bildungsstand revidieren.

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