Wärmepumpen in der Schweiz – eine realistische Einschätzung

Wärmepumpen in der Schweiz  – eine realistische Einschätzung

Von unserem Vereinsmitglied Dipl. Informatiker Rainer A. Stawarz

Die Luft-Wärmepumpe wird in der aktuellen Energiepolitik als zentrale Lösung für die Gebäudewärme gefördert. Doch in der Schweiz gibt es hierzu berechtigte Zweifel, sowohl hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit als auch der tatsächlichen Umweltauswirkung – vor allem bei Bestandsgebäuden.

Funktionsweise und Leistungsverhalten

Eine Luft-Wärmepumpe entzieht der Aussenluft Wärme und gibt sie über einen Verdichtungsprozess an das Heizsystem ab. Der Strombedarf steigt mit sinkender Aussentemperatur, die Jahresarbeitszahl (JAZ) nimmt entsprechend ab. In gut gedämmten Neubauten mit Flächenheizsystemen (Fussboden- oder Wandheizung) lassen sich JAZ-Werte von 3,5 bis 4,0 erreichen. In nicht-sanierten Altbauten mit Heizkörpern und hohen Vorlauftemperaturen (55–70 °C) liegen realistische Werte oft nur bei knapp über 2.

Kostenvergleich Schweiz

  • Aktueller Strompreis (2025): ca. 25–32 Rp/kWh (je nach Anbieter und Tarif) 
  • Gaspreis: ca. 9–12 Rp/kWh → Primärenergie-Preisverhältnis Strom : Gas ≈ 2,6–3,0 : 1

Bei einer JAZ von 3,0 sind die Betriebskosten einer Wärmepumpe daher etwa gleich hoch wie bei einer modernen Gas-Brennwertheizung. Bei einer JAZ von nur 2,3–2,5 (typisch im unsanierten Bestand) sind sie sogar höher.

Investitionskosten für eine Luft-Wärmepumpe inkl. notwendiger Anpassungen (z. B. Ersatz alter Heizkörper, Einbau Fussbodenheizung, Dämmung):
CHF 50.000–90.000 (Einfamilienhaus, 150 m²).
Amortisation gegenüber einer neuen Gasheizung: bei realistischen Annahmen meist mehr als 30 Jahre, häufig gar nicht innerhalb der technischen Lebensdauer der Wärmepumpe gegeben.

Umweltbilanz

Die CO₂-Bilanz einer Wärmepumpe hängt stark vom Strommix ab. In der Schweiz (ca. 95 % CO₂-arm dank Wasser- und Kernkraft) ergibt sich u.U. sogar ein Betriebsvorteil gegenüber Gas, was in Ländern mit kohlelastigem Strom, etwa Deutschland, kaum der Fall ist. Was aber so oder so hinzukommt, ist die „graue Energie“:

  • Herstellung und Entsorgung: 8–15 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Anlage 
  • Kältemittel (z. B. R32, R290): teilweise sehr hohes Treibhauspotenzial bei Lecks

Erst nach 12–20 Jahren CO₂-armen Betriebs ist die Wärmepumpe klimaneutraler als eine Gasheizung – vorausgesetzt, sie erreicht eine hohe JAZ.

Netzbelastung und Versorgungssicherheit

Bei flächendeckendem Einsatz von Luft-Wärmepumpen wird der Strombedarf im Winter massiv steigen (Spitzenlast, die u.U. Importe nötig macht). Studien (z.B. EMPA 2023) zeigen weiterhin, dass das Schweizer Stromnetz dafür teilweise nicht ausgelegt ist – und teure Netzverstärkungen nötig wären.

Wann kann eine Wärmepumpe sinnvoll sein?

  • Neubau mit von Beginn weg sehr guter Dämmung und Flächenheizung 
  • Kombination mit eigener Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher 
  • Durch Einsatz von Geothermie-Wärmepumpen (Erdwärmesonden), welche deutlich effizienter als Luft-Wärmepumpen sind –  aber teurer in Erschliessung und Bau.

Fazit

Für die meisten Bestandsgebäude in der Schweiz ist die Luft-Wärmepumpe derzeit weder wirtschaftlich noch eindeutig klimafreundlicher als eine moderne Gasheizung, welche allerdings kombiniert mit schrittweiser Gebäudesanierung und eigener Solarstromproduktion optimiert werden kann. Die meist propagierte „einfache 1:1-Lösung“ wird den realen Verhältnissen nicht gerecht. Eine seriöse Energiewende braucht differenzierte Ansätze statt pauschaler Verbote und Subventionen, die letztlich teure Fehlinvestitionen fördern.

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8 thoughts on “Wärmepumpen in der Schweiz – eine realistische Einschätzung”

  1. Den ersten Satz unter “Unweltbilanz” verstehe ich nicht. Der Betriebsvorteil in der Schweiz müsste bezüglich CO2 grösser sein.

    1. Anmerkung der Redaktion CCN: Besten Dank für Ihren aufmerksamen Kommentar. Sie haben natürlich recht. Herr Stawarz hatte mir die richtige Version eingesandt, wohingegen ich versehentlich eine veraltete Version aufgeschaltet hatte. Nun ist der Fehler korrigiert. Sorry!!!

    1. Anmerkung der Redaktion CCN: Besten Dank für Ihren aufmerksamen Kommentar. Sie haben natürlich recht. Herr Stawarz hatte mir die richtige Version eingesandt, wohingegen ich versehentlich eine veraltete Version aufgeschaltet hatte. Nun ist der Fehler korrigiert. Sorry!!!

  2. Wenn’s mal richtig kalt ist, dann schaltet die Luft-WP auf elektrische Heizung um. Also dann, wenn das Netz und die Werke sowieso schon belastet sind.

  3. “Die CO₂-Bilanz einer Wärmepumpe hängt stark vom Strommix ab.” Und Roland Wyss und Simon Nyffenegger sind der Auffassung, in der Schweiz müssten Wärmepumpen besser abschneiden. Dem ist leider gar nicht so – denn hier müssen wir wieder die ökonomische Grenzbetrachtung anstellen. Der Jahresstrommix in der Schweiz sagt gar nichts darüber aus, wie wie viel CO₂ eine spezifische Wärmempumpe zum Zeitpunkt x gerade emittiert. Im Winter, wenn die Wärmepumpen so richtig auf Elektro laufen, muss die Schweiz immer mehr Atom- und eben auch Fossilstrom importieren. Zeitweilig dürften wir da fast den miserablen Mix Deutschlands haben.

    Und das ist noch nicht alles. Wir müssen auch die Opportunitätskosten in CO₂ in Betracht ziehen. Verbraucht einer für seine Wärmepumpe in der Tat “sauberen” Strom, den er etwa vorher auf PV-Dachanlage gespeichert hat, dann steht dieser eben nicht mehr für andere Dekarbonisierungszwecke zur Verfügung – andere Prozesse müssen dann halt z.B. den stark CO₂-halten Importstrom verwenden.

    Also Grenzstrom ist auf kurze Sicht praktisch immer fossil. Und es gilt die Opportunität, dass wenn einer sauberen Strom verbraucht, dann muss ein anderer auf Grenzstrom ausweichen.

    1. Fazit: Die Bilanz von Wärmepumpen dürfte lausig bis kontraproduktiv sein. Diese sind in kalten Wintertagen praktisch Elektroheizungen – mit Strom, den wir gar nicht haben. Ich habe jedenfalls eine neue Gasheizung einbauen lassen…

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