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Dem Golfstrom geht es übrigens ausgezeichnet

Dem Golfstrom geht es übrigens ausgezeichnet

Nachtrag zum Post vom 30.10.24 zu den Klima-Alarmisten.

Die Warnung über den möglichen Zusammenbruch des Golfstroms, die kürzlich ungeprüft durch die Medien geisterte, verdient einen kurzen Faktencheck. Als Grundlage dazu können die laufend aktualisierten Animationen verschiedenster Meteo- und Satellitendaten herbeigezogen werden, abrufbar auf https://earth.nullschool.net.

Fazit: Gegenwärtig geht es dem Golfstrom ausgezeichnet. Und er zeigt keine Anzeichen, dass er vor hat, sich zu ändern oder gar abzustellen. Verändern tut sich der Golfstrom natürlich laufend. Schliesslich handelt es sich um ein turbulentes, nicht lineares Strömungssystem, wie die Klimaforscher selbst hervorheben.

Beiliegend drei kurze Clips, welche den Golfstrom von Florida herkommend und über den nördlichen Atlantik zur europäischen Westküste hinfliessen zeigen:

Der erste Clip zeigt, in welch turbulenten Bahnen der Golfstrom verläuft. Die Strömungsgeschwindigkeit ist farbcodiert: grün ±0.5 m/s,  gelb ±1 m/s, rot ±1.5 m/s. Nicht erkennen kann man in dieser Animation den Tiefgang des Golfstroms.

Der zweite Clip zeigt die Oberflächentemperatur des Atlantiks (29.10.24). Farbcodierung der Temperaturen: Blautöne: 0° – 6°C, Grüntöne: 6° – 16°C, Gelbtöne: 16– 24°, Rottöne: 24° – 30°C.

Der dritte Clip zeigt die momentane Abweichung von der mittleren Oberflächentemperatur (29.10.24). Farbcodierung der Temperaturabweichungen: Blautöne: -4° – -0.5°C, Schwarz: -0.5° – +0.5° C, Rottöne: +0.5° – +2.0°C, Gelbtöne: +2.0° – +5.0°C.

Diese Daten lassen am Strömungsverhalten und den Temperaturen des Golfstroms zurzeit nichts Aussergewöhnliches erkennen, ausser dass der Atlantik insgesamt zu warm ist.

Woher kommt eigentlich die Idee eines bevorstehenden Zusammenbruch des Golfstroms? Sie entstammt aus Computersimulationen, nicht aus Beobachtungen. In diesen Simulationen kann man alle erdenklichen Szenarien durchspielen. Zum Beispiel, dass durch das Abschmelzen der Grönlandgletscher, so viel kaltes aber leichtes Frischwasser in den Atlantik gelangt, dass das warme jedoch salzhaltige und entsprechend schwerere Wasser des Golfstroms in die Tiefe oder südlich abgedrängt wird. Das ist alles denkbar und nachvollziehbar. Der Haken ist nur, dass es sich eben um turbulente, nicht lineare Prozesse handelt. Und solche kann man unmöglich genau modellieren, sondern im besten Fall nur Tendenzen erkennen. Und auch das nur wenn man alle Rahmenbedingungen und Einflüsse bis ins Detail kennt. Hier liegt bei sämtlichen Klimamodellen der Hund begraben. Es sind längst nicht alle Einflüsse und Rückkoppelungseffekte bekannt. Das Geosystem Erde mit seinen Ozeanen, seiner Atmosphäre und seiner Biosphäre funktioniert und interagiert wesentlich komplexer als Computermodelle es nachvollziehen können.

 Es ist eine Aufgabe der Klimaforscher, möglichst alle denkbaren Fälle durchzuspielen und so zu versuchen, mögliche Szenarien aufzuzeigen. So geht Forschung. Problematisch wird es aber dann, wenn sie diese Szenarien als Drohkulissen präsentieren und sich versteigen, Eintretenswahrscheinlichkeiten zuzuordnen und beginnen von tipping points zu sprechen. Nota bene: In non-linearen Systemen ist jeder beliebige Zeitpunkt ein tipping point.  Ihre Glaubwürdigkeit verspielen die Klimaforscher dann, wenn sie nicht auf die erwähnten Unsicherheiten und Wissenslücken hinweisen. Ich halte mich an diesen einfachen Grundsatz: Glaube mehr einem Wissenschafter der dir sagt, was er nicht weiss, als einem Wissenschaftler der alles weiss.

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Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen.

10 thoughts on “Dem Golfstrom geht es übrigens ausgezeichnet”

  1. Markus,
    Hervorragend, Dein Nachtrag. Nicht nur die für sich selber sprechenden Bilder der Sattellitendaten, sondern besonders auch Dein Kommentar im letzten Abschnitt.
    Aus eigener Erfahrung kenne ich die Problematik der Simulation von thermischen- strömungstechnischen- und hochgradig nichtlinearen Vorgängen (in meinem Fall kam noch dazu, dass nichtstatonäre Zustände zu simulieren waren). Wenn solche Modelle nicht schrittweise und relativ eng durch Messungen kalibriert werden können, sind besonders Prognosen in die Zukunft – d.h. Extrapolationen – eine sehr gewagte Angelegenheit. Je weiter man sich von gesicherten Messungen entfernt, desto grösser die anzunehmenden Streubereiche. Solche Prognosen enden sehr schnell in Bereichen der totalen Unschärfe.

  2. “Zum Beispiel, dass durch das Abschmelzen der Grönlandgletscher, so viel kaltes aber leichtes Frischwasser in den Atlantik gelangt, dass das warme jedoch salzhaltige und entsprechend schwerere Wasser des Golfstroms in die Tiefe oder südlich abgedrängt wird. Das ist alles denkbar und nachvollziehbar. Der Haken ist nur, dass …”

    … eben der Zeitpunkt für den Eintritt dieses Falles noch nicht genau bestimmt werden kann. Soweit in der Vergangenheit erkennbar, ist dieser Fall schon mehrmals eingetreten.

    Das im Zuge der Erderwärmung Eis (z.B. Grönlandeis) schmilzt ist auf jeden Fall erkennbar. Wann die Schmelzwassermenge so groß wird, das das Zusammenbrechen des Golfstroms eintritt, ist noch nicht bekannt (und hat auch Unsicherheiten) – und diese Unkenntnis wird nicht bestritten.

    Das z.B. ein Vulkan hin und wieder ausbricht ist bekannt – und doch siedeln viele in einem möglichen Schadensgebiet, z.B. Neapel.

    Vielleicht gehörst Du auch zu denjenigen, die aus dem 10. Stock springen und bis zum 1. Stock sagen: Mir ist bis jetzt nicht passiert, warum soll beim Rest mir was passieren.

  3. Die Analogie mit dem Sprung aus dem 10. Stock wird immer wieder gebracht, wenn es darum geht, mittels Schwarz-Weiss-Denken zu argumentieren und Opportunitätskosten auszublenden. Man könnte die Geschichte auch so erzählen: “Am besten bauen wir keine Häuser, denn man könnte aus dem 10 Stock fallen”.

    1. Die Geschichte à la Niffenegger ist bei aller Absurdität sogar noch irgendwie vernünftig, denn an der Gravitation ist ja kaum ernsthaft zu zweifeln. Aber wir brauchen nun mal Häuser – auch hohe und sehr hohe.
      Und wir brauchen Energie, sehr viel Energie und immer mehr davon. Aber diese ist auf der Welt noch nicht – und noch lange nicht – CO2-frei zu haben. Versuchen wir es mit Verzicht, dann begeht die Welt Selbstmord um einem alles andere als sicheren Totschlag zu entkommen…

      Ebel meint: “Vielleicht gehörst Du auch zu denjenigen, die aus dem 10. Stock springen und bis zum 1. Stock sagen: Mir ist bis jetzt nicht passiert, warum soll beim Rest mir was passieren.”

      Diese Gruppe dürfte sehr, sehr wenig Mitglieder haben.

      1. Geschätzter Herr Saurer
        Meinen Beitrag meinte ich ironisch. Eben gerade in Ihrem Sinne und als Gegenargument gegen die Zehnter-Stock-Analogie. Werde das nächste Mal etwas klarer/ausführlicher kommentieren….
        Mit besten Grüssen

      2. “Diese Gruppe dürfte sehr, sehr wenig Mitglieder haben.”
        Aber unter der Gruppe der Klimaleugner offensichtlich Viele.

        Wenn gezeigt wird, das bei bestimmten Umständen der Golfstrom kippt und gesagt wird, das sei Unsinn, weil der Golfstrom ja existiert, dann ist das ein Witz.

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