Grünes Paradoxon entfaltet Wirkung

Kopie aus Tagesanzeiger vom 5. Juni 2024, Seite 7, von Wirtschaftsredaktor Armin Müller:
Ölverbrauch steigt auch wegen Klimaschutz
Boom. Man sollte meinen, Öl sei ein Auslaufmodell. Doch entgegen früherer Prognosen wird erwartet, dass der Bedarf grösser wird. Entsprechende Aktien sind im Hoch.

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11 thoughts on “Grünes Paradoxon entfaltet Wirkung”

  1. Alles eine Frage des Betrachtungs-Zeitraumes – langfristig wird der Ölverbrauch wegen der Erneuerbaren auf jeden Fall zurückgehen. Ich vermute mal, schneller, als man sich das beim C-C Netzwerk vorstellen kann (der rückläufige CO2-Ausstoss im vergangenen Jahr ist da schon ein erster Hinweis!

    1. Beim CCN kann man sich noch einiges vorstellen. Neben dem grünen Paradox, dass die Fossilenförderer in Erwartung sinkender Nachfrage noch rasch alles, was noch geht, aus dem Boden holen wollen, der Fossilenpreis dadurch sinkt und die Fossilen überall (ausser in Europa) verbrannt werden, was das Zeug hält –
      also neben diesem scheinbaren Paradox auch den Leakage-Effekt. Die CO2-intensive Produktion wird aus Ländern mit strengen Vorschriften und hohen CO2-Preisen in Länder mit permissiveren Vorschriften und Null-CO2-Preisen verlegt. Und ja, dort wird dann auch wieder verbrannt, was das Zeug hält.
      Zudem sehen einige weniger freundliche Weltplayer gar nicht so ungern, wie Europa langsam aber sicher untergeht. Bis uns hier dann sogar die Mittel ausgehen, um den weniger Freundlichen ihre Batterien, Solarpanels und Windredlibestandteile abzukaufen.

      Die Allmendeproblematik (tragedy of the commons) ist ein Problem oder eben eine Tragödie für die Guten, aber nur für sie. Für die Unguten ist sie eine Chance, ja ein Segen.

    2. Sie haben den marktwirtschaftlichen Tiefgang des Artikels überhaupt nicht verstanden. Afrika allein wird in den nächsten 25 Jahren ein Einwohner plus von 1 Mrd. Menschen haben. Die werden voll auf Fossile und Atomenergie setzen, weil es die billigsten Energieformen sind, die direkt neben den neu entstehenden Megastädten installations- und betriebsfähig sind. Ein grosser Teil Asiens und Südamerkas wird das genauso tun. Das von Ihrer Auftraggeberbranche vielgerühmte “Erneuerbaren-China” hat momentan bis 2050 200 (!!) Kernreaktoren in Projektion. So die Aussage von Dr. Raphael Grossi, General Director der IAEA, der vor 2 Wochen in Zürich war.
      Aber ich verstehe, dass ein bezahlter Schreiber der hochsubventionierten Solarbranche in der Schweiz, solche Megatrends in seiner ihm eigenen Ignoranz besser unterschlägt. His Master’s voice. Da ist nicht mehr zu erwarten.

      1. Eine gutes Jahr fürs Klima, fragt die neueste Ausgabe der Zeit (6.6.24)? Ja, wirklich! 2024 könnten die weltweiten Emissionen in der Stromerzeugung zum ersten Mal sinken. Ist das der Beginn der großen Wende? Eine Erklärung in fünf Schritten! Die bereits rückläufige Entwicklung wurde 2023 in Deutschland und der Schweiz festgestellt!

        1. Und in den Ländern, aus denen Deutschland und die Schweiz ihre NEE-Komponenten (sowie fehlenden Strom) importieren, wurde der Rückgang kompensiert und überkompensiert… 😉

          Das Ganze wäre ja besorgniserregend, wenn der Zusammenhang CO2-Klima so einfach deterministisch wäre, wie uns gewisse weismachen wollen.

  2. Prof. Hans-Werner Sinn ist sehr kompetent, weltbekannt und seriös. Er ist weder Klimawandel-Leugner, noch Klimawandelpaniker. Er ist Wissenschafter! Seine Aussage zum “grünen Paradox” ist korrekt. Es handelt sich um einen logischen Schluss. Prof. Sinn sagt damit nicht, dass die Menschheit keine Massnahmen treffen soll. Wichtig ist ein Handeln mit Vernunft. Erinnern wir uns: das vorliegende Stromgesetz ist extrem teuer, komplett ineffizient, unzuverlässig und undemokratisch. Nein zu diesem Stromgesetz!
    Die CO2-Konzentration der Atmosphäre wird noch während vielen Jahrzehnten zunehmen. Man denke an das Bevölkerungswachstum in Afrika, in Indien, in Südamerika, usw. Vor allem denke man an die arme Welt (die Mehrheit der Menschheit). Die arme Welt kann weder teure Energien, noch hohe CO2-Steuern bezahlen. Sie muss noch lange billige fossile Energie einsetzen. Damit erreicht sie langsam Wohlstand und wird mittel- und langfristig eine CO2-arme Energiestrategie anstreben können (erneuerbare Energien und moderne Kernenergie). Ein Land wie die Schweiz muss neben erneuerbaren Energien (vor allem Verstärkung der Wasserkraft, ohne Stromgesetz) auch auf die moderne Kernenergie setzen. Und vor allem: Anpassung an den Klimawandel, anstatt ineffizient und unverantwortlich Geld zu verschwenden/verschleudern. Man erinnere sich: das Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 ist ein enormer Schwindel. Wenn die Versprechen vom Dezember 2015 jedes Jahr bis zum Jahr 2100 eingelöst werden, reduziert dies die mittlere Temperatur-Erhöhung um lächerliche 0.24 Grad Celsius. Im Jahre 2100 wird die mittlere Temperatur rund 4-4.5 Grad Celsius höher sein als die Temperatur der vorindustriellen Zeit. Es wird also trotz der Pariser-Farce erheblich wärmer werden. Eine Reduktion von 0.24 Grad Celsius ändert hier wenig. Wollte die Welt tatsächlich eine Limite von 1.5 Grad Celsius respektieren, so müssten die Versprechen von Paris rund mit einem Faktor 50-100 multipliziert werden.

  3. Wenn wir schon bei Prof.Sinn sind, so muss man dazu sagen, dass er in einem Vortrag in Luzern klipp und klar nachgewiesen hat, dass nationale Reduktionsziele nicht wenig Wirkung sondern genau NULL Wirkung für den CO2 Gehalt der Atmosphäre haben. Um überhaupt eine Wirkung zu erzielen müssten die meisten fossilen Brennstoffe im Boden bleiben. Um das zu erreichen bedürfte es eines Klimaklubs von Ländern die zusammen mindestens die Hälfte aller Emissionen ausstossen. Einen solchen Klimaklub zu etablieren bedarf es meiner Meinung nach einer „Klimadiktatur“, denn freiwillig werden die meisten Länder ein solches wirtschaftliches Verarmungsprogramm nicht mitmachen. Demokratisch geht das nicht.

    1. NULL Wirkung sog. “ambitionierter” nationaler oder regionaler Reduktionsziele ist sogar noch überaus optimistisch. Die Verlagerung (leakage) von CO2-intensiven Prozessen von den naiven Musterknaben-Ländern geht in Richtung von Ländern mit den lockersten Vorschriften, die die Reduktion der ersteren überkompensieren…

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