Wasserstoff – Heilmittel zur Sicherung der schweizerischen Energieversorgung?

«Netto Null» bis 2050 – vollständig dekarbonisieren, bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden – lautet die Verpflichtung, die die Schweiz mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens eingegangen ist und die nun nach der Annahme des Referendums vom 18. Juni 2023 zum Klima- und Innovationsgesetz auch gesetzlich verankert ist.

Zaubermittel H2

Zur Umsetzung wird Wasserstoff (H2) immer mehr als Bindeglied gesehen zwischen der intermittierenden Stromerzeugung durch Solar- und Windkraftanlagen und der Nachfrage – den Haushalten und Unternehmen, die kontinuierlich elektrischen Strom, Wärme und Treibstoffe benötigen. Besonders politische Kreise hoffen auf die H2-Energiespeicherung («power to H2 to power») als Ausweg aus der sonst in nützlicher Frist nicht lösbaren Speicherproblematik. Zudem setzen sie darauf, dass sich mittels H2 bald in enormen Mengen «grüne» synthetische Brenn- und Treibstoffe für Verbrennungsprozesse erzeugen lassen, die nicht elektrifiziert werden können.

In diesem Sinne hat sich im letzten Sommer auch die Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK) mit einigem medialem Nachhall zu Wort gemeldet und den Bundesrat aufgefordert, unverzüglich eine Wasserstoffstrategie zu entwickeln. (Brief der EnDK an den Bundesrat vom 6. Juni 2023)

Studie

Dies hat mich zu einer eigenen Studie veranlasst: Wie realistisch sind diese Vorstellungen oder Hoffnungen zum Wasserstoff als Quasi-Schlüsselelement der schweizerischen Klima- und Energiepolitik?Wie insbesondere in den doch sehr sportlich anmutenden Zeitverhältnissen?

Emanuel Höhener: Eine Wasserstoffstrategie für die Schweiz – sinnvoll? / machbar? Dezember 2023.

Nur noch 26 Jahre stehen für die herkulische Aufgabe des kompletten Umbaus der schweizerischen Energieversorgung zur Verfügung, die in rund 150 Jahren entwickelt und aufgebaut wurde und stets zuverlässig funktioniert hat. Dabei ist viel technisches und ökonomisches Neuland zu betreten, für das in den angestrebten Grössenordnungen noch keinerlei Erfahrungen vorliegen. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, um meine 12-seitige Studie zu studieren. An deren Schluss finden Sie 9 markante Schlussfolgerungen, die wie folgt verdichtet werden können:

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14 thoughts on “Wasserstoff – Heilmittel zur Sicherung der schweizerischen Energieversorgung?”

  1. Wenn unsere Kaderstellen in Politik und Staatsverwaltung so ausgiebig mit MINT-Absolventen besetzt wären wie dies nach Informationen eines fundierten Chinaexperten in China der Fall ist, dann würden wir uns nicht auf solche Irrwege begeben. Stattdessen haben wir dort eine Unmenge Juristen sowie zahlreiche Geistes- und Sozialwissenschafter aller Art.

    1. Und all die schlauen MINT-Experten in China bauen weltweit am meisten Anlagen für Erneuerbare Energien und ein Netz für grünen Wasserstoff….

  2. Utopisten auf der ganzen Linie. Bitte sofort Blick nach Deutschland. Siehe aktuelle Berichte auf DWN. Erinnert sei auch an Desertec: Solarstrom aus Sahara nach Europa. Grandios gescheitert. Das Gleiche nun mit Wasserstoff aus der Sahara. Elektrobusse an Thailand, bezahlt vom CH Volk zur CO2 Kompensation. Effizientere Kochöfen an Peru. USW. Indonesien, mit Wirtschafts Abkommen mit CH, will den Wohlstand wahren nur mit Kohle , Öl und Gas. CH irrlichtert wegen dem absolut zerstörerischen Klimabkommen. Fahren wir mit allen verfügbaren Traktoren nach Bern.

    1. Ja, tönt wie so vieles wieder einmal sehr interessant. Aber soweit ich sehe, sind keine Wirkungsgrade angegeben… wenn immer wir es mit Speichermedien zu tun haben, sind dies Energiesenken. Fragt sich aber: wie stark? wie viel Energie geht bei Power to Paste to Power verloren?

      1. Womit wir wieder mal bei der Feststellung sind, dass AKW mit die grössten Energiesenken sind (verpuffen rund 2/3 der erzeugten Energie = Abwärme in Luft und Wasser).

      2. Die Kalkulation ist eigentlich nicht schwer, denn der Wirkungsgrad der Kette Strom>Wasserstoff>Kraftwerk>Strom ist bekannt und liegt bei ca. 25 %. Bei aktuellen Stromkosten von angenommen 30 Rp./kWh muss daher Strom im Wert von 4 * 30 Rp. = CHF 1,20 in die Kette hineingesteckt werden, um hinten wieder ein kWh zu “ernten”. Pure Energieverschwendung und Wertevernichtung. Leuthards Vision wird die Schweiz noch in den Abgrund reissen.

        1. Jawohl, so ist es. Die Rechnung kann noch etwas weitergeführt werden, der Wasserstoff soll ja nicht mit Nuklear-, sondern mit Photovoltaikstrom erzeugt werden: Um die Energie eines AKW mit 1 GW Leistung mit PV zu erzeugen, muss etwa die zehnfache PV-Leistung, also 10 GW installiert werden. Läuft nun das Ganze durch die Strom-Wasserstoff-Strom-Mühle mit 75 Prozent Verlust, dann muss diese Leistung noch vervierfacht werden – ergo 40 GW an PV-Leistung. Wird wohl nichts mit der Wasserstoffstrategie…

      3. Bei der “Aktivierung” der Paste gibt’s meiner Meinung aus 1 gespeicherten H2-Molekül 2 H2-Moleküle (das neue Molekül kommt vom “Aktivierungswasser”),
        siehe http://www.powerpaste.ch/powerpaste-paste.html.
        Es wäre interessant, eine Energiebilanz zu sehen. Dies übersteigt aber meine Chemiekenntnisse.
        Es wäre schön, wenn diese Paste die sinnlose Wasserstoffpipeline ersetzen könnte.
        Vielleicht kann Herr M. de Rougemont weiterhelfen …

        1. Vielleicht kann die Paste als Flüssigkeit gepumpt werden.
          Vielleicht kann die Paste z.B. für Schiffsantriebe in Tanks geliefert werden.
          Jedenfalls könnte sie als Alternative für gasförmigen Wasserstoff für gewisse Anwendungen geprüft werden.
          (Ich habe bei einem grossen Logistik-Projekt mit Fraunhofer zusammen-
          gearbeitet, und diese Leute als sehr realitätskonform erlebt)

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