Und zu Weihnachten gibt es mehr Strom! (Offener Brief an BR Sommaruga)

Original per Post (Absender Werner Plüss)

Frau Bundesrätin
Simonetta Sommaruga
Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Bundeshaus Nord
3003 Bern

Und zu Weihnachten gibt es mehr Strom!

Guten Tag Frau Bundesrätin Sommaruga und interessierte Stellen

Ja, diese gute Botschaft könnten Sie verbreiten, wenn Sie wenigstens einige der Ratschläge in diesem offenen Brief sofort in die Tat umsetzen würden.

Akzeptieren wir zuerst, dass das Energiegesetz 2017 ein Rohrkrepierer ist, der uns wirtschaftlich und sozial vernichten kann und dass alle Mittel ausgelotet werden müssen (wie es jetzt endlich auch das grüne Deutschland tut), um Rationierung, wenigstens von Strom, diesen Winter zu vermeiden.

Die hierfür Schuldigen sind bekannt und bei fast allen Parteien zu finden. Der Putin Krieg hat diese Misere nur beschleunigt. Dass das Volk von Leuthard & Co bei der Abstimmung 2017 ‘versegglet’ wurde, ist auch Tatsache (Note 1). Nicht unschuldig daran sind auch die Gesetzesschreiber, die es fertiggebracht haben, mit einem konfusen, 40 + Seiten starken Abstimmungsbüchlein die Wähler total zu überfordern und verwirren – wenn diese es überhaupt gelesen haben, worauf wohl die Energietraumwandler aller Couleur gezählt haben.

Seit diesem Fiasko 2017 wurden ideologische Grabenkämpfe geführt, die sichere Stromversorgung verludert, anstatt pragmatisch das vorausgesagte Energiedefizit schleunigst anzugehen und Lösungsvorschläge mit allen Technologien von allen Parteien zu akzeptieren statt zu ‘verbieten’.

Sie müssen nun schleunigst die wirkliche Aufgabe des Bundesamts für Energie wahrnehmen und nicht jetzt schon die Verantwortung für die Versorgung unserer Volkswirtschaft auf Bundesratskollegen abschieben, an das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und im Notfall an Ostral.

So geht das nicht. Wie Sie treffend im Internet schreiben:

«Das BFE

  • schafft die Voraussetzungen für eine ausreichende, krisenfeste, breit gefächerte, wirtschaftliche und nachhaltige Energieversorgung;
  • sorgt für hohe Sicherheitsstandards bei der Produktion, dem Transport und der Nutzung von Energie.»

Immerhin ist jetzt allen wichtigen Akteuren klar, dass für die kurzfristig (einige Monate) notwendige zusätzliche Energie nur Öl in Frage kommt. Alle anderen Lösungen sind zeitlich nicht mehr möglich, sondern ideologiegetriebene Theorie oder Wunschdenken gewisser selbsterklärter Energieexperten.

Zusätzlich zu den üblichen Energieimporten und um den wegfallenden Winterstromimport zu ersetzen, benötigen wir bedeutend mehr Öl für die Mobilität allgemein sowie jetzt die vielen neuen grossen und kleinen Stromerzeuger, die Notstromgeräte für die Wasserversorgung, Spitäler, KMU, Handel und Industrien, Chemie, Pharma und so weiter, die im Moment dafür Millionen investieren.

Also bitte, Action ist überfällig. Sie könnten sich sogar ein Kränzlein winden, wenn Sie bis Weihnachten das Land mit mehr Energie, mehr Strom versorgen, anstatt nur negativ von Sparen und Einschränken reden, wie es jetzt schon einige Industrien dazu treibt, die Schweiz zu verlassen.

Ein Regiebetrieb und ein Rundreisli in der Schweiz können es richten:

  • Zuerst einmal nach Genf, die Händler besuchen, ihnen danken für ihre wichtige Tätigkeit, anstatt immer nur ideologisch verstopft wie die NGO ‘public eye’ an ihrem (über-) lebenswichtigen Service herumnörgeln. Dann zur Notversorgung Schweiz pronto bei Trafigura, Vitol, Mercuria vorsprechen und einkaufen. Die können jederzeit genug Öl auf dem Weltmarkt auftreiben – zusätzlich zu den klassischen Importeuren.
  • Und damit Qualität und Quantität stimmen (supply chain quality assurance and control) jetzt die SGS in Genf besuchen. Diese hat auch wertvolle, unabhängige Information über die verfügbare Ware. Die Firma ist mit über 90’000 Mitarbeitenden auf der ganzen Welt vertreten und auch spezialisiert auf jede Art Öl, ob roh oder raffiniert. Sie können in ihren Labors analysieren und während des Transports kontrollieren, damit Bundesbern nicht übers Ohr gehauen wird.
  • Dann ins Berner Oberland, zu den dort residenten griechischen Schiffsbetreibern wie zum Beispiel Peter Livanos – einem Freund der Schweiz, sicher mit einem offenen Ohr, um bei ihm und seinen Kollegen Tanker zu chartern. Wie seinerzeit im WW II die Getreideschiffe zur Notversorgung der Schweiz.
  • Zusätzlich für den Transport sollte man auch eine Anzahl Tanker reservieren für off-shore storage, das heisst mit sofort verfügbarem Öl vollgetankte Schiffe werden auf hoher See «geparkt» als Vorsorge – wenn man es braucht.
  • Jetzt ins Wallis zu Tamoil, um die stillgelegte aber immer noch intakte Pipeline Oléoduc du Rhône zu aktivieren (Note 2), für den Transport von Genua, wo die Tanker ausladen können, durch den Grossen Sankt Bernard bis nach Aigle. Zusätzliche Tanklager für die verschiedenen Ölprodukte können kurzfristig zugebaut werden, wenn nötig.
  • Mittelfristig kann man auch wieder Rohöl pumpen, wie damals als die Raffinerie Collombey noch im Betrieb war, zum direkten Turbinieren für mehr Strom. Der Prozess ist bekannt und die nötige Ausrüstung dazu auf dem Weltmarkt verfügbar. Eventuell könnten man auch ein stillgelegtes Deutsches Kohlekraftwerk umrüsten (Note 3). Das ehemalige 300 MW Schwerölkraftwerk Chavalon im Wallis wäre trotz Rückbau ein immer noch vorbereiteter idealer Standort. Auch in Birr gibt es entsprechende Pilotanlagen für Gas, auf Öl umstellbar, bei ex BBC, ABB, Alstom, General Electric, jetzt Ansaldo (die traurige Saga unseres ehemals Weltspitzen Know-hows von Spezialisten und 4’000 Patenten im Turbinenbau (Note 4).
  • Jetzt mit den Transportversicherungen Kontakt aufnehmen. Auch wenn diese in der Schweiz scheinbar ‘la fine bouche’ machen und wegen der bisherigen Klima- und ESG Politik nichts mehr Fossiles anrühren wollten, würden es Lloyds of London Brokers bei Bedarf wohl noch so gerne direkt richten (sogar die Grünen in Deutschland haben sich schnell an die neue Realität angepasst)
  • Für die lokale Verteilung in der Schweiz nach Luzern, zu Wascosa. Bis 80’000 Liter kann so ein Knickkesselwagen fassen und per Ganzzügen von der SBB bugsiert werden – zum nächsten Tanklager und den dezentralisierten kleinen Ölkraftwerken, sprich Notstromerzeuger, die überall im Lande spriessen. Auf der Strasse auch nicht verzagen, nur Giezendanner in Rothrist fragen.
  • Um diese kriegswirtschaftliche Ölversorgung wirklich professionell zu organisieren und managen und die Lieferung und Verteilung zu sichern, wäre Ivan Glasenberg, die Glencore Legende mit Schweizer Pass der Mann der Stunde. Dazu brauchen Sie nur nach Rüschlikon zu reisen. Er kennt Who is Who weltweit in diesem Metier und kann einen effizienten Stab aufbauen, um genau die Hilfe von Spezialisten organisieren wo und wann diese erforderlich sind.

So das wär’s für den Moment, der kurzgefasste aber praktisch machbare Plan für zusätzliche Energie- und speziell Stromversorgung für die Schweiz – noch vor Weihnachten. Mehr Details und Quellenangaben halte ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Einen warmen Winter ohne Rationierung wünscht Ihnen jetzt schon

Werner Plüss
17. August 2022

PS1: Sie müssen noch schnellstens die total widersinnige, von Bund und Kantonen subventionierte und umlagenunterstützte Dekarbonisierung/Elektrifizierung vorläufig aussetzen. Es kann nicht sein, dass wir jetzt noch zusätzliche, netzabhängige E-Mobilität und E-Wärmepumpen fördern und anderseits Strom sparen, ja frieren müssen. Die freiwerdenden Gelder bitte umleiten, um Notstromaggregate zu vergünstigen und vorläufig die Ölheizungen weiterlaufen lassen. Ebenso keinen Wechsel mehr von Diesel- und Benzinautos begünstigen. Diese könnten im Winter schlimmstenfalls sogar als temporärer Warmraum dienen – damit wir nicht unsere Gesundheit riskieren.

PS2 Nur damit alles klar ist: Ich bin für alle Formen von Energieerzeugung, die Sinn machen und so wenig wie möglich fossilen Brennstoff brauchen. Dieser Bodenschatz ist zu wertvoll, um verbrannt zu werden und sollte reserviert werden für unverzichtbare petrochemische Zwischenprodukte für wichtige Güter, Lebensmittel, die Medizin, die Gesundheitsindustrie.

1 https://www.c-c-netzwerk.ch/2021/09/05/soviel-saecke-gibt-es-gar-nicht-fuer-all-die-katzen-die- uns-leuthard-co-mit-diesem-gesetz-verkaufen-wollen/

2 https://www.nebelspalter.ch/stromengpass-eine-alte-olpipeline-koennte-die-schweiz-retten

3 https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_stillgelegter_Kraftwerke_in_Deutschland

4 https://www.woz.ch/-b59a

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7 thoughts on “Und zu Weihnachten gibt es mehr Strom! (Offener Brief an BR Sommaruga)”

  1. Sehr gut Werner! Wir befinden uns tatsächlich immer mehr in Geiselhaft einer rot- grünen Faktion, deren Unvermögen eine machbare, zuverlässige Energiestrategie aufzusetzen und auch umzusetzen immer offensichtlicher wird.
    Auch fehlt es an Willen und Verstand, Verantwortung für den bereits angerichteten Schaden zu übernehmen.

    Ich zitiere nachstehend aus meinem CCN Blog vom 6. April 2020

    “Denn sie wissen nicht, was sie tun!” ist der deutschsprachige Titel eines Kultfilmes aus der Mitte der 1950-er Jahre mit dem legendären James Dean in der Hauptrolle. In der Kernszene dieses Filmes geht es um die Mutprobe der jugendlichen Rebellen. Diese rasen mit hoher Geschwindigkeit mit ihren Autos auf eine Klippe zu, wer eher abspringt ist ein “Chick”, ein Schwächling. Am Ende ist es so, dass der Bandenführer, welcher das ganze anzettelt, im Wagen hängenbleibt und zu Tode stürzt.

    Der Bundesrat justiert die Energiestrategie, so vernimmt man dieser Tage. Wie sieht diese Korrektur aus? Man stellt offenbar fest, dass die ursprünglich festgelegten Ziele nicht erreicht werden können.
    Das wäre schon einmal die Basis für ein grundlegendes Überdenken der Situation – würde man meinen – und wäre in jeder Unternehmung die nun anstehende nächste Aktion. Nicht so beim Bund. Man will weiter wursteln wie bisher, bisherige Subventionen und Beiträge sollen durch neue Unterstützungsmechanismen unter einem neuen Titel abgelöst und die Zeitfenster dazu bis 2035 erstreckt werden.”

    Und weiter:

    “Kein Wort über dringend notwendige systemtechnische Massnahmen, das soll dann zugehen wie im Griechischen Theater – deus ex machina.
    Um zum Titelfilm zurückzukehren, man bremst nicht vor dem Abgrund, man hat nicht den Mut, Chick zu sein, sondern legt noch einen dazu, dass der Absturz mit voller Beschleunigung und wehenden Fahnen (sprich möglichst hohen Kosten) auch gesichert ist. Wie werden dereinst die noch ungeborenen Jugendlichen von 2050 über die heutigen “Wender” und “Weltenretter” denken? In Anlehnung an die momentan so populäre Aussage von Greta wird das wohl etwa sein: Ihr habt uns unsere Zukunft genommen”!

    1. Rot-grün die Schuld zu schieben ist zu einfach und heuchlerisch. Der Markt ist für die heutige Situation verantwortlich. Als Folge der Strommarktöffnung in Europa wurde es nicht mehr attraktiv in Kraftwerkskapazitäten zu investieren, genauso wie in der Schweiz. Für die Versorgungssicherheit ist niemand mehr verantwortlich, die Marktakteure und die Politik schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Misere. Neue KKW will im heutigen liberalisierten Strommarkt kein Marktakteur bauen, nur wenn der Staat wie in Frankreich oder England bereit ist alle Risiken zu tragen, können neue KKW finanziert werden. Liegt also nicht eher die Verantwortung bei den liberalen Ökonomen, die uns versprochen haben, dass der Markt dafür sorgen wird, dass die Stromversorgung günstiger und sicherer wird, wenn die Monopole der früheren Vollversorger wie EDF, ENEL, NOK, usw. abgeschafft werden?

  2. Kompliment, beeindruckender Brief. Ich habe dazu nichts beizufügen. Oder vielleicht doch. Eine Sorge beschäftigt mich schon. Ganz allgemein, besteht nicht die Gefahr, dass «wir» untereinander bleiben, «speaking to the converted»? Ist der Brief von Werner Plüss effektiv weiterverbreitet worden? Haben alle genannten Parteien (die Herren Peter Livanos und Ivan Glasenberg, die erwähnten Unternehmen) eine Kopie erhalten, wie steht es mit den Tagesmedien, die alle angefangen haben besorgte Energie Artikel zu publizieren, ja selbst, warum nicht auch GLP-Präsident Jürg Grossen, der an der heutigen Delegiertenversammlung seiner Partei in Solothurn Taten gegen die Klimaerwärmung und die drohende Energiekrise gefordert hat (wenn auch eher oberflächlich, aus dem Artikels auf http://www.blick.ch zu schliessen). Dann, CCN selbst. Zum Blog von Werner Plüss, in dem ich den Brief an Frau Sommaruga gelesen habe, steht nur die Aussage «Gastautor: Dies ist ein Blog von Autoren, deren Meinungen nicht mit denen von CCN übereinstimmen müssen». Somit: Welche öffentliche Rolle sollte oder möchte CCN gerne spielen um ihrem Anliegen als «Netzwerk für Politikberatung in Technik und Wirtschaft» gerecht zu werden?

  3. Wenn Allzuviele mit viel profunden Sachkenntnissen sich aus egozentrischen Gründen mit konstruktiver Kritik an der verfehlten Energiestrategie des Bundesrates zurückgehalten haben, müssen sie nun halt den Energienotstand akzeptieren. Der Energienotstand fällt nun auch denen auf die Füsse, die Ja zum Energiegesetz gestimmt haben. Zum Glück trifft es in unserer direkten Demokratie den wählenden Souverän. Oder doch nicht? Frau BR Sommaruga will den Privathaushalten und somit den loyalen Jasagern die Wohnstube so gut wie möglich warm halten. Dafür soll allenfalls dem Gewerbe und der Industrie der Strom abgestellt werden. Wer ohne Strom am Arbeitsplatz nichts mehr zu suchen hat, kann in der warmen Stube auf den Brownout oder Blackout warten. Wenn es zum Blackout kommen sollte ist die Wohlstandsgesellschaft dann wohl am Ende.
    Selbst als Laie war mir schon früh klar, dass auch ich etwas tun muss um das „worst case scenario“ zu verhindern. Bekanntlich gibt es nichts Gutes ausser man tut es. So habe ich z.B. vor mehr als einem Jahr Frau BR Sommaruga gefragt was den für sie das optimale CO2 Reduktionsziel sei, wenn 400 ppm zu hoch seien? Sollen etwa vorindustrielle Werte von 280 ppm als Zielsetzung dienen? Wie verhält es sich mit den unterschiedlichen optimalen Werten von Fauna und Flora? Wo doch mittels NASA Satelliten nachgewiesen* wurde, dass die Erde dank zunehmendem CO2-Gehalt grüner wird. Tomaten lieben ja 600 ppm, wie jeder Treibhaus Gärtner weiss.
    Vom BAFU erhielt ich einen 2-seitigen Brief einer Stv. Direktorin, in dem man mir zu bedenken gab, dass meine Frage keine einfache sei. Dafür aber erklärte man mir u.a. die Fotosynthese.
    „Denk ich an die Schweiz in der Nacht bin ich um den Schlaf gebracht!“

    *Greening of the Earth and its drivers
    Nature Climate Change volume 6, pages 791–795 (2016)

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