Zum Tod von James Lovelock

NZZ vom 28.7.2022

James Lovelock war mir immer ein grosses Vorbild. Seine Gaia Theorie mag zwar esoterisch klingen, aber die belebte Erde als komplexen Quasi-Organismus zu interpretieren, hat nicht nur mich fasziniert. Tatsächlich funktioniert und reguliert sich die Natur mit einer nie voll erfassbaren Zahl von Kreisläufen und beweist eine schier unglaubliche Resilienz. Da sind die Klimamodelle unserer bekannten Klimapäpste nichts als primitive Algorithmen, weit entfernt von der wahren Komplexität und Selbstregulierung der Natur.

Lovelock war wohl einer der ersten und dazu noch radikalsten Grünen. Auch er sah Katastrophen auf die Menschheit zukommen. Aber er hat seine Befürchtungen nicht einfach ideologisch durch Grund und Boden verteidigt, sondern seine eigenen Folgerungen immer wieder kritisch hinterfragt. Als logische Folge erkannte er, dass Kernenergie eine Schlüsselrolle für eine funktionierende Welt spielen wird. Getreu seinem Bild einer komplexen Natur, in welcher der Mensch einen möglichst geringen Fussabdruck hinterlassen sollte. Sein Credo zur Kernenergie wurde ihm von heutigen Grünen übel genommen. James Lovelock verkörperte das, was man einen echten Wissenschaftler nennen darf. Immer auf der Suche nach der Wahrheit, ohne je zu behaupten diese gefunden zu haben. Solche Wissenschaftler fehlen uns heute. RIP

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1 thought on “Zum Tod von James Lovelock”

  1. Trotzdem bestehen gewisse unumstössliche ‘physiologische’ Gesetze. Auch der humane Organismus ist quasi unendlich komplex – eine konstante Überversorgung mit Kalorien führt aber unweigerlich zu allbekannten Symptomen. Den Begriff ‘Grüne’ müsste man präzisieren: einige ehemalige Vertreter von Green Peace UK erachten zurecht die Kernenergie als fast ideale Alternative. Am schlimmsten sind die deutschen Grünen, und sogar ganz Italien könnte dazu gezählt werden, denn als einziges westliches, entwickeltes Land hat es die Kernenergie von Beginn und Grund weg vernannt. Dafür ist es zur Hälfte von Gas abhängig bei der Stromerzeugung.

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