Get your priorities right, mate!

Momentaufnahme zur Stromversorgung Australiens.

Australien erlebt gerade den kältesten Winter seit dreissig Jahren. Die Schigebiete Perisher und Mount Buller können dank ergiebiger Schneefälle ihre Saison früher als üblich eröffnen. 

Meine Aufmerksamkeit erregt hat die Frontseite vom The Advertiser, eine südaustralische Tageszeitung. Da ist zunächst das Portrait eines verstorbenen Australian Rules Football Spielers zu sehen, der posthum in die Hall of Fame der australischen Football League aufgenommen wurde. Aber eigentlich hat es die fette Schlagzeile mit einem Wortspiel in sich: BLACK IN THE DARK AGES. 

Man erinnere sich: Südaustralien verfolgt von den sieben Bundesstaaten Australiens die grünste Energiepolitik und setzt stark auf Windenergie. Nur Tasmanien mit seiner Wasserkraft kann seine Elektrizität noch CO2-ärmer produzieren. In Südaustralien wird der Strom zwar immer noch hauptsächlich mit Erdgas produziert, doch spielt Windkraft eine ausschlaggebende Rolle. So ausschlaggebend, dass ein Sturm im September 2016 die meisten Windkraftwerke ausser Gefecht setzte und die Stromversorgung zum Erliegen brachte. Zudem legte der Sturm die einzige Hochspannungsleitung zum Nachbarstaat Victoria lahm. Ländliche Gegenden und Aussenquartiere Adelaides hatten zwischen achtundvierzig Stunden bis zu einer Woche keinen Strom mehr. Damit dies niemals mehr passieren dürfe, bot Elon Musk den Bau der weltweit grössten Lithium-Ionen Batterie an. Doch diese Batterie kann höchstens grosse Fluktuationen glätten, einen Ausfall wie 2016 kann sie nie überbrücken. Die Stromversorgung ist damit nicht wesentlich sicherer geworden.

Da man auch downunder langsam realisiert, dass das nicht reicht, fordert jetzt der australische Energieminister Chris Bowen die Leute allen Ernstes auf, Schwimmbadheizungen und Aussenbeleuchtungen auszuschalten. 

Diese Massnahme wird mit Sicherheit den sich abzeichnenden Stromengpass verhindern. Wie die Frontseite des Advertisers zeigt, setzen die Aussies mit der Verehrung von Footballspielern und Lichterlöschen bei Energiekrisen auf sympathische Weise die Prioritäten irgendwie anders als unsereins. Der unverzichtbare Barbie wird ja immer noch mit Holzkohle betrieben.

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