Das «Urpapier» zum Scheitern der Energiestrategie 2050

2015 publiziert, von Politik und Medien ignoriert und totgeschwiegen, heute zutreffender denn je.

«Die Energiestrategie 2050 basiert auf lückenhaften oder wissenschaftlich nicht fundierten Entscheidungsgrundlagen. Sie verdient das Etikett „Strategie“ nicht.
Ihre negativen Folgen – stark steigende Energiepreise und externe Kosten, sinkende Stabilität des Stromsystems, zunehmende Auslandabhängigkeit, erodierende internationale Wettbewerbsfähigkeit – werden sich erst nach und nach zeigen, wenn der Systemumbau bereits weit fortgeschritten und nur noch zu horrenden Kosten zu korrigieren ist (Pfadabhängigkeit, irreversible Investitionen).

Die Energiestrategie 2050 muss unverzüglich gestoppt und grundsätzlich überarbeitet werden. Derzeit besteht keine Dringlichkeit, diese „Strategie“ zu verabschieden.
Unbedingt zu vermeiden sind punktuelle Umsetzungs-Korrekturen an den Vorschlägen des Bundesrats. Dies würde darauf hinauslaufen, mit grossem Aufwand Probleme anzugehen, die ohne den grundsätzlichen Fehlentscheid gar nicht entstehen würden.»

Diese Sätze stammen nicht aus einem Medienbeitrag zur aktuellen Lage der Energieversorgungssicherheit. Nein, das ist wörtlich zitiert aus der Kurzfassung der ISWB[1]-Studie von 2014: «Energiestrategie 2050: Eine institutionelle und ökonomische Analyse» . Autoren: Prof. Silvio Borner, Prof. Bernd Schips, Dominik Hauri, Markus Saurer, Bernhard Wyss. Wenn man neben den Autoren noch die Begleitgruppe zur Studie dazu nimmt, erkennt man unschwer die Gründungsmitglieder des heutigen Carnot-Cournot-Netzwerks. 

Nein, die Autoren verfügten vor acht Jahren nicht über prophetische Kräfte. Sie analysierten nur ganz nüchtern nach wissenschaftlicher Manier die technische, ökonomische und institutionelle Machbarkeit dieser «Energiewende». Jede negative Folge, vor welcher diese Studie warnt, ist bisher eingetroffen. Die Präsentation an der Medienkonferenz vom 24.11. 2014 in Bern wurde in den Medien totgeschwiegen, die Befunde waren damals wider den Mainstream, schon fast politisch unkorrekt.

Der Ruf «follow the science” hat durch Übertreibungen und politisch opportunistische Gefälligkeiten in der Klima- und Gesundheitspolitik starken Schaden erlitten. Doch genau dagegen sind die Studienautoren angetreten. Nicht ideologische Wunschvorstellungen, sondern eine sorgfältige Überprüfung, ob die Dispositionen der ES2050 nicht ökonomischen und physikalischen Grundregeln widersprechen, führte sie zu ihren Schlussfolgerungen. 

Es wäre nun billig, in Selbstgefälligkeit oder gar Schadenfreude die Aktualität dieser Studie herauszustreichen. Nein, vielmehr soll es eine Aufforderung und eine Ermunterung sein,  nun endlich den Weg der nüchternen wissenschaftlichen Analyse zu beschreiten und so rasch als möglich einen gangbaren Weg aus der offensichtlichen aktuellen energiepolitischen und energiewirtschaftlichen Sackgasse zu finden. 

Das wird nicht leicht sein. Und viel Schaden ist bereits angerichtet. Doch ein erster Ansatz wird sicher sein: Weniger Regulierung, mehr Marktwirtschaft, mehr Unternehmertum. Letzteres ist den praktisch vollständig in staatlichem Besitz befindlichen Energieunternehmen nämlich verloren gegangen, respektive wird von den Eigentümern gar nicht gewünscht. 


[1] Institut für Wirtschaftsstudien Basel AG

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20 thoughts on “Das «Urpapier» zum Scheitern der Energiestrategie 2050”

  1. Die Energiestrategie ist eine Gas-Strategie, also eine Putin-Unterstützungs-Strategie
    Botschaft des Bundesrates zum Energiegesetz:
    Die Grafik auf Seite 7647 zeigt den Bedarf an Strom bis 2050 ohne Ersatz der Fossilen.
    Die Tabelle auf Seite 7648 nennt die Gaskraftwerke und WKK, die nötig sind. (Ersatz der Fossilen ist da kein Thema!)

    https://fedlex.data.admin.ch/filestore/fedlex.data.admin.ch/eli/fga/2013/1476/de/pdf-a/fedlex-data-admin-ch-eli-fga-2013-1476-de-pdf-a.pdf

    1. Danke für Hinweis. Kann man so sehen. Aber Putin muss es nicht sein. https://www.tap-ag.com/news/news-stories/tap-transports-first-10-bcm-of-natural-gas-to-europe Axpo ist dabei. Unter anderen auch Norwegen, zusätzliche LNG Option möglich, wenn man vor Jahren, mit Verlaub, den Finger… https://www.c-c-netzwerk.ch/2017/05/06/werner-pluss-2/

      Reminiszieren hilft aber nichts. Wir müssen dringendst den Energieversorgungsnotstand angehen. Oel, Gas Russenembargo, Import oder Export, einkalkulieren. Kurzfristiger Effekt in Europa ähnlich einem volkswirtschaftlichen Herzstillstand. Rationierung vermeiden mit massivem Ausbau. Und nicht (nur) homöopathisch Sunnedächlis (aus China) installieren sondern klotzen, sofort, inklusive Öl. Zum Beispiel auch unbenutzte Pipeline Kapazitäten in die Schweiz aktivieren https://www.c-c-netzwerk.ch/2022/03/07/fiktion-so-loesen-sie-die-stromprobleme-frau-martullo-blocher/

      Das braucht ‘leadership’ in Bern. Staat und Privat an den Tisch und handeln. Nicht via Medien sträfliche schwarze Peter Manöver à la Sommaruga, so etwa, wenn zu wenig Energie muss halt Parmelin’s Bevölkerungsschutz die Verantwortung übernehmen – nachdem man selber die sichere Versorgung während Jahren verludert hat.

      Darum Sommaruga weg, Martullo-Blocher ran. Dream on …?

  2. Ich empfehle allen Kernenergiebefürwortern beim CCN das Interview von Alpiq Präsident Johannes Teyssen in der NZZ am Sonntag zu lesen. Schuld an die fehlende Investitionsfreudigkeit ist vor allem das liberale Marktmodell in Europa. Es fehlen seit 20 Jahren die richtigen Anreize für Investitionen in neue Kraftwerkskapazitäten, auch in der Schweiz. Die Preise an der Strombörse waren deswegen jahrelang extrem tief. Mit anderen Worten, wir lebten von der Substanz, das sollten eigentlich alle verstehen können.

      1. Damit Sie verstehen wie die reale Welt tickt, aber lesen Sie doch was M. Häring in seinem letzten Absatz schreibt …
        In den VR von Axpo und Alpiq sitzen keine Politiker mehr, sondern Unternehmer und Fachleute, die nüchtern Chancen und Risiken abwägen.
        Und bei neuen KKW sind die Risiken nicht tragbar, so einfach ist das!

        1. Das mag ja sein, Herr Huber, es liegt aber weitgehend an nicht-adäquaten Rahmenbedingungen. Denn aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind KKW im Strommix auf Dauer unverzichtbar für die Schweiz, wenn die Dekarbonisierung und die Versorgungssicherheit ernst genommen werden wollen. Aus diesem Grund sollten auch die Produzenten Einfluss auf die Rahmenbedingungen nehmen…. und wir ebenso.. und sie auch. Sonst gehen in der Schweiz bald einmal nicht nur die Lichter aus.

          Kommen Sie an den nächsten CCN-Themen-Apèro im “Äusseren Stand” in Bern – 19. Mai, Vorabend, s. Programm auf unserer CCN-Site – dann besprechen wir das bei einem Glas Wein.

          1. Nein, ich komme nicht nach Bern, aber es gibt sicher mal eine andere Gelegenheit.
            Nun die Schweiz brauchte dann einen Macron oder einen Johnson, welche das Volk überzeugen kann und Alpiq und Axpo nationalisiert, damit sie in neue KKW investieren.
            Ist das aber wirklich noch Marktwirtschaft im Sinne vom liberalen CCN??

    1. Ich habe das Interview doch noch gelesen. Ziemlich schwach. Aber das hier steht auch drin:
      “Die vorhandenen grossen Wasser- und die Kernkraftwerke müssen erhalten bleiben. Mir fällt nicht viel ein, mit dem man morgen die Kernkraftwerke Gösgen oder Leibstadt ersetzen könnte.”

      Mir auch nicht… und später können die nur und nur mit neuen KKW ersetzt werden. Der Mann ist zumindest inkonsistent.

      1. Mag sein, ich empfehle Ihnen auch noch das Artikel in der NZZ vom 26.04.22 “Kernkraftwerke brauchen mehr Schutz”.
        Sind Sie damit einverstanden? Dann können wir gerne zusammen ein Glas Wein trinken!

    2. Die “Verbots”-Energiestrategie 2050 (Abstimmung vom 21.5.2017) ist ein kompletter Fehlschlag, ein Fiasko. Das vorliegende Interview mit dem Präsidenten der Alpiq ist sehr schwach, oberflächlich und zum Teil auch widersprüchlich. Man muss jedoch wissen, dass die Aktionäre der Alpiq heute praktisch alle antinuklear sind. Und der Präsident Johannes Teyssen darf seinen Aktionären nicht widersprechen. Kurzfristig werden wir keine Kernkraftwerke bauen. Doch mittel- und langfristig werden die erneuerbaren Energien zusammen mit der modernen Kernenergie (sichere Spaltungsreaktoren der Generation IV und Fusionsreaktoren) den Energiehunger der Menschheit stillen. Das Forschungs- und Entwicklungspotential ist noch enorm im Rahmen der erneuerbaren Energien und im Rahmen der Kernenergie.

      1. Genau. Der Mix Erneuerbare mit Speicherung (wie auch immer) ist einem Mix KKW, Erneuerbare und Speicherung vermutlich massiv unterlegen – ökonomisch und vor allem auch ökologisch (Ressourcenverzehr!). Gesucht ist sowieso aber der optimale Mix. Da diesen die Behörden nicht kennen, sollte man von aktiven Fördermassnahmen absehen. Nur die Externalitäten soweit möglich internalisieren und den Such- und Entdeckungsprozess des Marktes spielen lassen.

        So oder so – und darum geht es hier vor allem – muss die ES 2050 als gescheitert betrachtet und deshalb unverzüglich gestoppt werden. Das haben aber die Behörden und die Politik immer noch nicht begriffen. Sie drehen weiter an der Regulierungsspirale, die uns immer weiter in die Sackgasse hineinbohrt.

  3. Verantwortlich für das Schweizer Energiekonzept ist der Bundesrat, Artikel 89 BV.

    NEIN zu Lücken in Schweizer  Energiegesetzen.
    👉Art3 des Energiegesetzes* vom Mai 2017 verlangt eine Reduktion des gesamten Energieverbrauchs um 43% bis zum Jahr 2035 also Abbau von Elektrostrom und aller CO2 produzierenden Fossilen wie Gas, Heizöl, Diesel, Benzin usw. AKW und Rest bis 2050. 
    👉Aber stetig steigt der elektrische Leistungsbedarf für Wärmepumpen, eMobilität, Speicher füllen, Bevölkerungszuwachs+20%, Digitalisierung und Ersatz von CO2, Gas, Erdöl, usw. 
    👉Aber nur rund 2000 bzw. 4000 Stunden pro Jahr sind Sonne bzw. Wind verfügbar, mit x-tausend Stromschwächen. Die Betriebsstunden sind an jeder Anlage ablesbar. Kleiner Ausbau von Wasser-Kraft und -Speicher sei noch möglich. 
    👉 Wenn jederzeit genug Verbraucher fehlen, dann ist dieses Gesetz machbar, denn das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch elektrischer Leistung muss jederzeit gegeben sein.
    👉 Das Energiegesetz* (EnG vom 21.05.2017 Energiestrategie 2050) 
    https://www.admin.ch/dam/gov/de/Dokumentation/Abstimmungen/Mai17/LowRes_Volksabstimmung_Erlaeuterung_21_05_2017_DE.pdf.download.pdf/Erläuterungen%20des%20Bundesrates%20-%20Volksabstimmung%20vom%2021.%20Mai%202017.pdf

    1. Sie argumentieren erneut mit der falschen Zahl von Stunden mit Sonnenschein und liegen immer noch daneben! Denn für Wind- und Solarenergie wird die Leistung jeweils umgerechnet in Volllaststunden angegeben zwecks Vergleichbarkeit. Eine jährlich Volllast einer Solaranlage in unseren Breitengraden von rund 1000 Stunden bedeutet aber nicht, dass die Sonne nur 1000 Stunden scheint. Vielmehr scheint sie mal mehr, mal weniger – und Strom wird während dieser Zeit dauernd produziert, sicherlich mal mehr mal weniger, aber eben dauernd (bei der Sonne die Nachtstunden und seltene Nebellagen ausgenommen). Jeder kann sich ja selbst überzeugen, dass die Sonne offensichtlich mehr als 1000 oder auch mehr als 2000 Stunden pro Jahr scheint bzw. Licht auf die Erde sendet (was je nach Modul wichtiger ist als direkter Sonnenschein). Beim Wind gelten 2000 bis 4000 Volllaststunden (auf dem offenen Meer) – aber es windet noch viel häufiger, selbstredend auch in der Nacht, was die fehlende Sonne zumindest teils als Energiequelle kompensiert.

      1. Die ganze Sache wäre weit einfacher zu managen, wenn die Sonne für x Stunden (sagen wir 1000) voll und daneben gar nicht scheinen würde, und analog der Wind zu 2000 Stunden mit genau z km/h blasen und daneben auf Null zusammenfallen würde. Herr Rehsche soll doch einmal kurz erläutern, welche Vorteile es mit sich bringt, dass sich die Sonne und der Wind nicht so verhalten, sondern erratisch zwischen Null und Maximum schwanken. Etwas anderes – und vorteilhaft – wäre es in der Tat, wenn die Produktion von Sonne und um einen Durchschnittwert oszillieren würden, dann könnten wir diesen Durchschnittwert in das Kalkül einer sicheren Versorgung einfliessen lassen. Und dann müssten wir nur den Bedarf minus diesen Durchnittswert in Reserve (Backup) halten. Leider gibt es häufig Dunkelflauten, dass wir Reserven für den gesamten Bedarf vorhalten müssen. Somit führt der Einsatz von intermittierenden Energiequellen zu einer Duplizierung der Anlagen, zu einem enormen Verzehr knapper Ressourcen und letztlich zu enormen Mehrkosten im Vergleich zum Einsatz von nicht-intermittierenden Energiequellen. Bei vollständiger Versorgung mit intermittierenden Quellen (die wie Sonne und Wind immer wieder mal auf Null fallen) erreichen wir die höchstmöglichen Versorgungskosten. An den Beispielen Deutschland und Dänemark, teilweise auch Grossbritannien, können wir schon heute beobachten, wie teuer das kommt.

        Und umweltschonend ist das nicht, denn Kosten sind nicht CHF, sondern Ressourcenverzehr.

        1. Irrtum: Es gibt nicht häufig Dunkelflauten – sondern aufs ganze Jahr gerechnet so um die zwei bis vier Wochen!

          1. Sonne und Wind müssen gefördert werden, weil sie fehlen zu oft, x-tausend Stunden pro Jahr.
            In einigen Jahren wird das alle klar sein.

          2. “Ruhnau und Qvist haben in den Wetterdaten der letzten 35 Jahre die Dunkelflaute mit dem größten Energiedefizit im November & Dezember 1996 gefunden. Diese Dunkelflaute dauerte aber nur 61 Tage, also 2 Monate.”
            https://www.tech-for-future.de/dunkelflaute/

            Dieser Text räumt noch mit weiteren Denkfehlern rund um die Dunkelflaute auf:
            “Das Hauptproblem der naiven Definitionen ist die fehlende Orientierung an der Praxis. Oft führt dies zu einer irreführenden Unterteilung von langen Dunkelflauten in mehrere Teilstücke. Es genügt ein einziger guter Tag, um die Dunkelflaute vorzeitig für beendet zu erklären, selbst wenn sie nach einer kurzen Unterbrechung weitergeht.”

        2. Wie teuer die Alternative, die Atomkraft kommt, sehen wir doch grade in Grossbritannien – wo die Kilowattstunde aus dem derzeit in Bau stehendem AKW Hinkley Point auf mindestens 13 Rappen pro Kilowattstunde zu stehen kommt (aus alten AKW 5-7, aus neuen Solar- und Windanlagen zwischen 4 bis 10 Rappen), rechne!

          1. Wenn etwa die zweitbeste Opportunität ein System ist, wie es sich die Deutschen ausgemalt haben (und jetzt davon wieder abrücken müssen), dann ergibt ein Systemvergleich zur besten Opportunität (mit schwergewichtig KKW im Strommix), dass man man den KKW sogar negative Opportuniätskosten zuordnen könnte. Man muss eben die betriebswirtschaftliche und die volkswirtschaftliche Rechnung anstellen. Betriebswirtschaftlich kann es ev. noch schwierig sein, weil die Regulierungskosten die pekuniären Kosten der KKW künstlich in die Höhe treiben….

            Aber das ist Stufe II, lieber Herr Rehsche. Soweit sind wir wohl noch nicht.

            Und die wahren volkswirtschaftlich und ökologisch relevanten Kosten messen sich nicht in CHF oder $, sondern im realen Ressourcenverzehr.

      2. In der Schweiz können rund 1000 Volllaststunden (kWh/a/kWp) Sonnenstrom produziert werden, ablesbar an jeder Anlage
        und die SolarAnlagen sehen die Sonne bis rund 2000 Stunden pro Jahr, rund 6000 Std/a kein Sonnenstrom!

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