Commodities: Zusammenspiel von Märkten und Logistik

(Übersetzung aus französischem Original)

In einem früheren Beitrag haben wir die Ironie des Glaubens an die Substitution von kohlenstoffhaltigen durch tugendhaftere Energien mithilfe von steuerlichen Anreizen und Bestrafungen sowie ideologisch verzerrten Subventionen beschrieben. Weder diese vermeintliche Tugend noch die Wirksamkeit dieser Substitution werden sich erfüllen angesichts von Märkten, die in ihrem Realismus ebenso wie in ihren Erwartungen gnadenlos sind.

Der Rest des Abenteuers zeigt sich in einer bitteren Manifestation der Folgen einer Schrumpfung, die beschlossen wurde, um den Fortbestand der Gesundheitssysteme zu sichern, die Gefahr liefen, von einem tödlichen Virus überrollt zu werden. Das Jahr 2020 war also wie ein Laboratorium für einen Mini-Wirtschaftskollaps, einen Pilotversuch dessen, was sich viele Salon-Umweltschützer wünschen. Trotz der anhaltenden gesundheitlichen Unwägbarkeiten erwies sich 2021 als ein Jahr der Erholung, allerdings nicht ohne Mühe, da die Logistik nicht gut mithielt.

Durch die teilweise Einstellung der Produktion im Jahr 2020 waren die Lagerbestände, die bereits durch just-in-time-Strategien auf ein Minimum reduziert worden waren, schnell aufgebraucht. Eine spektakuläre Erholung wies nur hin auf ein logistisches Gesetz, das man mit Badewannenaufgaben schon in der Grundschule lernt: Die Wanne wird sich nur dann füllen, wenn der Zufluss grösser ist als der Abfluss. Nun hat sich die Nachfrage wieder stärker «erfrischt» als das Angebot, womit sich die Lagerbestände nicht oder nur mehr sehr langsam erholen. Erinnerung: Ein Lagerbestand kann einerseits ein Mass für die Ineffizienz eines Produktions- und Verteilungssystems, andererseits aber auch ein Mass für die Versorgungssicherheit sein. 

Die Märkte brauchen keine gelehrten Studien zu diesem Thema und auch keine exakten oder genauen Zahlen; sie reagieren reflexartig. Der Markt für Commodities ist der beste Beweis dafür. Zweite Erinnerung: Commodities sind sehr oft Grundgüter, die niemand entbehren kann und deren Spezifikationen standardisiert sind; sie unterscheiden sich nur durch ihre Produktionskosten, die an einem Ort günstiger sind als an einem anderen. Im Jahr 2021 sind ihre Preise dramatisch gestiegen – mit nur wenigen Ausnahmen:

Nicht nur die meisten dieser Produkte wurden teurer, sondern auch ihr Transport, indem der weltweite Containerfracht-Index (Freightos Baltic Index, FBX) um 169% stieg, nachdem er sich im 2020 bereits mehr als verdoppelt hatte (+122%). Der Schweizer Finanzsektor stieg um 20,3 % (SMI), während die Leitzinsen der Nationalbank negativ blieben und der Goldpreis geringfügig fiel.

Wenn man sich diese Zahlen genauer ansieht, stellt man fest, dass die Aktienindizes der mit Solarenergie (Solar Energy Index) und Windenergie (Wind Energy Index) verbundenen Industrien im Wert gesunken sind (-16% bzw. -11%), während der mit der Kernenergie verbundene Index um 13% gestiegen ist. Welche Ironie! Trotzdem brach die Spekulation mit CO2-Emissionsrechten (EU Carbon Permits) neue Rekorde, während die zugrundeliegenden Industrien, die davon profitieren sollten, die Anleger nicht überzeugten. Die Märkte kennen offenbar keine Gefühle, vor allem nicht solche des Gehorsams gegenüber den Klima-Ukas, die im November in Glasgow noch einmal erfolglos wiederholt wurden.

Bleibt noch die Gaspanik in Europa, die wahrscheinlich aus politischen Motiven überhöht wurde, jedoch auch durch einige mit Flüssiggas beladene Schiffe aus den USA ein wenig beruhigt wurde. Was das Leichtmetall Lithium betrifft, das in der Elektromobilität eine gewichtige Rolle spielt, beginnt ein Kampf um die Entdeckung und Ausbeutung von Minen von Serbien über Australien bis nach Chile. Dasselbe gilt für Kobalt und seltene Erden (vor allem Neodym). Die Sprünge von Ethanol sind ebenfalls überraschend – wenn auch nicht allzu sehr, wenn man an die hydroalkoholischen Desinfektionsmittel denkt, die jetzt in enormen Mengen rund um die Begegnungsorte verdampfen – man müsste ihren Beitrag zum Treibhauseffekt auswerten…

Daher kommt es zu einer inflationären Entwicklung, deren Ursprung in den globalisierten Produktions- und Versorgungsstrukturen liegt. Einmal in Gang gesetzt, ist niemand in der Lage, vorherzusagen, wann und wie sie sich wieder beruhigen wird. Die wohlhabendsten Länder geraten in Panik angesichts der Abhängigkeit, in die sie sich in den letzten drei Jahrzehnten selbst hineinmanövriert haben. Sie glaubten, von Dienstleistungen und informatischen Virtualitäten leben zu können, während sie die konkrete Knochenarbeit an aufstrebende Länder delegierten, die nach industrieller Entwicklung lechzten. Es ist nicht sicher, ob die Rückverlagerung der Herstellung von ein paar Tonnen Paracetamol (ein generisches Schmerzmittel, das in hohen Dosen hochgiftig ist) nach Europa diese Kopfschmerzen beheben kann.

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1 thought on “Commodities: Zusammenspiel von Märkten und Logistik”

  1. Kürzeste und aussagekräftigste Zusammenfassung der Weltwirtschaftssituation zur Jahreswende, die ich in den letzten Wochen lesen konnte . Danke.

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