Die Kosten der Klimapolitik für die Uni Bern

Die Kosten der Klimapolitik für die Uni Bern

Die Universität Bern hat vergangene Woche die 10. Internationale Kohlendioxidkonferenz in Interlaken durchgeführt. Am Donnerstag Abend dann ein Anlass für die Öffentlichkeit mit dem Titel «Tatsache Klimawandel: Folgen für das Berner Oberland». Es referierten die drei Berner Professoren Thomas Stocker, Martin Grosjean und Rolf Weingartner. Die Moderation des Abends und der Diskussion erfolgte auch gleich durch einen Kommunikationsfachmann der Uni. Dann heute die Berichterstattung in den Tageszeitungen. In der Berner Zeitung vom Wochenende sind Sätze zu lesen, wie «die Fichte leidet schon heute am meisten unter der Sommertrockenheit», «aus ökonomischer Sicht ist es sonnenklar, dass man in den Klimaschutz investieren soll», «dass Berner Oberland und die Schweiz müsse eine Vorreiterrolle übernehmen», «wer sich als Erster bewegt, wird als Erster Marktvorteile haben».

Nun, die drei Herren haben alle im letzten Jahr an einem Bericht der Akademien der Wissenschaften Schweiz mit dem Titel «Brennpunkt Klima Schweiz: Grundlagen, Folgen und Perspektiven» mitgearbeitet. Dort steht aber auf Seite 108 im Vorspann zum Kapitel "Wald" die positive Feststellung, dass «…sich der Wald in den höheren Lagen ausdehnen und besser wachsen…» wird.

So zeigt sich halt eben, dass das Wissen der drei Herren doch ziemlich auf ihre Fachgebiete beschränkt ist:

1. Anders als im Mittelland wird die Fichte mit dem Klimawandel im Berner Oberland sehr wohl zurecht kommen. Im Berner Oberland, wo aufgrund des Föhneinflusses die Fichte in tiefen Lagen geradezu eine bescheidene Rolle spielt (siehe das Titelbild vom Brienzersee), wird die Fichte nicht ein «Opfer» (Zitat Berner Zeitung), sondern vom Klimawandel profitieren.

2. Aus ökonomischer Sicht zeigt die weltweite Evidenz, dass gerade von Investitionen in den Klimaschutz dringend abzuraten ist. Im Kern des ökonomischen Denkens steht nämlich nicht die Malthusianische, sondern die Robbinsianische Knappheit: «Economics is the science which studies human behaviour as a relationship between ends and scarce means which have alternative uses» (Robbins 1932:15). Dies bedeutet, dass ökonomisches Handeln immer die beste Alternative auswählt. Eine positive Wirtschaftlichkeit ist als solches noch kein hinreichender Grund zum Handeln. Und das Copenhagen Consensus Center zeigt seit Jahren, dass es klügere Investitionen für das Wohl der Menschheit als Massnahmen gegen Klimaveränderungen gibt.

3. Die Schweiz weist derzeit noch sehr tiefe pro-Kopf-Kohlendioxidemissionen auf. Weshalb sollte sie dann eine Vorreiterrolle übernehmen?

4. Wenn Berner Klimaforscher meinen, sie könnten der Wirtschaft ernsthaft Marktvorteile prognostizieren, dann haben sich unweigerlich grenzenlose Naivität und wissenschaftliche Überheblichkeit gepaart.

Das grosse politische Engagement der Berner Klimaforscher ist, wie alle menschlichen Handlungen, nicht kostenlos (auch hier im ökonomischen Sinn gemeint). Dabei sind alle Kosten in Betracht zu ziehen, d.h. die offensichtlichen und die weniger offensichtlichen Kosten. Zu den weniger offensichtlichen Kosten gehört der wissenschaftliche Reputationsverlust. Politik und Wissenschaft sind beides menschliche Beschäftigungen. Aber sie vertragen sich denkbar schlecht. Politiker, wollen sie (wieder) gewählt werden, vertragen nur eine beschränkte Dosis Wissenschaft. Gleiches gilt für Wissenschaft: Jedes Schrittchen, welches sie ein bisschen näher an die Politik heranführt, bedeutet auch ein Verlust an Unvoreingenommenheit Neutralität, Vorurteilslosigkeit oder wie man es immer nennen will.

Ganz konkret bedeutet dies, dass ich vor 30 Jahren ein grosser Fan der Klimaphysik an der Uni Bern war und viele ihrer Schriften gut kannte. Heute anerkenne ich zwar das grosse politische Engagement der Berner Forscher. Es käme mir aber kaum mehr in den Sinn, klimawissenschaftliche Arbeiten der Uni Bern zu lesen oder gar abzulegen. Es geht nämlich schon lange nicht mehr darum, ob sich das Klima verändert hat bzw. wie stark es sich noch verändern wird. Vielmehr geht es darum, wann wir was dagegen unternehmen sollen. Und genau zu diesen beiden Fragen, welche keineswegs nur normativer Natur sind, führt das grosse politische Engagement der Uni Bern m.E. einzig zu Befangenheit.


Referenzen

Robbins L (1932) An essay on the nature & significance of economic science. London: MacMillan. 141 p.

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