In der Sonntagszeitung vom 27. Januar 2019 findet sich eine doppelseitige «Zusammenarbeit» von Tamedia, Commercial Publishing und EnergieSchweiz mit dem sperrigen Titel «Wissenschaftler erforschen Vorurteile - Vorurteile helfen dem Gehirn, im Alltag mit der Informationsflut umzugehen. Sie hemmen aber auch den Fortschritt.»
Am Rande ist diese «Zusammenarbeit» zwar mit «sponsored» gekennzeichnet, immerhin, aber voll zutreffend wäre nur ein Hinweis wie folgt: Mit Steuergeldern der Schweizer Bürgerinnen und Bürger bezahlt.

Inhaltlich übertrifft dieser Beitrag den Grenzwert meines Bullshit-Stempels um ein Vielfaches...

... und gibt Anlass zu Empörung.

Angebliche Vorurteile werden so «gezielt» ausgewählt, um eine primitive Scheinkritik zu kontern, die bei näherer Betrachtung selbst von Leuten nie vorgebracht würde, die wenig bis nichts vom Thema wissen (cherry picking).

In der Schweiz gäbe es in der Tat genügend Fläche und Wind, um PV-Paneele und Windmühlen in grosser Menge zu installieren. Doch das ist gar nicht der Punkt - kein Mensch würde das bestreiten. Der Streit dreht sich vielmehr um die wirklich benötigte Fläche und die Anzahl der zu installierenden Windkraftanlagen. Darüber wird im Beitrag aber nichts gesagt. Ebenso fehlen Angaben zu den Kosten, zur Finanzierung und zur tatsächlichen Lebensdauer solcher Anlagen. Es ist gelinde gesagt unklar, wer in Bezug darauf die weniger haltbaren Vorurteile hat, ob die Befürworter oder die Gegner der aktuellen Energiepolitik.

Wie wird die Versorgung jede Nacht, bei bedecktem Himmel und bei leichtem Wind oder gar bei Flaute sichergestellt? Und im Winter? Es scheint den «Zusammenarbeitern» offenbar am besten zu sein, gar nicht erst darüber zu reden…

Dagegen wird behauptet, dass die Versorgung des Landes mit dem Grosseinsatz erneuerbarer Energien sicher sei. Es fehlt der Hinweis, dass dies - wenn überhaupt - nur für die begrenzte Zeit gilt, in der unsere Kernkraftwerke noch in Betrieb bleiben.

Auch keine Rede ist davon, dass unser Land immer mehr von Stromimporten abhängig wird - notabene aus fossilen und nuklearen Werken im Ausland und notabene in einem Entwicklungsumfeld, in dem auch unsere Nachbarländer immer mehr auf Erneuerbare und Stromimporte setzen wollen. Der Beinahe-black-out vom 11. Januar lässt grüssen und für die nahe und fernere Zukunft bangen.

Die «Zusammenarbeiter» wollen dem Leser offensichtlich «eintrichtern», dass Skeptiker (eigentliche «Ungläubige im Sinne der aktuellen Energiereligion») nichts anderes sind als Opfer ihrer eigenen Vorurteile, Unwissenheit und Denkschwächen sowie ihrer Abneigung des Modernen und Neuen. Ein richtiggehend diffamierender Vergleich wird dazu auch noch beigezogen: «Eine Denkschwäche, die vor allem Menschen zu spüren bekommen, die aufgrund von negativen Vorurteilen diskriminiert werden - etwa Schwarze, Flüchtlinge und Schwule und Lesben.» Das ist Populismus pur, Mainstream-Populismus, der am schwierigsten aufzuspürende und zu demontierende Populismus.

Referenzen zu «Studien» in Aachen sind seltsam: warum nicht Palermo oder Harare? Vielleicht kennt der anonyme Autor nichts anders (cheap hired pen of horrible quality).

Link zum Artikel (ohne Absicht, ihn weiter zu verbreiten, pas de propagation svp, cela ne le mérite pas).

Avec mes remerciement à Markus Saurer pour la parfaite mise au point des déficiences de mon expression allemande et de mes Denkschwächen.